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Israels falsche
Freunde
Als
Experte in Sachen Antisemitismus machte unlängst ein unbekannter
Diplompolitiloge bei einem öffentlichen Gespräch Furore, zu dem alle
Fraktionen des Bundestages geladen hatten. Es handelte sich um eine
Diskussionsrunde, zur Umsetzung der Beschlüsse, die auf der Berliner
Antisemitismus-Konferenz vom April letzten Jahres gefasst worden
waren. Bundestagsabgeordnete, hochrangige Beamte aus dem Innen- und
dem Außenministerium sowie namhafte Wissenschaftler wie Prof. Alfred
Grosser und Prof. Bryan Klug saßen auf dem Podium und Vertreter
verschiedener NGOs in der Runde.
Nun wäre es durchaus
zu begrüßen, wenn ein noch nicht durch zahlreiche Veröffentlichungen
hervorgetretener und mit Titeln ausgestatteter junger Akademiker als
Experte ernst genommen würde, hätte er tatsächlich seriös zum
fraglichen Thema gearbeitet. Davon ist allerdings nichts bekannt,
und seine Äußerungen in dem besagten Expertengespräch lassen dies
noch weniger vermuten. Dennoch wurde er vom Vorsitzenden, dem
SPD-Abgeordneneten Weisskirchen als „glänzend ausgewiesen“ in der
Runde begrüsst, „seine wissenschaftliche Arbeit“ habe das
dokumentiert. Herr Weisskirchen verwechselte offenbar den
hochgelobten Jörg Rensmann mit Dr. Lars P. Rensmann, der eigentlich
als Ersatz für den verhinderten Prof. Micha Brumlik hätte eingeladen
werden sollen – ein Versehen, das von Jörg R. dem einladenden
Gremium gegenüber jedoch nicht aufgeklärt wurde. Auch einem Teil der
anwesenden Experten war die Verwechselung bekannt, aber auch sie
schwiegen.
Bei der
„wissenschaftlichen Arbeit“, durch die der abwesende Dr. Rensmann
sich so „glänzend ausgewiesen“ hat, handelt es sich um eine
wissenschaftliche Buchveröffentlichung, in der der Bonner Publizist
Ludwig Watzal in plumper Weise falsch zitiert wird, um ihm die
Rechtfertigung des Hamas-Terrorismus und „die Befreiung Palästinas
von Juden“ unterstellen zu können. Inzwischen hat sich Dr.
Lars Rensmann “angesichts der Androhung gerichtlicher Schritte
außergerichtlich verpflichtet, unzutreffende Behauptungen über Dr.
Ludwig Watzal (...) zu unterlassen bzw. nicht weiter zu verbreiten.“
(siehe Freitag, 36/05). Zahlreiche Bibliotheken haben daraufhin
diese inkriminierenden Stellen geschwärzt. Auch Honestly Concerned
und andere Internetseiten mussten die Textstellen aus dem Netz
nehmen. Das Landgericht Hamburg hat dem Betreiber der Internetseite
„juedische.at“, Herrn Samuel Laster, am 19. August 2005 die
Weiterverbreitung dieser falschen Tatsachenbehauptungen durch ein
Versäumnisurteil untersagt. Prüft
man jeweils das Original, kann man feststellen, dass Watzal sich
immer nur für das Ende der israelischen Besatzung der Westbank und
des Gaza-Streifens eingesetzt hat. Auch die Befürwortung des
Terrorismus kann weder aus den fraglichen Textstellen noch allgemein
aus der publizistischen Tätigkeit von Dr. Watzal herausgelesen
werden.
Warum eigentlich muss man –
nicht nur im Fall von Ludwig Watzal – Antisemitismus erst
herbeireden? Der zunehmend zu beobachtende Antisemitismus auf
deutschen Straßen und an deutschen Stammtischen bereitet offenbar
nicht die Sorge, die dazu motivieren würde, sich mit aller Kraft
dagegen zu stellen, anstatt Menschen zu diskreditieren, die schlicht
die israelische Politik anders beurteilen als man selber. Der real
existierende Antisemitismus ist solchen „Experten“ offenbar
gleichgültig genug, um den schwerwiegenden Vorwurf durch
inflationären Gebrauch zum leeren Allgemeinplatz zu machen, der
alles und nichts beinhaltet.
Der eigentliche
Skandal jedoch ist das Verhalten von „höchsten Stellen“ der
Bundesrepublik, von Parlamentariern wie in diesem Fall Professor
Weisskirchen. Skandalös ist die sträfliche Leichtfertigkeit, mit der
das Thema Antisemitismus verhandelt wird, wenn man diesen „Experten“
in Gremien, die sich vorgeblich dem Kampf gegen den Antisemitismus
verschrieben haben, ein Forum bietet. Wie kann es sein, dass in
einem solchen Gremium ein Jörg Rensmann unwidersprochen haltlos und
verhetzend herumschwadroniert: „Wir haben es wie z.B. in Frankreich
mit dem Phänomen zu tun, dass sowohl islamischer als auch arabischer
Antisemitismus in gewisser Weise nach Europa zurücktransportiert
wird... und hier vor allem von linken Basisbewegungen aufgegriffen
wird.“ – Tendenziöse, suggestive Äußerungen, die keiner Überprüfung
allein schon der darin verwendeten Begrifflichkeiten und
postulierten Zusammenhänge standhalten. Ein Phänomen, das genuin
europäischer Provenienz und Prägung ist, soll „islamisch“ oder
„arabisch“ sein und nach Europa „zurücktransportiert“ werden? Falls
es, selten belegt, in Frankreich, Deutschland oder anderswo
Übergriffe auf jüdische Einrichtungen oder Menschen und
anti-jüdische Äußerungen durch arabischstämmige Europäer oder – was
wiederum deutlich abzugrenzen wäre - aufgrund religiöser
(muslimischer) Motive gegeben hat, wäre dies, wissenschaftliche
Redlichkeit vorausgesetzt, nicht unbesehen mit dem Begriff des
Antisemitismus (christlich-europäischer Tradition) zu belegen. Dass
irgendwelche „linken Basisbewegungen“ diesen von Rensmann
behaupteten „arabischen“ oder „islamischen Antisemitismus“
„aufgreifen“ würden, wird auch durch wiederholte Behauptung nicht
wahr.
Die Ausführungen
zweier der geladenen Experten, beide nicht in Deutschland lebend,
atmeten allerdings einen anderen Geist – die von Alfred Grosser
(Frankreich) und von Brian Klug (U.S.A. bzw. GB). Während Experten
und Diskutanten immer wieder für klare Definitionen und Kriterien
als Grundlage einer Bekämpfung des Antisemitismus plädierten, jedoch
mit ungeklärten Begriffen und unbelegten Behauptungen hantierten,
war es vor allem Brian Klug, der tatsächlich einen konstruktiven
Beitrag zur Klärung leistete, indem er den häufig diffus verwendeten
Begriff vom „Existenzrecht Israels“ auf seine verschiedenen
möglichen Bedeutungen hin abklopfte und auf dieser Grundlage der
Frage nachging, ob es antisemitisch sei, das Recht Israels auf
Existenz zu verneinen. Jörg Rensmann antworte, Professor Klug
verkenne den Vernichtungswillen der Hamas. Mit dieser Antwort
offenbarte er sein schlichtes Unvermögen, eine Begriffsklärung von
einer Aussage über real existierende politische Akteure zu
unterscheiden.
Alfred Grosser
sprach als erster Experte und wurde in erschreckender Weise von fast
allen, die sich im Laufe der Diskussion zu Wort meldeten, ins
Abseits gestellt und vom Vorsitzenden nicht in Schutz genommen.
Vielmehr distanzierte sich dieser sofort, nachdem Grosser gesprochen
hatte. Ralf Schröder (ebenso wie Jörg Rensmann von „die Jüdische“,
Berlin) zeigte sich „befremdet“, dass eine Position wie die Grossers
„tatsächlich ernsthaft und relevant in diesem Hause diskutiert
wird“.
Was hatte Herr
Grosser Ungeheuerliches geäußert, das derart inkompatibel mit den
Einstellungen der anderen TeilnehmerInnen der Runde war, dass sie
nicht einmal darüber reden wollten?
Er hatte aus seiner
Sicht die Frage beantwortet, was es heiße, Israel zu kritisieren, da
die Abgrenzung von Israelkritik und Antisemitismus eine der Aufgaben
der Gesprächsrunde war. Es gehe, so Grosser, nicht nur um die
Politik Israels, es gehe um Verbrechen. Damit sprach er etwas aus,
was auch viele Israelis, selbst führende Vertreter des israelischen
Establishments inzwischen glauben aussprechen zu müssen, gerade weil
ihnen ihr Land, ihre Gesellschaft am Herzen liegt und sie deren
Absturz nicht ruhig mit ansehen können. Alfred Grosser begründete
sein kritisches Engagement im Zusammenhang mit Israel mit seiner
jüdischen Identität, so wie er sein kritisches Engagement in Bezug
auf den Algerienkrieg mit seiner französischen Identität begründete
und sein kritisches Engagement in Bezug auf das
Nachkriegsdeutschland mit seiner deutschen Herkunft und seinen
republikanischen Überzeugungen, die ihm geboten sich einzumischen,
wenn ihm die Bundesrepublik von grundlegenden demokratischen
Prinzipien abzuweichen drohte (so seinerzeit im Zusammenhang mit den
Berufsverboten).
Des weiteren warf
Grosser die Frage auf, was Juden gegen Antisemitismus tun könnten
und kam zu dem Schluss: „Es ist Antisemitismus fördernd, wenn man
nicht zugleich (mit dem Kampf gegen Antisemitismus) andere Rassismen
bekämpft.“ Dies sei Aufgabe von Juden und jüdischen Organisationen.
Mit dieser Auffassung steht er unter französischen Juden durchaus
nicht allein. Die Union Juive Francaise pour la Paix beispielsweise
arbeitet eng mit der Association des Travailleurs Maghrebin de
France zusammen und ist wie diese selbstverständlich Teil
verschiedener antirassistischer Bündnisse, weil sie den Kampf gegen
Antisemitismus und andere Formen von Rassismus und Diskriminierung
als ein gemeinsames Anliegen von Juden, Arabern/Muslimen und anderen
BürgerInnen der Republik verstehen.
Grossers
Argumentation, die man als humanistisch und republikanisch
beschreiben könnte, ein politisches Selbstverständnis jenseits
partikularer Interessen oder Ambitionen war für die Teilnehmer einer
Gesprächsrunde bundesrepublikanischer Parlamentarier und Experten in
Sachen „Antisemitismus“ unerträglich - sie sprechen eine g r u n d s
ä t z l i c h andere Sprache. Eine wahrlich gespenstische Situation,
vor allem für den mit wenigen dämonisierenden Worten als
Gesprächpartner Ausgeschlossenen. Immerhin durchbrachen zwei
Abgeordnete das menschlich vollkommen inakzeptable Verhalten der
Runde einschließlich ihres Vorsitzenden; Frau Pfeiffer und Frau
Philipp, beide CDU/CSU, gestanden Grosser das Recht zu, eine
abweichende Auffassung zu äußern und bedauerten, dass sich niemand
argumentativ mit ihm auseinandergesetzt hatte. Auch die
Grünen-Abgeordnete Claudia Roth wies die unflätigen Einlassungen von
Ralf Schröder („Die Jüdische“) zurück.
Es bleibt die Frage:
Wie kommt es in der Bundesrepublik und in einem solchen für ihre
politische Kultur einigermaßen repräsentativen Gremium zu einer
derart monolithischen, geradezu totalitär verfestigten Ideologie zum
Thema Antisemitismus und Israel (denn es handelt sich um Ideologie -
im Marx’schen Sinne: falsches Bewusstsein - und nicht um rational
begründbare Einschätzungen oder Standpunkte)? Wie kommt es dazu,
dass die Mitarbeiterin eines anerkannten Instituts wie des Zentrums
für Antisemitismusforschung in Berlin, Frau Dr. Juliane Wetzel sich
in teils nebulösen, teils schlicht falschen Behauptungen verlor, und
das ausgerechnet im Zusammenhang mit der so schwerwiegenden
Problematik des Antisemitismus, bei deren Diskussion die größte
Sorgfalt angebracht ist?
Frau Dr. Wetzel
behauptete, neben anderen bedienten sich „Teile der
globalisierungskritischen Bewegung und der pro-palästinensischen
Linken in ganz Europa“ heute „neu geschaffener antisemitischer
Stereotypen“. „Antisemitische Konnotationen haben sich insofern
grundlegend geändert, als an Stelle der Juden der Zionismus und
insbesondere Israel getreten sind...Der Begriff Jude wird durch
Zionist ersetzt...“. Dies tun tatsächlich Rechtsextreme, da ist Frau
Dr.Wetzel zuzustimmen, und man merkt es auch sehr schnell; denn sie
reden abwechselnd von „Israel“ und „den Juden“, etwas, was niemals
in der globalisierungskritischen Bewegung oder in der
„pro-palästinensischen Linken“ in Europa geschieht, die die Expertin
offenbar nur vom entfernten Hörensagen kennt. Beide Bewegungen oder
Strömungen kämpfen für gleiche Rechte aller Menschen, überall
(insofern dürfte es schwerfallen, eine „pro-palästinensische Linke“
überhaupt ausfindig zu machen, da es kein linker Standpunkt ist,
„für“ irgendwelche Völker zu sein).
In der europäischen
Linken und in der globalisierungskritischen Bewegung arbeiten
besonders zahlreich Juden und Araber zusammen. Das könnte Frau
Wetzel erleben, wenn sie einmal ein europäisches oder ein
Weltsozialforum besuchen und dort diese Bewegungen genau beobachten
würde. Auch die Aussagen der Expertin über die Konferenz „Stop the
Wall“, die im Frühjahr in Köln stattfand (und übrigens entgegen Frau
Dr. Wetzels Behauptung nicht von attac veranstaltet wurde), sind
nicht nur unzutreffend, sondern darüber hinaus eine Zumutung
gegenüber den israelischen Teilnehmern. Juliane Wetzel unterstellt,
„bewusst oder unbewusst“ würden bei solchen Veranstaltungen die
geladenen israelischen Referenten „missbraucht, um die eigene
Haltung, die durchaus nicht frei ist von antisemitischen
Vorurteilen, zu legitimieren.“ Sie unterstellt also beispielsweise
Prof. Zuckermann oder Prof. Raz-Krakotzkin, die auf der bewussten
Konferenz aufgetreten sind, sie seien derart unbedarft, dass sie
sich in einem antisemitischen Kontext missbrauchen lassen würden.
Was mich an dem
Protokoll jener Gesprächsrunde erschreckt hat, ist ein Ungeist, der
in Deutschland durchaus salonfähig ist und sogar die öffentlichen
Diskurse dominiert. Eine derart fanatische Parteinahme für „Israel“,
für ein abstraktes, monolithisches „Israel“ jenseits aller Facetten
der israelischen Gesellschaft, jenseits ihrer lebendigen, kritischen
und selbstkritischen Debatten, eine Parteinahme fernab von den
Menschen, Israelis und Palästinensern, die dort leben, wird
natürlich diesen Menschen und Israel oder Palästina in keiner Weise
gerecht und scheint mir in ihrer Kälte und schlechten Abstraktion
einer Geisteshaltung zu entspringen, wie sie in Deutschland traurige
Tradition hat. Gegenüber diesen falschen Freunden möchte man die
israelische Gesellschaft verteidigen. Sie ist nicht totalitär und
menschenverachtend wie sie von diesen an die Wand gemalt wird! Und
alles sträubt sich angesichts rassistischer Verallgemeinerungen, als
seien nicht nur „die Israelis“, sondern auch „die Juden“ als solche
alle gleich in ihren Interessen, ihren Ambitionen, ihren politischen
Einstellungen und unmittelbar zu identifizieren mit dem israelischen
Staat und dessen Politik oder dem zionistischen Projekt. Wie kann
man so verächtlich sein, die vielen Juden in Israel und weltweit zu
ignorieren oder als „self-hating Jews“ abzustempeln, die rufen „Not
in my name!“
(Sophia Deeg)
Im Detail etwas anders erschien
dieser Artikel im Freitag.
Sophia
Deeg
Israels falsche Freunde
Erschienen im Freitag am
5.8.2005
Die 2.,
berichtigte Fassung des Artikels
Interessant sind die Erkenntnisse einer Berichtigung die der Freitag
daraufhin
abdruckte:
Berichtigung des
"Freitag" vom 8.9.2005
Dr. LARS RENSMANN
KORRIGIERT SICH -
UNZUTREFFENDE
BEHAUPTUNGEN WERDEN
UNTERLASSEN; NICHT MEHR
WEITER
VERBREITET, GESCHWÄRZT......................
Der Freitag schreibt (ausschnittweise zitiert):
""...
Es trifft nicht zu, dass Dr. Lars Rensmann
kürzlich zu einer
Unterlassung von
Behauptungen über
den Publizisten Dr.
Ludwig Watzal
verurteilt wurde.
Richtig ist, dass
sich Dr. Lars
Rensmann angesichts
der Androhung
gerichtlicher
Schritte
außergerichtlich
verpflichtet hat,
unzutreffende
Behauptungen über
Dr. Ludwig Watzal in
seiner
wissenschaftlichen
Buchveröffentlichung
Demokratie und
Judenbild
(Verlag für
Sozialwissenschaften,
Wiesbaden) zu
unterlassen bzw.
nicht weiter zu
verbreiten.
Dr. Lars Rensmann
hat sich danach
verpflichtet, nicht
mehr zu behaupten,
Dr. Ludwig Watzal
streite »für die
Befreiung Palästinas
von Juden«. Er
werde in seinem Buch
dies dahingehend
ändern, dass Dr.
Watzal für »die
Befreiung der von
Israel besetzten
Gebiete des
Gaza-Streifens und
West-Jordan-Landes«
streite. Ferner
verpflichtet er
sich, in seiner
Unterlassungserklärung,
nicht weiter zu
behaupten und zu
verbreiten: »...
er (Dr. Watzal -
die Red.) habe
noch im Juni 2003
den Terrorismus als
»Befreiungskampf« im
völkischen Jargon
gerechtfertigt mit
den Worten:
»Ein Volk, das so in die Hoffnungslosigkeit
getrieben wurde, das
eingemauert wird,
dessen
Existenzgrundlagen
man zerstört, dessen
Territorium man
kolonisiert, greift
zu solchen
Verzweiflungstaten.«
ohne hinzuzufügen, dass es an der zitierten
Stelle/Satz weiter
heißt:
»Das heißt nicht, dass die willkürlichen
Terroranschläge im
israelischen
Kernland
gerechtfertigt sind
- ich halte sie für
abscheulich und
unmoralisch -, aber
man muss das ganze
Bild sehen. Der
Terror muss gestoppt
werden, ja - aber
zuerst muss die
Besatzung beendet
werden, denn das
eine ist die Ursache
des anderen.«...."
Quelle und mehr >>>: Freitag vom
8.9.05
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Sophia Deeg
Ich bin als Mensch
gekommen


Internationale Aktivisten für
einen Frieden von unten
Aufbau Taschenbuch Verlag,
Berlin
ISBN 3-7466-7043-8; 9,50 Euro
"Ich
bin als Mensch gekommen, der sich der Lehren des zwanzigsten
Jahrhunderts bewusst ist - dass nämlich jeder von uns über seine
Verantwortung nachdenken muss und dass die Menschen als Individuen
handeln und nicht auf die Politiker warten sollten." Daniel
Barenboims Aussage anlässlich eines Solidaritätskonzert, das er im
Sommer 2002 im besetzten Ramallah gab, bringt die Einstellung der
internationalen AktivistInnen auf den Punkt, die seit Sommer 2001
permanent an der Seite der palästinensischen Bevölkerung in der
Westbank und im Gazastreifen präsent sind. In der direkten
gewaltfreien Aktion und dadurch, dass sie über die täglichen
Schikanen und die schweren Menschenrechtsverletzungen der Besatzung
berichten, praktizieren sie eine Solidarität, durch die sie die
Isolierung der eingeschlossenen palästinensichen Bevölkerung
durchbrechen.
Für
Tausende AktivistInnen aus den sozialen Bewegungen ist Palästina ein
zentraler Ort des weltweiten Widerstands gegen die neoliberale
Globalisierung und deren Kriege geworden, für brasilianische
Landlose ebenso wie für die Mitglieder der Union Juive Francaise
pour la Paix oder für italienische Disobedienti. Auf dem
Weltsozialforum in Porto Alegre 2002 wandte sich die
globalisierungskritische Bewegung angesichts des von der
US-Administration proklamierten globalen "Krieges gegen den Terror"
verstärkt dem Thema Krieg und Frieden zu und postulierte: "Eine Welt
ohne Kriege ist möglich", im wesentlichen durch eine internationale
Widerstands- und Solidaritätsbewegung, die sich weigert, das Recht
des Stärkeren anzuerkennen oder angesichts seiner Übermacht zu
resignieren.
Es
lag nahe, dass sich die "Bewegung der Bewegungen" besonders
Palästina zuwandte. Die palästinensische Bevölkerung kämpft seit
Jahrzehnten um die Anerkennung ihres Selbstbestimmungsrechts und die
Umsetzung internationalen Rechts. Seit Beginn der zweiten Intifada
und besonders seit "dem" 11.September wird sie kollektiv unter
Terrorverdacht gestellt und entsprechend bestraft und durch eine
hochgerüstete Armee bekriegt. Die internationale Diplomatie,
Regierungen, Institutionen lassen dies zu oder fördern es sogar. Die
politischen Strukturen der palästinensischen Gesellschaft sind
weitgehend zerstört, und die Besatzungsmacht setzt alles daran,
sämtliche zivilgesellschaftlichen Grundlagen ebenfalls zu
vernichten. Doch es existiert in Palästina eine starke Bewegung "von
unten" gegen die Besatzung, die dringend der Unterstützung und des
Schutzes durch die Verbindung zu den sozialen Bewegungen anderer
Länder und durch die Präsenz von Internationalen vor Ort bedarf.
Auch in Israel selber wächst besonders unter jungen Leuten die
Solidarität mit den Palästinensern und der Widerstand gegen
Besatzung, Kolonialisierung und Militarisierung.
Über
diese neue Allianz von Palästinensern, Israelis und Internationalen
informiert das Buch. Darüber hinaus werden Aspekte des Konflikts (so
das Scheitern des Friedensprozesses, die Rolle der Autonomiebehörde,
das Phänomen der Selbstmordattentate u.a.) beleuchtet. "Ich bin als
Mensch gekommen" ist auch ein persönlicher Erfahrungsbericht, der
die Überlebensbedingungen der Bevölkerung unter Besatzung, ihren
Widerstand und die Wirksamkeit der unmittelbaren Solidarität
anschaulich darstellt.Quelle |
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Die Karawane für Palästina -
Reisende in Sachen Völkerrecht -
Ein Zwischenbericht -
Sophia Deeg
Israels falsche Freunde |
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Widmung zu Sophia Deegs Buch
Für die Menschen in Palästina
die trotzdem
für die Frau die am Morgen in den Trümmern
nachsieht was geblieben ist
für das Kind das am Panzer vorbei
zur Schule geht
für die Mutter die
es losschickt
für den Alten in Djenin der
den Gemüsestand aufbaut
für den Gefangenen
für seine Tat
für die Studentin die am Checkpoint
die Prüfung versäumt
für das Kind das im Visier des Soldaten
das Licht der Welt erblickt
für den Sanitäter der die Soldaten
überlistet, den Verblutenden rettet
für Rachei, Tom und Brian
für die Flüchtlinge
die im Exil die
den Blick nie abwenden
für die Gefangenen,
ihr Verbrechen
Palästinenser zu sein
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Freitag 16 - Freitag-Telefongespräch
...
; 16 12.04.2002 Thema
Freitag-Telefongespräch Start Service Recherche WER SCHüTZT YASSIR
ARAFAT? * Julia in Ramallah Im
belagerten PLO-Hauptquartier haben sich Friedensaktivisten aus vielen
Ländern zu dem isolierten und von
... |
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Autobiografie eines Grenzgängers |
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Nett geht´s zu am Checkpoint
-
Israel
und die Palästinenser an deutschen Schulen |
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Skrupel oder Tabus scheinen keine Rolle mehr zu spielen
- Harald Neuber 02.04.2002
- Interview mit Sophie
Deeg, die sich seit Sonntag im belagerten Hauptquartier von Arafat
befindet -
mehr >>> |
Maulkorb für die Friedensbewegung!
-
"Eine Zensur findet nicht statt."
Art. 5 Abs. 2 Grundgesetz. Pressemitteilung
Kassel, den 17. Mai
2002
mehr >>>
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Verdächtiges Friedensengagement
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ND 21.05.02
-
Lehrerin soll sich vor
Behörden verantworten -
Von
Peter Nowak |
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Fahl die Gesichter
-
HOSPITAL IN RAMALLAH AM 7. APRIL
2002 -
Die Toten sind mitten unter uns
- Ein gradliniger Politiker,
steht Ariel Sharon zu dem, was er tut. Er habe die Absicht, die
zivile Infrastruktur der Palästinenser zu zerstören, verkündet er
unverblümt, und wir hören von den Palästinensern, vor allem den
Ärzten des Palestinian Medical Relief Center, die entsprechenden
Hiobsbotschaften: Das Center wurde zerstört, die Panzer sind nur
deshalb in der Nacht wieder abgerückt, weil sie im Nachbarviertel
einerseits das Hauptquartier des palästinesischen Sicherheitschefs
Rajub, andererseits ein anderes Hospital angegriffen haben. Als wir
die Nachricht über unsere ständig gestörten Handyverbindungen
empfangen, brennt das Krankenhaus immer noch, Feuerwehr und
Ambulanzen wird von den Israelis der Zugang verwehrt, gängige Praxis
in diesen Tagen des "totalen Krieges". Die eingeschlossenen
Patienten ersticken, verbrennen, verbluten. Damit nun allerdings
wird mehr zerstört als zivile Infrastruktur.
"Aber, was würdet ihr denn tun ...
... wäret ihr in euren Städten täglich von Selbstmordattentätern
heimgesucht?" fragte uns ohne Aggressivität der israelische Soldat,
mit dem wir am Tag zuvor, draußen vor der Mukata(*), ins Gespräch
kommen. Eine legitime Frage, selbstverständlich.
Der Soldat will auch wissen, was wir eigentlich hier wollten - wir,
diese verrückten Europäer mit ihren weißen T-Shirts der Mission
civile pour la Protection du Peuple Palestinien. Wir erklären ihm,
dass wir hier seien, um palästinensische Zivilisten zu schützen, die
in diesem Augenblick der Militärgewalt ohne Zeugen, ohne
Verteidigungsmöglichkeit ausgesetzt seien. Ahmad, ein junger
Franzose maghrebinischer Herkunft aus unserer Gruppe, hat bisher nur
zugehört. Die kleine Gesprächsrunde löst sich auf, aber Ahmad bleibt
bei dem Soldaten stehen. Es stellt sich heraus, dass ihre Familien
aus Marokko kommen, sogar aus der gleichen Gegend. Sie unterhalten
sich weiter, ich sehe auf ihren Gesichtern Freude und Trauer.
Zwischendurch fordern andere Soldaten "unseren Freund" auf, das
Gespräch abzubrechen. "I must stop now", sagt er, aber dann fängt er
doch wieder an, genau wie zwei, drei andere von seinen Kameraden.
Einer von ihnen, erfahre ich später, soll erzählt haben, er würde am
liebsten den Kriegsdienst verweigern, aber er schäme sich zu sehr
vor seiner Familie und seinen Freunden, die keinerlei Verständnis
dafür hätten. Den Wehrdienst in Israel zu verweigern, tut nicht
wirklich weh. Man muss ein paar Wochen ins Gefängnis, das größere
Problem für die Verweigerer ist die Stigmatisierung angesichts der
enormen Bedeutung, die der Armee als unverzichtbarer Verteidigerin
des Staates Israel zugesprochen wird. Als unsere Gruppe schließlich
abzieht, sehe ich Ahmad dem Soldaten, mit dem er sich so intensiv
unterhalten hat, zuwinken, sehe wie sich ihre Abschiedsblicke
verbinden.
Ein verwirrendes Déjà-vue ...
... am nächsten Tag, als wir ungläubig, tatsächlich die Mukata
betreten und von palästinensischen Soldaten empfangen werden, ist
das erste Gesicht, in das ich blicke, das von Ahmads "Freund" von
gestern, dem israelischen Soldaten. Es ist natürlich nur eine
Täuschung von Sekunden. Die Israelis, die aus den arabischen Ländern
stammen (Mizrahi), sehen Palästinensern und anderen Arabern zum
Verwechseln ähnlich. Sie gehören in der israelischen Gesellschaft
eher der Unterschicht an - die Täuschung von Sekunden, das
Ineinanderfallen der Gesichter des israelischen und des
palästinensischen Soldaten lässt mich an den Bob-Dylan-Song denken:
"But the thing that scared me most was when my enemy came close and
I saw that his face looked just like mine."
Als wir diesmal, merkwürdigerweise ungehindert, lediglich
eingeschüchtert durch Panzer und Scharfschützen, in die Mukatta
gelangen, haben wir bereits eine Begegnung mit israelischen Soldaten
hinter uns, eine deutlich beklemmendere als am Tag zuvor. Ein
Krankenhaus hatte uns um Hilfe gebeten: Panzer seien vorgefahren,
einer stünde bereits in der Einfahrt der Notaufnahme, die Soldaten
seien im Begriff in das Gebäude einzudringen, das (palästinensische)
Klinikpersonal habe sich vor die Eingänge gestellt und versuche zu
verhindern, dass die Soldaten hereinkämen, um Verwundete, angebliche
"Kämpfer" herauszuholen, wie mehrfach in diesen Tagen bereits
geschehen. Aber natürlich, die palästinensischen Ärzte können auf
Dauer nichts verhindern.
Unser "europäisches Leben" hingegen ist den Israelis weniger
antastbar. Wir können es immerhin wagen, ohne kugelsichere Westen,
dafür mit unseren schützenden Pässen auf dem Herzen uns als eng
geschlossene, schweigende Gruppe mit erhobenen Händen und weiße
Tücher schwenkend auf den kurzen Fußweg zum Krankenhaus zu begeben,
um uns dort zwischen die israelischen Panzer und die
palästinensischen Ärzte zu stellen.
Wir haben alle Angst, die wir dicht an dicht gedrängt stehen,
unmittelbar vor einem Panzer und den Soldaten, die heute unseren
Blicken ausweichen. Während mit dem Kommandeur über einen Abzug des
Militärs verhandelt wird, rast eine Ambulanz in die Einfahrt und wir
weichen zurück, so dass die beiden Verletzten hereingetragen werden
können, junge Männer in Zivil, blutig überall, fahl die Gesichter.
Plötzlich entsteht unter dem Klinikpersonal eine Bewegung, Schreie
kommen von dort und dann sind plötzlich die Verwundeten - nein Toten
- mitten unter uns, vor unseren Füßen. Die Palästinenser haben sie
vor den Panzer gelegt, vor die Israelis, die verlegen wegsehen. Die
Ärzte und Pfleger schreien und ringen die Hände. Ich brauche ihre
Worte nicht zu verstehen, um zu verstehen: "Seht, seht, was ihr
anrichtet!" Man war mit den Ambulanzen viel zu lange nicht an die
Verwundeten herangelassen worden, die Hilfe kam zu spät. Philippe
neben mir hält meine Hand ganz fest, wir starren entsetzt auf das
junge Gesicht des Toten vor unseren Füßen. Die Verhandlungen gehen
weiter und schließlich - ein wunderbarer Moment - zieht sich das
Militär zurück. -
Sophia Deeg
(*) Arafats Amtssitz -
Quelle: Freitag 16 - 12.4.02 |
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Die Karawane für Palästina -
Reisende in Sachen Völkerrecht -
Ein Zwischenbericht -
Sophia Deeg |
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