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Rachel Corrie (ISM-Foto)


Eine Seite für Rachel Corrie

1979 - 2003

Bei dem israelischen Versuch ein palästinensisches Haus in Rafah zu zerstören, wurde Rachel Corrie, eine amerikanische Friedensaktivistin der Organisation "International Solidarity Movement " von einem Bulldozer erfasst und getötet.

.... Rachel war als Mitglied des International Solidarity Movement ein Teil der internationalen Zivilgesellschaft wie wir alle. Durch ihr Handeln bekannte sie sich zu ihrer Verantwortung für die inhärente Würde und die gleichen Rechte aller Menschen, damit auch das Recht auf eine Nationalität. Gewaltlos stellte sie sich der Gewalt entgegen, die die Besatzung den Palästinensern .... antut.  Quelle
 

Persönliches

Das schreckliche Geschehen

Reaktionen

Rachel Corrie wuchs in Olympia/Washington auf. Ich sah sie zum erstenmal, als sie Schülerin im Wahlfachprogramm der Lincoln-Schule war - 1989. In den letzten beiden Jahren haben wir viel miteinander geredet. Rachel war sanft und engagiert. Unterdrückung, egal wo, machte sie rasend. Sie war aktiv in der Bewegung für soziale Gerechtigkeit und Frieden. Rachel war sehr bescheiden und verantwortungsbewusst. Sie war die Seele der 'Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit' hier in Olympia. Zur Gruppe war Rachel über ihre Studien ('Local Knowledge'-Programm bei Anne Fischel u. Lin Nelson) gekommen. Rachel engagierte sich sehr aktiv gegen den US-"Krieg gegen den Terror" u. gegen US-Militarismus. Ich erinnere mich an ein Projekt, in dem sie mit Leib und Seele aufging: die Aktion in Percival Landing zum Jahrestag der Anschläge - am 11. September 2002. Dabei ging es gegen den Krieg in Afghanistan und die Repression im eigenen Land. Auch viele Grundschul-Kinder waren damals, dank Rachels Engagement, beteiligt. Heute (Sonntag, den 16. März um 19 Uhr) werden wir auf Percival Landing eine Gedenkwache abhalten. Wir halten sie einerseits im Angesicht des drohenden Irak-Kriegs und andererseits aus Trauer u. Hochachtung für Rachel. Beide Anliegen passen gut zusammen, finden wir.

Rachel war eine sehr rationale junge Frau. Sie dachte viel über Strategien nach - wie kann man die verschiedenen Gerechtigkeits-Organisationen vernetzen - zum Beispiel die Arbeiterbewegung mit der Friedensbewegung? Rachel arbeitete als Freiwillige am 'Evergreen Labor Center', organsierte dort maßgeblich eine Konferenz zum Thema 'Networking' u. 'Strategien für Frieden und Gerechtigkeit'. Das war im Frühjahr 2002. Und immer war ihr wichtig, die Gemeinde Olympia miteinzubeziehen: Menschen, die nicht viel wussten über 'Evergreen' oder die Antikriegs-Bewegung oder über unsere Gruppen zum Thema Ökonomie oder 'Soziale-Gerechtigkeit'. Neben ihrem Studium arbeitete Rachel in einer lokalen Einrichtung für Psychischkranke (BHR).

Gerechtigkeit für das palästinensische Volk - eines von vielen Themen, für die Rachels Herz schlug. Sie war eine entschiedene Gegnerin der israelischen Okkupation. Fühlen war für Rachel gleichbedeutend mit handeln. Sie hatte in 'Evergreen' Arabisch studiert. Also beschloss sie über den Winter ins okkupierte Palästina, nach Gaza, zu reisen. Ihre Motivation unter anderem: Es könnte sehr wichtig sein, dass internationale Beobachter dort sind. Rachel hatte erkannt, falls die USA den Irak angreifen, bombardieren, besetzen, nimmt die israelische Aggression vermutlich noch weiter zu. Dass es gefährlich sein würde in Gaza, war Rachel voll bewußt. Um den 20. Januar ist Rachel von hier, von Olympia, abgereist. Sie reiste zunächst in die Westbank, dann nach Gaza. Dort beteiligte sie sich mit Leib und Seele an Menschenrechts-Aktionen u. praktizierte Solidarität mit dem palästinensischen Volk. Zum Frühjahr wollte sie wiederkommen, zurück ans 'Evergreen'. Rachel Corrie wird nie mehr wiederkommen. Nehmen wir uns also einen Moment Zeit und überlegen uns, was wir in ihrem Namen, als ihr Vermächtnis, tun können für ein wenig mehr Frieden, Gerechtigkeit u. Gleichheit, nicht nur im Nahen Osten sondern überall auf der Welt, auch in den USA. PETER BOHMER
Quelle

Auszüge aus einer Mail von Rachel am 7. Februar 2003



Ich bin jetzt 14 Tage und eine Stunde in Palästina und ich habe noch immer wenig Worte, um das zu beschreiben, was ich sehe. Es ist sehr schwierig für mich, darüber nachzudenken, was hier abläuft, wenn ich einen Brief in die USA schreibe.... Ich weiß nicht, ob viele Kinder hier jemals ohne Raketen-Löcher in den Wänden ihrer Wohnungen gelebt haben und ohne Türme einer Besatzungsarmee, die sie ständig aus nächster Nähe beobachtet. Ich denke, bin mir aber nicht ganz sicher, dass selbst die kleinsten Kinder begreifen, dass das Leben nicht überall so ist. Vor zwei Tagen wurde ein Achtjähriger von einem israelischen Panzer angeschossen und getötet und viele flüstern mir gegenüber seinen Namen "Ali" oder zeigen auf das Poster von ihm an den Wänden. Die Kinder lassen mich auch gern meine sehr begrenzten arabischen Sprachkenntnisse ausprobieren und fragen mich: "Kaif Sharon? Kaif Bush?" Und sie lachen, wenn ich als Antwort sage: "Bush Majnoon!" "Sharon Majnoon!" (Wie ist Sharon? Wie ist Bush?" "Bush ist verrückt!" "Sharon ist verrückt!" Natürlich ist das nicht ganz, was ich glaube und einige der Erwachsenen, die englisch können, korrigieren mich: "Bush mish Majnoon! Bush ist ein Geschäftsmann". Heute versuchte ich auf arabisch zu sagen: "Bush ist ein Werkzeug"- aber ich glaube, ich habe es nicht richtig übersetzt. Aber auf jeden Fall gibt es hier Achtjährige, die mehr davon verstehen, wie globale Machtstrukturen arbeiten, als ich vor wenigen Jahren, zumindest was Israel betrifft. Trotzdem denke ich über die Tatsache nach, dass egal wie viel man liest, auf Konferenzen hört, Dokumente studiert und mündlichen Zeugen lauscht, mich nichts auf die Realität der Situation hier vorbereiten konnte. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wenn Ihr es nicht selbst seht - und selbst dann , ist man sich ständig bewusst, dass die eigene Erfahrung ganz und gar nicht die Realität ist. Welche Schwierigkeiten die israelische Armee wohl hätte, wenn sie auf einen unbewaffneten US-Bürger geschossen hätte? Und die Tatsache, dass ich Geld habe, um Wasser zu kaufen, wenn die Armee die Quellen zerstört und natürlich die Tatsache, dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, das Land zu verlassen. Keiner in meiner Familie wurde erschossen, keiner im Wagen fahrend von einer Granate getroffen, die von einem der Türme am Ende einer Hauptstraße in meiner Heimatstadt abgeschossen wurde. Ich habe ein Zuhause. Mir ist es erlaubt, das Meer zu sehen. Noch ist es für mich sehr schwierig, mir vorzustellen, dass man monate- oder jahrelang ohne Gerichtsverhandlung gefangen gehalten werden kann (und dies nur weil ich eine weiße US-Bürgerin bin im Gegensatz zu vielen anderen) Wenn ich zur Schule oder zur Arbeit gehe, kann ich ziemlich sicher sein, dass es da keinen schwer bewaffneten Soldaten gibt, der auf halben Weg von Mud Bay zur Innenstadt von Olympia an einem Checkpoint auf mich wartet - mit der Entscheidungsgewalt, ob ich meinem Beruf nachgehen kann und dann wieder nach Hause, wenn ich fertig bin. Wenn ich mich bei der Ankunft dabei grob verletzt fühle und kurz und nicht vollkommen in die Welt dieser Kinder eintrete, dann frage ich mich, wie es sein würde, wenn sie in meine Welt eintauchen würden.

Sie wissen, dass Kindern in den USA die Eltern gewöhnlicherweise nicht erschossen werden, und sie wissen, dass die Kinder dort immer wieder mal das Meer sehen können. Aber wenn du einmal das Meer gesehen hast und an einem stillen Ort lebst, wo Wasser selbstverständlich ist und nicht übernacht von Bulldozern gestohlen wird, und wenn du mal einen Abend verbracht und dich nicht dabei gewundert hast, dass die Wand deines Heimes nicht plötzlich nach innen fällt und dich vom Schlaf aufschreckt. Und wenn du einmal auf Leute triffst, die niemals jemanden verloren haben, und wenn du einmal die Erfahrung der Realität einer Welt gemacht hast, die nicht umgeben ist von mörderischen Türmen, Panzern, von Waffen strotzender"Siedlungen" und nun von einer riesigen Metallwand, dann frage ich mich, ob du der Welt für all die Jahre deiner Kindheit vergeben kannst, die du im Widerstand lebtest, nur lebtest, -- im Widerstand lebtest gegen die ständige Strangulierung durch die militärisch viert stärkste Macht der Welt., die auch noch von der einzigen Weltmacht unterstützt wird - im Widerstand lebtest gegen den Versuch, dich und dein Haus auszulöschen. Das ist es, was ich von diesen Kindern wissen will. Ich frage mich, was würde geschehen, wenn ihnen das alles ganz bewusst wäre.

Übrigens - nach all den offenen Fragen und Gedanken - bin ich in Rafah, einer Stadt von etwa 140 000 Bewohnern, von denen etwa 60 % Flüchtlinge sind, viele zum zweiten oder dritten Mal Flüchtlinge. Rafa existierte schon vor 1948, aber die meisten Leute hier sind selbst Flüchtlinge oder Abkommen von solchen, die früher im historischen Palästina - jetzt Israel lebten. Rafah wurde geteilt, als der Sinai an Ägypten zurückgegeben wurde. Im Augenblick bauen die Israelis eine 14 m hohen Mauer zwischen Rafah in Palästina und der Grenze und schaffen zwischen den Häusern und der Grenze Niemandsland. 602 Häuser sind - nach dem Rafah-Flüchtlingskomiteee - schon vollständig zerstört worden. Die Zahl der Häuser, die teilweise zerstört wurden, ist viel größer. Als ich heute über die Schutthügel lief, wo einmal Häuser standen, riefen mir ägyptische Soldaten von der andern Seite zu: "Mach dass du wegkommst!" denn ein Panzer rollte heran. Sie winkten mir dann noch zu und riefen "What's your name?" (Wie heißt du?) Diese freundliche Neugierde hat etwas Beunruhigendes an sich. Es erinnerte mich daran, dass wir bis zu einem gewissen Grad alle gegenüber andern Kindern neugierige Kinder sind. Ägyptische "Kinder" rufen einer Ausländerin zu, dass sie auf der Spur eines Panzers läuft. Palästinensische Kinder werden beschossen, sobald sie neugierig um Mauerecken schauen, um zu erfahren, was dort los ist. Internationale "Kinder" stehen mit Postern vor den Panzern. Israelische "Kinder" in den Panzern schreien gelegentlich - und manchmal winken sie sogar - viele sind gezwungenermaßen hier - viele nur eben aggressiv und schießen in die Häuser, während wir weggehen. Zusätzlich zu der ständigen Gegenwart der Panzer an der Grenze entlang und im westlichen Gebiet zwischen Rafah und den (isr.)Siedlungen an der Küste, gibt es so viele israelische Militär-Türme, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann, am Horizont entlang, am Ende jeder Straße. Manche nur gerade aus militärgrünem Metall. Andere bestehen aus seltsamen Wendeltreppen, von Netzwerk verhangen, damit man nicht sieht, was sich dahinter abspielt. Einige sind versteckt zwischen Häusern und gerade so hoch wie sie. Da entstand kürzlich ein neuer Turm - innerhalb der kurzen Zeit, in der wir Wäsche wuschen und zweimal die Stadt durchquerten, um Transparente aufzuhängen. Trotz der Tatsache, dass einige der Gebiete, die der Grenze am nächsten liegen, zum ursprünglichen Rafah gehören, dessen Familien seit wenigstens hundert Jahren auf ihrem Land leben, sind nur die Lager von 1948 im Zentrum der Stadt nach dem Oslo-Abkommen palästinensisch kontrollierte Gebiete. Aber so weit wie ich es sehen kann, gibt es nur wenige oder gar keine Orte, die nicht innerhalb der Sichtweite des einen oder andern Wachturms liegen. Ganz sicher gibt es keinen Ort, der nicht von Apachen-Hubschraubern getroffen werden kann oder von den Kameras der unsichtbaren Dronen, die wir stundenlang über der Stadt summen hören. Ich habe Probleme damit, an Nachrichten von der Außenwelt heranzukommen, aber ich höre dass eine Eskalation im Irakkrieg unvermeidlich sei. Da macht man sich hier große Sorgen, wegen einer "Wiederbesetzung des Gazastreifens". Aber Gaza ist schon täglich in verschiedenem Ausmaße wiederbesetzt. Ich glaube, man hat Angst davor, dass Panzer bald wieder in allen Straßen stehen und dort bleiben, statt in einige Straßen zu rollen und sich nach einigen Stunden oder Tagen wieder zurückzuziehen, nachdem sie beobachtet und vom Rand der Gemeinden geschossen haben. Ich hoffe, die (verantwortlichen) Leute fangen an, über die Folgen des Krieges für die ganze Region nachzudenken. Ich hoffe, Ihr kommt hierher. Unsere Zahl an Internationalen schwankt zwischen fünf und sechs. Die Stadtteile, die uns um unsere Gegenwart gebeten haben, sind Yibna, Tel El Sultan, Hi Salam, Brazil, Block J, Zorob und Block O. An einer Quelle in den Außenbezirken von Rafah sollte jemand Tag und Nacht sein, nachdem die israelische Armee die beiden größten Quellen von Rafah zerstört hat. Nach der zuständigen Wasserbehörde hatten diese beiden Quellen Rafah mit der Hälfte der notwendigen Wassermenge versorgt. Viele Gemeinden baten die Internationalen Helfer, nachts anwesend zu sein, um Häuser vor Zerstörung zu schützen. Nach zehn Uhr ist es sehr schwierig, sich zu bewegen, weil die Armee jeden, der sich auf der Straße befindet, als Widerständler ansieht und auf ihn schießt. Wir sind einfach viel zu wenige.

Ich denke noch weiter daran, dass meine Stadt Olympia, eine Menge gewinnen und anbieten könnte, wenn sie sich entscheiden könnte, mit Rafah eine Partnerschaft einzugehen. Einige Lehrer und Kindergruppen haben schon ihr Interesse an einem E-mail-Briefwechsel gezeigt. Aber das wäre nur die Spitze eines Eisberges an Solidaritätsarbeit, die getan werden könnte. Viele Leute wollen gehört werden, und ich denke, wir sollten einige unserer Privilegien als Internationale (Helfer) nützen, dass diese Stimmen direkt in den USA gehört werden, nicht nur durch das Filter wohlmeinender Internationaler (Helferinnen), wie ich es bin. Ich stehe am Anfang eines Lernprozesses, der mir meine sehr intensive Bevormundung zeigt und die Fähigkeit von Menschen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu organisieren und all diesen Widrigkeiten zu widerstehen.
Quelle

Video - Die Gewaltanwendungen wiederholen sich >>>
Die folgenden Fotos und Texte, zeigen  den Ablauf ihrer Tötung   Quelle

Rachel Corrie stellt den Bulldozerfahrer zur Rede (Foto: ISM)

Rachel Corrie stellt den Bulldozerfahrer zur Rede
 (Foto: ISM)

 Hier wird deutlich, dass Rachel markierte Kleidung trägt,sie hält ein Megaphon u. spricht mit dem Bulldozerfahrer,
	 der gerade dabei ist, ein palästinensisches Haus niederzureißen.
	 Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)

Hier wird deutlich, dass Rachel markierte Kleidung trägt, sie hält ein Megaphon u. spricht mit dem Bulldozerfahrer, der gerade dabei ist, ein palästinensisches Haus niederzureißen. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)

  Friedensaktivisten kümmern sich um  Rachel, nachdem sie durch den Bulldozer verletzt wurde.
		  Rafah, okkupiertes Gaza, am 16. März 2003.

Friedensaktivisten kümmern sich um Rachel, nachdem sie durch den Bulldozer verletzt wurde. Rafah, okkupiertes Gaza, am 16. März 2003.


		  Man sieht, wie Rachel Corrie, tödlich verletzt durch den israelischen Bulldozer,
		  am Boden liegt. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)

Man sieht, wie Rachel Corrie, tödlich verletzt durch den israelischen Bulldozer, am Boden liegt. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)

  Rachel im Najjar-Hospital in Rafah, Okkupiertes Gaza. Die israelische Tageszeitung 'Ha'aretz' berichtet,
		  laut Dr. Ali Mussa, Arzt des Hospitals, war Rachel Corries Tod Folge

Rachel im Najjar-Hospital in Rafah, Okkupiertes Gaza. Die israelische Tageszeitung 'Ha'aretz' berichtet, laut Dr. Ali Mussa, Arzt des Hospitals, war Rachel Corries Tod Folge "von Brüchen im Kopf- und Brustbereich" (Mohammad Al-Moghair)

Rachels Kameraden trösten einander im Hospital von Najjar, Rafah,
Okkupiertes Gaza. Laut 'Ha'aretz' wurde noch ein zweiter Aktivist - an
gleicher Stelle - verletzt (Mohammad Al-Moghair).

Rachels Kameraden trösten einander im Hospital von Najjar, Rafah, Okkupiertes Gaza. Laut 'Ha'aretz' wurde noch ein zweiter Aktivist - an gleicher Stelle - verletzt (Mohammad Al-Moghair).

Ein späterer Bericht des ISM-Medienkoordinators Michael Shaikh / Beit Sahour gibt Aufschluss über weitere Details der Geschehnisse

"Die Konfrontation zwischen den ISM-Leuten u. der Israelischen Armee hatte bereits 2 Stunden gedauert, als Rachel überfahren wurde. Rachel u. die übrigen Aktivisten hatten sich klar als unbewaffnete internationale Friedensaktivisten zu erkennen gegeben - während der gesamten Konfrontation. Derzeit versucht die Israelische Armee, Rachel lächerlich zu machen u. behauptet, sie sei vor den Bulldozer gerannt u. durch einen Unfall ums Leben gekommen. Augenzeugen des Mordes widersprechen dieser Version kategorisch. Vielmehr war es so, dass Rachel dem Bulldozer im Weg saß. Er kam auf sie zugefahren. Als sie sah, dass der Bulldozer offensichtlich weder halten noch ausweichen werde, stieg sie auf einen Haufen Erde u. Trümmer, um dem Fahrer direkt in die Augen zu sehen, aber der fuhr dennoch weiter. Sie trug eine fluoreszendierende Jacke. Der Bulldozer fuhr weiter, sodass sie unter den Erdhaufen gezogen wurde (auf dem sie zuvor gestanden hatte). Nachdem sie darunter verschwunden war, fuhr der Fahrer einfach weiter, bis der Bulldozer auf ihr stand. Der Fahrer hob die Bulldozer-Schaufel nicht an, sodass Rachel von ihr erdrückt wurde. Schließlich fuhr der Bulldozer zurück. Die 7 andern ISM-Aktivisten, die an der Aktion beteiligt waren, rannten sofort hin, um Rachels Körper aus der Erde zu graben. Eine Ambulanz brachte sie ins Al-Najjar-Hospital, wo sie starb".

Dieser Beitrag wurde zusammengestellt von Nigel Parry u. Arjan El Fassed (Gründungsmitglieder der 'Electronic Intifada') unter Mitarbeit von Michael Brown u. Ken Harper.

Rafah: ISM-Aktivistin von Bulldozer getötet

Medienmitteilung ISM Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56

Am Sonntag, 16. März um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager Rachel Corey, Aktivistin des International Solidarity Movements ISM, durch einen Bulldozer der israelischen Besatzungsarmee IOF getötet. Sie versuchte mit anderen AktivistInnen, die illegalen Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.

Rachel Corey, 23-jaehrige Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag von einem IOF-Bulldozer getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam im Flüchtlingslager Rafah zerstören wollte. Rachel verhandelte zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer, blieb aber erfolglos. Der Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich beim späteren Opfer um eine internationale Menschenrechtsaktivistin handelte. Da der Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt auf die amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer fuhr schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen Schädel- und Knochenbrüchen.

Dies ist nicht der erste direkte und absichtliche Angriff israelischer Besatzungssoldaten auf internationale AktivistInnen. Rachel Corey ist jedoch das erste Todesopfer aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für die AktivistInnen vor Ort ein Schock, ISMs fortdauernder Widerstand gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und der IOF steht deswegen nicht in Frage. Die israelische Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar – wie heute – zu ermorden.

Seit Ausbruch der 2. Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320 PalästinenserInnen durch die Repression der israelischen Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen wurden bislang mehr als 600 Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe der Grenze zu Ägypten, von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer Konvention eindeutig verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig zwei schweizer Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.

ISM ist eine palaestinensisch-internationale Bewegung, deren Ziel es mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen Zivilbevölkerung unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen die alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt" behandelt werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit Jahren nicht ernsthaft mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung befasst und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller Welt übernehmen seit längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute ihr Engagement gegen die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit ihrem Leben bezahlt.
 


Nablus, Occupied Palestine, 16/03/03

Offizielle Verlautbarung der Israelischen Botschaft in Deutschland  

(Newsletter der Israelischen Botschaft in Berlin Montag, 17. März 2003):

DEMONSTRANTIN BEI MILITÄRMASSNAHME IN RAFAH GETÖTET


Bei einer israelischen Militäraktion an der israelisch-ägyptischen Grenze bei Rafah ist am Sonntag die Demonstrantin Rachel Corrie verletzt worden. Die Amerikanerin erlag später ihren Verletzungen in einem Krankenhaus:

“Bei einer israelischen Militärmaßnahme, in deren Verlauf Sprengsätze entdeckt und beseitigt wurden, hat die israelische Armee am Sonntag Gestrüpp an der israelisch-ägyptischen Grenze nahe Rafah beseitigt. Die Maßnahme erfolgte im Rahmen eines Einsatzes in einem Gebiet, das gemäß des Oslo-Abkommens unter der vollen zivilrechtlichen und sicherheitstechnischen Kontrolle Israels steht. Während der Militärmaßnahme betraten Dutzende von Demonstranten das Sperrgebiet, um den Einsatz zu stören.

Um eine Konfrontation mit den Demonstranten zu verhindern, zogen sich die Einsatzkräfte zunächst zurück, um den Einsatz später fortzusetzen. Daraufhin setzten die Demonstranten ihren Konfrontationskurs fort und näherten sich den Einsatzwagen erneut. Dabei wurden die Demonstranten wiederholt aufgerufen, sich aus dem Sperrgebiet zurückzuziehen. Nach vorläufigen Untersuchungen ergriff im weiteren Verlauf ein gepanzerter Militär-Bulldozer, der vor Ort tätig war, eine Demonstrantin, die sich dem Gebiet trotz der Warnungen genähert hatte. Es ist zu erwähnen, dass das gepanzerte Fahrzeug nur über ein beschränktes Sichtvermögen und kleine gepanzerte Gucklöcher verfügt und der Fahrer die Frau aus diesem Grund auf ihrer Stellung nicht sehen konnte. Die israelische Armee kündigte an, in dem Fall zu ermitteln und drückt ihr Bedauern über den Unfall aus.“ (Mitteilung eines Armeesprechers).

Weitere Artikel über Rachel Corrie

“What Rachel Saw” - A slip of a girl faced one of Israel’s most feared war machines in the Occupied Palestinian Territories–the armed bulldozer–and died. This deliberate killing was no accident. Maybe the Israeli authorities would have preferred it not to happen because of the public relations backlash, but the driver of the bulldozer was wielding power that day. He had a mandate from his government to clear Palestinians out of their homes at a moment’s notice and he knew that he would be protected

Rachel's Words Live On
Photostory- Rachel Corrie remembered in Seattle
Rachel Corrie
erster Jahrestag ihrer Ermordung

The Israeli Army erased the landmarks where the American activist Rachel Corrie was killed last year by demolishing the house which she was protecting and separating the eyewitnesses on that murder..

A new step, carried out by the cruel Israeli occupation when they demolished Samer Nasrallah's house, the house in front of which Rachel Corrie was killed while she was protecting it from demolishment last year..

They also demolished other farm areas that were planted with olive and orange trees belonging to an old man named Awad Al Saher.

A large number of children demonstrated to mark the anniversary of Rachel's death. O ther children participated with other UNRWA school children by acting and by decorating a view of Israeli bulldozers and imitating how Rachel was killed..

Every day Rafah children plant more trees as more Israeli bulldozers demolish olive and orange trees. This project has began few months ago when we planted olive trees in Rachel's Corrie honor through PCWF www.pcwf.org - Quelle

..... Rachel war nicht die Erste, die im Zusammenhang mit Israels grausamer Politik der Häuserzerstörungen umgekommen ist. Vor weniger als zwei Wochen wurden, ebenfalls in Gaza, Nuha Makadma Sweidan und ihr ungeborenens Kind getötet, als israelische Soldaten ihr Haus "aus Versehen" zerstörten; sie hatten eigentlich nur das Wohnhaus nebenan in die Luft jagen wollen. Wenige Wochen zuvor starben eine ältere Frau und ein behinderter Mann unter den Trümmern ihrer Häuser in Gaza, als Soldaten sie schlicht "übersahen". Das waren nicht einfach Unfälle. Es ist gängige israelische Praxis, Häuser so überstürzt abzureißen, dass noch die gesamte Habe der Bewohner darin ist und in der Eile keine Zeit für prosaische Sicherheitsvorkehrungen bleibt..... Quelle

Rafah: ISM-Aktivistin von Bulldozer getötet

Medienmitteilung ISM Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56

Am Sonntag, 16. März um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager Rachel Corey, Aktivistin des International Solidarity Movements ISM, durch einen Bulldozer der israelischen Besatzungsarmee IOF getötet. Sie versuchte mit anderen AktivistInnen, die illegalen Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.

Rachel Corey, 23-jaehrige Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag von einem IOF-Bulldozer getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam im Flüchtlingslager Rafah zerstören wollte. Rachel verhandelte zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer, blieb aber erfolglos. Der Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich beim späteren Opfer um eine internationale Menschenrechtsaktivistin handelte. Da der Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt auf die amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer fuhr schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen Schädel- und Knochenbrüchen.

Dies ist nicht der erste direkte und absichtliche Angriff israelischer Besatzungssoldaten auf internationale AktivistInnen. Rachel Corey ist jedoch das erste Todesopfer aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für die AktivistInnen vor Ort ein Schock, ISMs fortdauernder Widerstand gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und der IOF steht deswegen nicht in Frage. Die israelische Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar – wie heute – zu ermorden.

Seit Ausbruch der 2. Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320 PalästinenserInnen durch die Repression der israelischen Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen wurden bislang mehr als 600 Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe der Grenze zu Ägypten, von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer Konvention eindeutig verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig zwei schweizer Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.

ISM ist eine palaestinensisch-internationale Bewegung, deren Ziel es mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen Zivilbevölkerung unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen die alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt" behandelt werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit Jahren nicht ernsthaft mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung befasst und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller Welt übernehmen seit längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute ihr Engagement gegen die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit ihrem Leben bezahlt.

Das International Solidarity Movement (ISM) ist von dem Kanadischen Parlamentsabgeordneten Svend J. Robinson am 2. Mai für den Friedesnobelpreis 2004 vorgeschlagen worden, wie jetzt ein Mitarbeiter Robinsons, Jake Wilson, Freace gegenüber bestätigte.

In dem Nominierungsbrief schreibt er: "Der Beitrag des ISM für den Frieden im Mittleren Osten, bei der Verteidigung von Menschenrechten und beim Schutz internationaler Gesetze ist beispiellos. Die selbstlosen Bemühungen der organisation, den Frieden zu fördern und das Leben unschuldiger Zivilisten im israelisch-palästinensischen Konflikt zu schützen verdienen eindeutig internationale Anerkennung."

Trotz der Nominierung der Organisation hebt Robinson in dem Schreiben die Leistungen und Schicksale dreier Mitarbeiter des ISM besonders hervor. Das von Rachel Corrie, die von einem israelischen Bulldozer getötet wurde, als sie das Haus einer palästinensischen Familie vor der Zerstörung schützen wollte, das von Tom Hurndall, der von einem israelischen Scharfschützen angeschossen wurde und seitdem im Koma liegt und das von Brian Avery, dem ebenfalls von einem Israeli ins Gesicht geschossen worden ist.

Das Schreiben schließt mit den Worten "Ein Friedensnobelpreis für das ISM wäre die passende Anerkennung für die Tapferkeit und die Prinzipientreue, die von den Mitgliedern dieser Organisation und insbesondere von diesen drei Menschen gezeigt werden. Quelle

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Ein Refusenik schreibt über Rachel Corrie
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Die alltäglichen Bilder der Gewalt
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Die Zähne der Kinder - von Uri Avnery
„Ich liebe meinen Bruder“ - von Adam Maor
KOLUMNE von NAOMI KLEIN  - Zwei Frauen im Krieg

Internationale Friedensaktivisten unter Feuer Peter Schäfer 13.04.2003 - Telepolis

Dummheit: Sich vor einen Bulldozer setzen,
 um Terroristen zu schützen


D
er Cartoon  |   Reaktion darauf

Ein weiterer blutiger Tag im Gaza-Streifen
ei: Photo story: Israeli bulldozer driver murders American peace activist
Amerikanische Aktivistin absichtlich von Bulldozer überfahren
New Yorker JüdInnen trauern um Rachel Corrie
Zum Tod von Rachel Corrie
Gideon Levy: Bulldozing Rafah
Nachtrag zum Tod von Rachel Corrie

Ha'aretz - Article

Rachel Corrie Memorial Website
Remembering Rachel Corrie

Rachel Corrie Memorial Website

 http://www.palestinemonitor.org

 http://www.palsolidarity.

http://www.btselem.org

Music Inspired by Rachel

Rachel Corrie Foundation

 

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