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Leserbrief zu Tanz den Adolf Hitler

Henryk M. Broder und Abi Melzer im Antisemitismusstreit / von Klaus Bittermann - Claudia Karras

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich bin regelmäßige Leserin der jungen Welt, vor allem weil sie abseits vom mainstream auch der palästinensischen Seite des Nahostkonflikts eine Stimme gibt und die unerträgliche Realität im besetzten Palästina zeigt, wie der heutige ausgezeichnete Beitrag von Werner Pirker zum Besuch der Bundeskanzlerin in Nahost beweist.

 

Deshalb bin ich entsetzt über die unqualifizierten Äußerungen von Klaus Bittermann über den Rechtsstreit Abi Melzer gegen Henryk Broder, frei nach seinem Motto: „Warum sachlich, wenn's auch persönlich geht? Solange man nicht selbst in die Schußlinie gerät - ein großes Vergnügen. (Bittermanns/Veranstaltungsankündigung/Uni Flensburg), der sich in Blödzeitungsmanier über die Verlagsgeschichte, die mit dem Rechtsstreit überhaupt nichts zu tun hat, auslässt, sowie über die dreiste Bemerkung, Abi Melzer habe „die Unterdrückung der Palästinenser durch die Juden (!) entdeckt. Nicht die Juden werden kritisiert, sondern schlicht und einfach die israelische Besatzung !

 

Nicht nur war Klaus Bittermann zu faul zum recherchieren und hat die falschen Behauptungen von Herrn Broder einfach abgeschrieben, noch hat er das Buch Hajo Meyers gelesen, das er so verleumdet. Deshalb sind seine beleidigenden und respektlosen Äußerungen besonders niederträchtig !

 

Hajo Meyer stellt sich – aufgrund seines hohen moralischen Anspruchs an sich und an andere Juden - dezidiert gegen Menschenrechtsverletzungen des israelischen Besatzungsregimes. Er weiß ja aus eigener Erfahrung aus NS-Deutschland wie es ist, als Verfolgter und Unterdrückter zu leben. Es ist die tägliche Lebenssituation der palästinensischen Zivilbevölkerung, die Hajo Meyer mit seiner eigenen im NS-Deutschland der 1930er Jahre vergleicht. Welche Anmaßung, ihm das zu verbieten! „Vergleichen“ ist etwas völlig anderes als „Gleichsetzen“ ! Seine Konsequenz ist: Nie wieder Opfer sein, aber auch niemals Täter!

 

Es ist ein Skandal, dass Juden wie Hajo Meyer in Deutschland wieder ausgegrenzt werden und der Mund verboten wird, weil er seine eigenen bitteren Erfahrungen vergleicht, z.B. wenn palästinensische Gefangene nummeriert werden, oder das Oberkommando der israelischen Armee sich von den Nazi-Erfahrungen im Warschauer Ghetto inspirieren lässt. Diese Inspiration als „Nazimethoden“ zu bezeichnen, ist allerdings verboten !

 

Es hat auch kein „»arisches« Gericht darüber entscheiden, welcher der beiden Juden ein Antisemit sei“, sondern ein deutsches Gericht – von Broder als „Erben der Firma Freisler“ diffamiert -, hat über deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens entschieden – oder wünschen Broder/Bitterfeld jüdische Sondergerichte ?! Ich empfehle Herrn Bitterfeld dringend, sich das Urteil genau durchzulesen, denn es ist kein „salomonisches“, wie er herbeifantasiert.

 

Der Suhrkamp-Verlag hat Ted Honderichs Werk „Nach dem Terror“ nicht aussortiert, wie uns Bitterfeld weismachen will, sondern wurde lediglich aufgrund der öffentlichen Forderung Micha Brumliks "unverzüglich vom Markt" genommen. Der Suhrkamp-Verlag parierte; Jürgen Habermas, der dieses Buch befürwortete, konnte gerade noch der Antisemitismuskeule ausweichen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Karas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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