|
Rachel Corrie
wuchs in Olympia/Washington auf. Ich
sah sie zum erstenmal, als sie Schülerin im Wahlfachprogramm der Lincoln-Schule
war - 1989. In den letzten beiden Jahren haben wir viel miteinander
geredet. Rachel war sanft und engagiert. Unterdrückung, egal wo, machte
sie rasend. Sie war aktiv in der Bewegung für soziale Gerechtigkeit
und Frieden. Rachel war sehr bescheiden und verantwortungsbewusst. Sie
war die Seele der 'Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit' hier in Olympia.
Zur Gruppe war Rachel über ihre Studien ('Local Knowledge'-Programm
bei Anne Fischel u. Lin Nelson) gekommen. Rachel engagierte sich sehr
aktiv gegen den US-"Krieg gegen den Terror" u. gegen US-Militarismus.
Ich erinnere mich an ein Projekt, in dem sie mit Leib und Seele aufging:
die Aktion in Percival Landing zum Jahrestag der Anschläge - am 11.
September 2002. Dabei ging es gegen den Krieg in Afghanistan und die
Repression im eigenen Land. Auch viele Grundschul-Kinder waren damals,
dank Rachels Engagement, beteiligt. Heute (Sonntag, den 16. März um
19 Uhr) werden wir auf Percival Landing eine Gedenkwache abhalten. Wir
halten sie einerseits im Angesicht des drohenden Irak-Kriegs und andererseits
aus Trauer u. Hochachtung für Rachel. Beide Anliegen passen gut zusammen,
finden wir.
Rachel war eine sehr rationale junge Frau. Sie dachte viel über Strategien
nach - wie kann man die verschiedenen Gerechtigkeits-Organisationen
vernetzen - zum Beispiel die Arbeiterbewegung mit der Friedensbewegung?
Rachel arbeitete als Freiwillige am 'Evergreen Labor Center', organsierte
dort maßgeblich eine Konferenz zum Thema 'Networking' u. 'Strategien
für Frieden und Gerechtigkeit'. Das war im Frühjahr 2002. Und immer
war ihr wichtig, die Gemeinde Olympia miteinzubeziehen: Menschen, die
nicht viel wussten über 'Evergreen' oder die Antikriegs-Bewegung oder
über unsere Gruppen zum Thema Ökonomie oder 'Soziale-Gerechtigkeit'.
Neben ihrem Studium arbeitete Rachel in einer lokalen Einrichtung für
Psychischkranke (BHR).
Gerechtigkeit für das palästinensische Volk - eines von vielen Themen,
für die Rachels Herz schlug. Sie war eine entschiedene Gegnerin der
israelischen Okkupation. Fühlen war für Rachel gleichbedeutend mit handeln.
Sie hatte in 'Evergreen' Arabisch studiert. Also beschloss sie über
den Winter ins okkupierte Palästina, nach Gaza, zu reisen. Ihre Motivation
unter anderem: Es könnte sehr wichtig sein, dass internationale Beobachter
dort sind. Rachel hatte erkannt, falls die USA den Irak angreifen, bombardieren,
besetzen, nimmt die israelische Aggression vermutlich noch weiter zu.
Dass es gefährlich sein würde in Gaza, war Rachel voll bewußt. Um den
20. Januar ist Rachel von hier, von Olympia, abgereist. Sie reiste zunächst
in die Westbank, dann nach Gaza. Dort beteiligte sie sich mit Leib und
Seele an Menschenrechts-Aktionen u. praktizierte Solidarität mit dem
palästinensischen Volk. Zum Frühjahr wollte sie wiederkommen, zurück
ans 'Evergreen'. Rachel Corrie wird nie mehr wiederkommen. Nehmen wir
uns also einen Moment Zeit und überlegen uns, was wir in ihrem Namen,
als ihr Vermächtnis, tun können für ein wenig mehr Frieden, Gerechtigkeit
u. Gleichheit, nicht nur im Nahen Osten sondern überall auf der Welt,
auch in den USA. PETER BOHMER
Quelle
|
|
Auszüge aus einer Mail
von Rachel am 7. Februar 2003
Ich bin jetzt 14 Tage und eine Stunde in Palästina und ich habe noch
immer wenig Worte, um das zu beschreiben, was ich sehe. Es ist sehr
schwierig für mich, darüber nachzudenken, was hier abläuft, wenn ich
einen Brief in die USA schreibe.... Ich weiß nicht, ob viele Kinder
hier jemals ohne Raketen-Löcher in den Wänden ihrer Wohnungen gelebt
haben und ohne Türme einer Besatzungsarmee, die sie ständig aus nächster
Nähe beobachtet. Ich denke, bin mir aber nicht ganz sicher, dass selbst
die kleinsten Kinder begreifen, dass das Leben nicht überall so ist.
Vor zwei Tagen wurde ein Achtjähriger von einem israelischen Panzer
angeschossen und getötet und viele flüstern mir gegenüber seinen Namen
"Ali" oder zeigen auf das Poster von ihm an den Wänden. Die Kinder lassen
mich auch gern meine sehr begrenzten arabischen Sprachkenntnisse ausprobieren
und fragen mich: "Kaif Sharon? Kaif Bush?" Und sie lachen, wenn ich
als Antwort sage: "Bush Majnoon!" "Sharon Majnoon!" (Wie ist Sharon?
Wie ist Bush?" "Bush ist verrückt!" "Sharon ist verrückt!" Natürlich
ist das nicht ganz, was ich glaube und einige der Erwachsenen, die englisch
können, korrigieren mich: "Bush mish Majnoon! Bush ist ein Geschäftsmann".
Heute versuchte ich auf arabisch zu sagen: "Bush ist ein Werkzeug"-
aber ich glaube, ich habe es nicht richtig übersetzt. Aber auf jeden
Fall gibt es hier Achtjährige, die mehr davon verstehen, wie globale
Machtstrukturen arbeiten, als ich vor wenigen Jahren, zumindest was
Israel betrifft. Trotzdem denke ich über die Tatsache nach, dass egal
wie viel man liest, auf Konferenzen hört, Dokumente studiert und mündlichen
Zeugen lauscht, mich nichts auf die Realität der Situation hier vorbereiten
konnte. Ihr könnt es euch nicht vorstellen, wenn Ihr es nicht selbst
seht - und selbst dann , ist man sich ständig bewusst, dass die eigene
Erfahrung ganz und gar nicht die Realität ist. Welche Schwierigkeiten
die israelische Armee wohl hätte, wenn sie auf einen unbewaffneten US-Bürger
geschossen hätte? Und die Tatsache, dass ich Geld habe, um Wasser zu
kaufen, wenn die Armee die Quellen zerstört und natürlich die Tatsache,
dass ich jederzeit die Möglichkeit habe, das Land zu verlassen. Keiner
in meiner Familie wurde erschossen, keiner im Wagen fahrend von einer
Granate getroffen, die von einem der Türme am Ende einer Hauptstraße
in meiner Heimatstadt abgeschossen wurde. Ich habe ein Zuhause. Mir
ist es erlaubt, das Meer zu sehen. Noch ist es für mich sehr schwierig,
mir vorzustellen, dass man monate- oder jahrelang ohne Gerichtsverhandlung
gefangen gehalten werden kann (und dies nur weil ich eine weiße US-Bürgerin
bin im Gegensatz zu vielen anderen) Wenn ich zur Schule oder zur Arbeit
gehe, kann ich ziemlich sicher sein, dass es da keinen schwer bewaffneten
Soldaten gibt, der auf halben Weg von Mud Bay zur Innenstadt von Olympia
an einem Checkpoint auf mich wartet - mit der Entscheidungsgewalt, ob
ich meinem Beruf nachgehen kann und dann wieder nach Hause, wenn ich
fertig bin. Wenn ich mich bei der Ankunft dabei grob verletzt fühle
und kurz und nicht vollkommen in die Welt dieser Kinder eintrete, dann
frage ich mich, wie es sein würde, wenn sie in meine Welt eintauchen
würden.
Sie wissen, dass Kindern in den USA die Eltern gewöhnlicherweise nicht
erschossen werden, und sie wissen, dass die Kinder dort immer wieder
mal das Meer sehen können. Aber wenn du einmal das Meer gesehen hast
und an einem stillen Ort lebst, wo Wasser selbstverständlich ist und
nicht übernacht von Bulldozern gestohlen wird, und wenn du mal einen
Abend verbracht und dich nicht dabei gewundert hast, dass die Wand deines
Heimes nicht plötzlich nach innen fällt und dich vom Schlaf aufschreckt.
Und wenn du einmal auf Leute triffst, die niemals jemanden verloren
haben, und wenn du einmal die Erfahrung der Realität einer Welt gemacht
hast, die nicht umgeben ist von mörderischen Türmen, Panzern, von Waffen
strotzender"Siedlungen" und nun von einer riesigen Metallwand, dann
frage ich mich, ob du der Welt für all die Jahre deiner Kindheit vergeben
kannst, die du im Widerstand lebtest, nur lebtest, -- im Widerstand
lebtest gegen die ständige Strangulierung durch die militärisch viert
stärkste Macht der Welt., die auch noch von der einzigen Weltmacht unterstützt
wird - im Widerstand lebtest gegen den Versuch, dich und dein Haus auszulöschen.
Das ist es, was ich von diesen Kindern wissen will. Ich frage mich,
was würde geschehen, wenn ihnen das alles ganz bewusst wäre.
Übrigens - nach all den offenen Fragen und Gedanken - bin ich in Rafah,
einer Stadt von etwa 140 000 Bewohnern, von denen etwa 60 % Flüchtlinge
sind, viele zum zweiten oder dritten Mal Flüchtlinge. Rafa existierte
schon vor 1948, aber die meisten Leute hier sind selbst Flüchtlinge
oder Abkommen von solchen, die früher im historischen Palästina - jetzt
Israel lebten. Rafah wurde geteilt, als der Sinai an Ägypten zurückgegeben
wurde. Im Augenblick bauen die Israelis eine 14 m hohen Mauer zwischen
Rafah in Palästina und der Grenze und schaffen zwischen den Häusern
und der Grenze Niemandsland. 602 Häuser sind - nach dem Rafah-Flüchtlingskomiteee
- schon vollständig zerstört worden. Die Zahl der Häuser, die teilweise
zerstört wurden, ist viel größer. Als ich heute über die Schutthügel
lief, wo einmal Häuser standen, riefen mir ägyptische Soldaten von der
andern Seite zu: "Mach dass du wegkommst!" denn ein Panzer rollte heran.
Sie winkten mir dann noch zu und riefen "What's your name?" (Wie heißt
du?) Diese freundliche Neugierde hat etwas Beunruhigendes an sich. Es
erinnerte mich daran, dass wir bis zu einem gewissen Grad alle gegenüber
andern Kindern neugierige Kinder sind. Ägyptische "Kinder" rufen einer
Ausländerin zu, dass sie auf der Spur eines Panzers läuft. Palästinensische
Kinder werden beschossen, sobald sie neugierig um Mauerecken schauen,
um zu erfahren, was dort los ist. Internationale "Kinder" stehen mit
Postern vor den Panzern. Israelische "Kinder" in den Panzern schreien
gelegentlich - und manchmal winken sie sogar - viele sind gezwungenermaßen
hier - viele nur eben aggressiv und schießen in die Häuser, während
wir weggehen. Zusätzlich zu der ständigen Gegenwart der Panzer an der
Grenze entlang und im westlichen Gebiet zwischen Rafah und den (isr.)Siedlungen
an der Küste, gibt es so viele israelische Militär-Türme, dass ich sie
gar nicht mehr zählen kann, am Horizont entlang, am Ende jeder Straße.
Manche nur gerade aus militärgrünem Metall. Andere bestehen aus seltsamen
Wendeltreppen, von Netzwerk verhangen, damit man nicht sieht, was sich
dahinter abspielt. Einige sind versteckt zwischen Häusern und gerade
so hoch wie sie. Da entstand kürzlich ein neuer Turm - innerhalb der
kurzen Zeit, in der wir Wäsche wuschen und zweimal die Stadt durchquerten,
um Transparente aufzuhängen. Trotz der Tatsache, dass einige der Gebiete,
die der Grenze am nächsten liegen, zum ursprünglichen Rafah gehören,
dessen Familien seit wenigstens hundert Jahren auf ihrem Land leben,
sind nur die Lager von 1948 im Zentrum der Stadt nach dem Oslo-Abkommen
palästinensisch kontrollierte Gebiete. Aber so weit wie ich es sehen
kann, gibt es nur wenige oder gar keine Orte, die nicht innerhalb der
Sichtweite des einen oder andern Wachturms liegen. Ganz sicher gibt
es keinen Ort, der nicht von Apachen-Hubschraubern getroffen werden
kann oder von den Kameras der unsichtbaren Dronen, die wir stundenlang
über der Stadt summen hören. Ich habe Probleme damit, an Nachrichten
von der Außenwelt heranzukommen, aber ich höre dass eine Eskalation
im Irakkrieg unvermeidlich sei. Da macht man sich hier große Sorgen,
wegen einer "Wiederbesetzung des Gazastreifens". Aber Gaza ist schon
täglich in verschiedenem Ausmaße wiederbesetzt. Ich glaube, man hat
Angst davor, dass Panzer bald wieder in allen Straßen stehen und dort
bleiben, statt in einige Straßen zu rollen und sich nach einigen Stunden
oder Tagen wieder zurückzuziehen, nachdem sie beobachtet und vom Rand
der Gemeinden geschossen haben. Ich hoffe, die (verantwortlichen) Leute
fangen an, über die Folgen des Krieges für die ganze Region nachzudenken.
Ich hoffe, Ihr kommt hierher. Unsere Zahl an Internationalen schwankt
zwischen fünf und sechs. Die Stadtteile, die uns um unsere Gegenwart
gebeten haben, sind Yibna, Tel El Sultan, Hi Salam, Brazil, Block J,
Zorob und Block O. An einer Quelle in den Außenbezirken von Rafah sollte
jemand Tag und Nacht sein, nachdem die israelische Armee die beiden
größten Quellen von Rafah zerstört hat. Nach der zuständigen Wasserbehörde
hatten diese beiden Quellen Rafah mit der Hälfte der notwendigen Wassermenge
versorgt. Viele Gemeinden baten die Internationalen Helfer, nachts anwesend
zu sein, um Häuser vor Zerstörung zu schützen. Nach zehn Uhr ist es
sehr schwierig, sich zu bewegen, weil die Armee jeden, der sich auf
der Straße befindet, als Widerständler ansieht und auf ihn schießt.
Wir sind einfach viel zu wenige.
Ich denke noch weiter daran, dass meine Stadt Olympia, eine Menge gewinnen
und anbieten könnte, wenn sie sich entscheiden könnte, mit Rafah eine
Partnerschaft einzugehen. Einige Lehrer und Kindergruppen haben schon
ihr Interesse an einem E-mail-Briefwechsel gezeigt. Aber das wäre nur
die Spitze eines Eisberges an Solidaritätsarbeit, die getan werden könnte.
Viele Leute wollen gehört werden, und ich denke, wir sollten einige
unserer Privilegien als Internationale (Helfer) nützen, dass diese Stimmen
direkt in den USA gehört werden, nicht nur durch das Filter wohlmeinender
Internationaler (Helferinnen), wie ich es bin. Ich stehe am Anfang eines
Lernprozesses, der mir meine sehr intensive Bevormundung zeigt und die
Fähigkeit von Menschen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu organisieren
und all diesen Widrigkeiten zu widerstehen.
Quelle
|
 |
|
|
Video - Die
Gewaltanwendungen wiederholen sich
>>> |
|
Die folgenden Fotos und Texte, zeigen den
Ablauf ihrer Tötung Quelle

Rachel Corrie stellt den Bulldozerfahrer
zur Rede
(Foto: ISM)

Hier wird deutlich, dass
Rachel markierte Kleidung trägt, sie hält ein Megaphon u. spricht mit
dem Bulldozerfahrer, der gerade dabei ist, ein palästinensisches Haus
niederzureißen. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)

Friedensaktivisten kümmern
sich um Rachel, nachdem sie durch den Bulldozer verletzt wurde. Rafah,
okkupiertes Gaza, am 16. März 2003.

Man sieht, wie Rachel
Corrie, tödlich verletzt durch den israelischen Bulldozer, am Boden
liegt. Rafah, Okkupiertes Gaza, am 16. März 2003 (Foto: ISM)

Rachel im Najjar-Hospital
in Rafah, Okkupiertes Gaza. Die israelische Tageszeitung 'Ha'aretz'
berichtet, laut Dr. Ali Mussa, Arzt des Hospitals, war Rachel Corries
Tod Folge "von Brüchen im Kopf- und Brustbereich" (Mohammad Al-Moghair)

Rachels Kameraden trösten
einander im Hospital von Najjar, Rafah, Okkupiertes Gaza. Laut 'Ha'aretz'
wurde noch ein zweiter Aktivist - an gleicher Stelle - verletzt (Mohammad
Al-Moghair).
|
|
Ein späterer Bericht
des ISM-Medienkoordinators Michael Shaikh / Beit Sahour gibt Aufschluss
über weitere Details der Geschehnisse
"Die Konfrontation zwischen den ISM-Leuten
u. der Israelischen Armee hatte bereits 2 Stunden gedauert, als Rachel
überfahren wurde. Rachel u. die übrigen Aktivisten hatten sich klar
als unbewaffnete internationale Friedensaktivisten zu erkennen gegeben
- während der gesamten Konfrontation. Derzeit versucht die Israelische
Armee, Rachel lächerlich zu machen u. behauptet, sie sei vor den Bulldozer
gerannt u. durch einen Unfall ums Leben gekommen. Augenzeugen des Mordes
widersprechen dieser Version kategorisch. Vielmehr war es so, dass Rachel
dem Bulldozer im Weg saß. Er kam auf sie zugefahren. Als sie sah, dass
der Bulldozer offensichtlich weder halten noch ausweichen werde, stieg
sie auf einen Haufen Erde u. Trümmer, um dem Fahrer direkt in die Augen
zu sehen, aber der fuhr dennoch weiter. Sie trug eine fluoreszendierende
Jacke. Der Bulldozer fuhr weiter, sodass sie unter den Erdhaufen gezogen
wurde (auf dem sie zuvor gestanden hatte). Nachdem sie darunter verschwunden
war, fuhr der Fahrer einfach weiter, bis der Bulldozer auf ihr stand.
Der Fahrer hob die Bulldozer-Schaufel nicht an, sodass Rachel von ihr
erdrückt wurde. Schließlich fuhr der Bulldozer zurück. Die 7 andern
ISM-Aktivisten, die an der Aktion beteiligt waren, rannten sofort hin,
um Rachels Körper aus der Erde zu graben. Eine Ambulanz brachte sie
ins Al-Najjar-Hospital, wo sie starb".
Dieser Beitrag wurde zusammengestellt
von Nigel Parry u. Arjan El Fassed (Gründungsmitglieder der 'Electronic
Intifada') unter Mitarbeit von Michael Brown u. Ken Harper.
|
Rafah: ISM-Aktivistin
von Bulldozer getötet
Medienmitteilung ISM
Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56
Am Sonntag, 16. März
um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager Rachel Corey, Aktivistin
des International Solidarity Movements ISM, durch einen Bulldozer der
israelischen Besatzungsarmee IOF getötet. Sie versuchte mit anderen
AktivistInnen, die illegalen Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.
Rachel Corey, 23-jaehrige
Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag von einem IOF-Bulldozer
getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam im Flüchtlingslager Rafah
zerstören wollte. Rachel verhandelte zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer,
blieb aber erfolglos. Der Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich
beim späteren Opfer um eine internationale Menschenrechtsaktivistin
handelte. Da der Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt
auf die amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer
fuhr schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss
Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen Schädel-
und Knochenbrüchen.
Dies ist nicht der erste
direkte und absichtliche Angriff israelischer Besatzungssoldaten auf
internationale AktivistInnen. Rachel Corey ist jedoch das erste Todesopfer
aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für die AktivistInnen vor Ort ein Schock,
ISMs fortdauernder Widerstand gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen
der israelischen Regierung und der IOF steht deswegen nicht in Frage.
Die israelische Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten
Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr
davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar
– wie heute – zu ermorden.
Seit Ausbruch der 2.
Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320 PalästinenserInnen
durch die Repression der israelischen Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen
wurden bislang mehr als 600 Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe
der Grenze zu Ägypten, von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer
Konvention eindeutig verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig
zwei schweizer Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen
Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.
ISM ist eine palaestinensisch-internationale
Bewegung, deren Ziel es mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen
Zivilbevölkerung unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen
die alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl
gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer
Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt" behandelt
werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit Jahren nicht
ernsthaft mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung befasst
und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller Welt übernehmen seit
längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute ihr Engagement gegen
die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit ihrem Leben bezahlt.
|
 |
|
Nablus, Occupied Palestine, 16/03/03
Offizielle
Verlautbarung der Israelischen Botschaft in Deutschland
(Newsletter der Israelischen Botschaft in
Berlin Montag, 17. März 2003):
DEMONSTRANTIN BEI
MILITÄRMASSNAHME IN RAFAH GETÖTET
Bei einer israelischen Militäraktion an der israelisch-ägyptischen Grenze
bei Rafah ist am Sonntag die Demonstrantin Rachel Corrie verletzt worden.
Die Amerikanerin erlag später ihren Verletzungen in einem Krankenhaus:
“Bei einer israelischen Militärmaßnahme,
in deren Verlauf Sprengsätze entdeckt und beseitigt wurden, hat die
israelische Armee am Sonntag Gestrüpp an der israelisch-ägyptischen
Grenze nahe Rafah beseitigt. Die Maßnahme erfolgte im Rahmen eines Einsatzes
in einem Gebiet, das gemäß des Oslo-Abkommens unter der vollen zivilrechtlichen
und sicherheitstechnischen Kontrolle Israels steht. Während der Militärmaßnahme
betraten Dutzende von Demonstranten das Sperrgebiet, um den Einsatz
zu stören.
Um eine Konfrontation mit
den Demonstranten zu verhindern, zogen sich die Einsatzkräfte zunächst
zurück, um den Einsatz später fortzusetzen. Daraufhin setzten die Demonstranten
ihren Konfrontationskurs fort und näherten sich den Einsatzwagen erneut.
Dabei wurden die Demonstranten wiederholt aufgerufen, sich aus dem Sperrgebiet
zurückzuziehen. Nach vorläufigen Untersuchungen ergriff im weiteren
Verlauf ein gepanzerter Militär-Bulldozer, der vor Ort tätig war, eine
Demonstrantin, die sich dem Gebiet trotz der Warnungen genähert hatte.
Es ist zu erwähnen, dass das gepanzerte Fahrzeug nur über ein beschränktes
Sichtvermögen und kleine gepanzerte Gucklöcher verfügt und der Fahrer
die Frau aus diesem Grund auf ihrer Stellung nicht sehen konnte. Die
israelische Armee kündigte an, in dem Fall zu ermitteln und drückt ihr
Bedauern über den Unfall aus.“ (Mitteilung eines Armeesprechers).
|
|
|
Weitere Artikel über Rachel Corrie
|
|
|
|
Rachel's Words Live On |
|
Photostory- Rachel Corrie remembered in Seattle |
Rachel Corrie
erster Jahrestag ihrer Ermordung |
|
The Israeli Army
erased the landmarks where the American activist Rachel Corrie was killed
last year by demolishing the house which she was protecting and separating
the eyewitnesses on that murder..
A new step, carried
out by the cruel Israeli occupation when they demolished Samer Nasrallah's
house, the house in front of which Rachel Corrie was killed while she
was protecting it from demolishment last year..
They also demolished
other farm areas that were planted with olive and orange trees belonging
to an old man named Awad Al Saher.
A large number of
children demonstrated to mark the anniversary of Rachel's death. O ther
children participated with other UNRWA school children by acting and
by decorating a view of Israeli bulldozers and imitating how Rachel
was killed..
Every day Rafah children
plant more trees as more Israeli bulldozers demolish olive and orange
trees. This project has began few months ago when we planted olive trees
in Rachel's Corrie honor through PCWF
www.pcwf.org -
Quelle
|
|
..... Rachel war nicht
die Erste, die im Zusammenhang mit Israels grausamer Politik der Häuserzerstörungen
umgekommen ist. Vor weniger als zwei Wochen wurden, ebenfalls in
Gaza, Nuha Makadma Sweidan und ihr ungeborenens Kind getötet, als israelische
Soldaten ihr Haus "aus Versehen" zerstörten; sie hatten eigentlich nur
das Wohnhaus nebenan in die Luft jagen wollen. Wenige Wochen zuvor starben
eine ältere Frau und ein behinderter Mann unter den Trümmern ihrer Häuser
in Gaza, als Soldaten sie schlicht "übersahen". Das waren nicht einfach
Unfälle. Es ist gängige israelische Praxis, Häuser so überstürzt abzureißen,
dass noch die gesamte Habe der Bewohner darin ist und in der Eile keine
Zeit für prosaische Sicherheitsvorkehrungen bleibt.....
Quelle
|
Rafah: ISM-Aktivistin
von Bulldozer getötet
Medienmitteilung ISM
Nablus Von: gfc / ISM Nablus 16.03.2003 22:56
Am Sonntag, 16. März
um ca. 17 Uhr wurde im Rafah Flüchtlingslager Rachel Corey, Aktivistin
des International Solidarity Movements ISM, durch einen Bulldozer der
israelischen Besatzungsarmee IOF getötet. Sie versuchte mit anderen
AktivistInnen, die illegalen Hauszerstörungen der IOF zu verhindern.
Rachel Corey, 23-jaehrige
Aktivistin von ISM Gaza, wurde heute Nachmittag von einem IOF-Bulldozer
getötet, der ein Haus im Quartier Al-Salam im Flüchtlingslager Rafah
zerstören wollte. Rachel verhandelte zuerst mit dem Soldaten im Bulldozer,
blieb aber erfolglos. Der Fahrer hatte deutlich erkannt, dass es sich
beim späteren Opfer um eine internationale Menschenrechtsaktivistin
handelte. Da der Bulldozer mit der Zerstörung fortfuhr, fiel Schutt
auf die amerikanische Aktivistin und sie strauchelte. Der Bulldozer
fuhr schließlich zweimal über die am Boden liegende Aktivistin. Gemäss
Dr. Ali Musa vom Al-Najar-Spital starb Rachel an verschiedenen Schädel-
und Knochenbrüchen.
Dies ist nicht der erste
direkte und absichtliche Angriff israelischer Besatzungssoldaten auf
internationale AktivistInnen. Rachel Corey ist jedoch das erste Todesopfer
aus den Reihen ISMs. Ihr Tod ist für die AktivistInnen vor Ort ein Schock,
ISMs fortdauernder Widerstand gegen die alltäglichen Kriegsverbrechen
der israelischen Regierung und der IOF steht deswegen nicht in Frage.
Die israelische Besatzungsarmee unterscheidet nicht zwischen unbewaffneten
Zivilpersonen und bewaffneten Kämpfern und weicht längst nicht mehr
davor zurück, internationale AktivistInnen offen anzugreifen und gar
– wie heute – zu ermorden.
Seit Ausbruch der 2.
Intifada starben neben Rachel bereits mehr als 2320 PalästinenserInnen
durch die Repression der israelischen Besatzungsarmee. Im Gaza-Streifen
wurden bislang mehr als 600 Häuser, davon der größte Teil in Rafah nahe
der Grenze zu Ägypten, von den IOF zerstört, was Art. 53 der 4. Genfer
Konvention eindeutig verletzt. ISM-AktivistInnen, darunter gegenwärtig
zwei schweizer Staatsangehörige, unterstützen seit Monaten den gewaltlosen
Widerstand gegen die systematischen Hauszerstörungen u.a. in Rafah.
ISM ist eine palaestinensisch-internationale
Bewegung, deren Ziel es mitunter ist, dass Leiden der palaestinensischen
Zivilbevölkerung unter der israelischen Besatzung zu lindern bzw. gegen
die alltäglichen Exzesse der israelischen Armee einzustehen. Obwohl
gemäss der 4. Genfer Konvention die Zivilbevölkerung im Falle einer
Besatzung oder eines bewaffneten Konfliktes als "geschützt" behandelt
werden muss, hat sich die internationale Gemeinschaft seit Jahren nicht
ernsthaft mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung befasst
und freiwillige, ungeschützte Menschen aus aller Welt übernehmen seit
längerem diese Verantwortung. Rachel hat heute ihr Engagement gegen
die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen mit ihrem Leben bezahlt.
|
|
Das
International Solidarity Movement (ISM)
ist von dem Kanadischen Parlamentsabgeordneten Svend J. Robinson am
2. Mai für den Friedesnobelpreis 2004 vorgeschlagen worden, wie
jetzt ein Mitarbeiter Robinsons, Jake Wilson, Freace gegenüber bestätigte.
In dem Nominierungsbrief schreibt er: "Der Beitrag des ISM für den Frieden
im Mittleren Osten, bei der Verteidigung von Menschenrechten und beim
Schutz internationaler Gesetze ist beispiellos. Die selbstlosen Bemühungen
der organisation, den Frieden zu fördern und das Leben unschuldiger
Zivilisten im israelisch-palästinensischen Konflikt zu schützen verdienen
eindeutig internationale Anerkennung."
Trotz der Nominierung der Organisation hebt Robinson in dem Schreiben
die Leistungen und Schicksale dreier Mitarbeiter des ISM besonders hervor.
Das von Rachel Corrie, die von einem israelischen Bulldozer getötet
wurde, als sie das Haus einer palästinensischen Familie vor der Zerstörung
schützen wollte, das von Tom Hurndall, der von einem israelischen Scharfschützen
angeschossen wurde und seitdem im Koma liegt und das von Brian Avery,
dem ebenfalls von einem Israeli ins Gesicht geschossen worden ist.
Das Schreiben schließt mit den Worten "Ein Friedensnobelpreis für das
ISM wäre die passende Anerkennung für die Tapferkeit und die Prinzipientreue,
die von den Mitgliedern dieser Organisation und insbesondere von diesen
drei Menschen gezeigt werden.
Quelle
|
|
|
|
Ein Refusenik schreibt über Rachel
Corrie |
Photo-Story:
Israelischer Bulldozerfahrer tötet amerikanische Aktivistin
von Nigel Parry u. Arjan El Fassed |
Ehrt Rachel
- stoppt Häuserzerstörungen
von Jeff Halper |
Rachel Corrie
von Peter Bohmer und Rachel
Corrie |
|
Gedanken aus Rafah - von Starhawk |
|
Israels Vorwürfe gegen Friedensaktivisten
gezielt unwahr - von Paul Burrows |
|
Rachel Corrie, Jessica Lynch und die Ungleichwertigkeit
von Opfern - von Paul Street |
Die Ermordung der Solidarität
von Justin Podur |
Rachel Corries kurze Lehrzeit
Das Vermächtnis einer Friedensaktivistin |
|
Die Bedeutung
Rachel Corries
von Edward Said
|
Die alltäglichen
Bilder der Gewalt
von Jonathan Cook |
|
Die Zähne der Kinder - von Uri Avnery |
|
„Ich liebe meinen Bruder“ - von Adam Maor |
| KOLUMNE
von NAOMI KLEIN -
Zwei Frauen im Krieg |
|
Internationale Friedensaktivisten unter Feuer
Peter Schäfer 13.04.2003 - Telepolis
|
|
Dummheit: Sich vor einen Bulldozer setzen,
um Terroristen zu schützen
Der
Cartoon |
Reaktion darauf
|
|
Ein weiterer blutiger Tag im Gaza-Streifen |
|
ei: Photo story: Israeli bulldozer
driver murders American peace activist |
|
Amerikanische Aktivistin absichtlich von Bulldozer
überfahren |
|
New Yorker JüdInnen trauern um Rachel Corrie
|
|
Zum Tod von
Rachel Corrie |
|
Gideon Levy: Bulldozing Rafah |
|
Nachtrag zum Tod von Rachel Corrie |
|
Ha'aretz - Article
|
|
Rachel Corrie Memorial Website |
|
Remembering Rachel Corrie |
|
Rachel Corrie Memorial Website
|
|
http://www.palestinemonitor.org
|
|
http://www.palsolidarity.
|
|
http://www.btselem.org
|
|
Music Inspired by Rachel
|
|
Rachel Corrie Foundation
|
|