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eaktionen auf ein Interview mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) in
Israel
13.9.2004 - Schily sieht Terrorgefahr in Deutschland
.....Heinlein:
Gegenwärtig - ich sagte es bereits mehrfach - sind Sie Gast in Israel.
Dort ist die Terrorgefahr allgegenwärtig. Kann die internationale
Gemeinschaft lernen vom israelischen Kampf gegen den Terror?
Schily: Zunächst muss man sagen Israel ist das Land, was
am härtesten und am längsten vom Terror betroffen ist. Ich war ja in
Negev. Dort ist vor kurzem wieder ein schrecklicher Selbstmordanschlag auf
einen Bus verübt worden. Viele Menschen sind dort umgekommen, viele
Verletzte. Deshalb muss Israel sich auch schützen. Es gibt zwar manche
Kritik, was einige Maßnahmen der jüngsten Zeit angeht, aber man muss
verstehen, dass Israel nach Mitteln und Wegen sucht, sich vor diesen
Selbstmordattentätern zu schützen, die ja nicht durch eine Strafdrohung
oder Ähnliches beeindruckt werden können. Die schonen ihr eigenes Leben
nicht. Ich habe aber in der Konferenz, die Sie eingangs erwähnt haben,
gesagt: wir müssen alle militärischen Mittel einsetzen, dort wo
militärische Mittel notwendig sind. Wir müssen alles tun, was die
polizeiliche Arbeit angeht, die Sicherheitsdienste angeht. Aber auf lange
Frist werden wir natürlich mit diesen Erscheinungen des Terrorismus nur
fertig, wenn wir die geistig-politische Auseinandersetzung gewinnen. Dazu
gehört auch, dass wir dafür sorgen, dass wir bei den großen Konfliktherden
auf der Erde zu friedlichen Lösungen kommen. Deshalb ist es auch das
Bemühen der Bundesregierung, dazu beizutragen, dass dieser lange währende
Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern irgendwann zu einer
friedlichen Lösung führt. Das ist unser Engagement auch hier in diesem
Lande.....
Quelle |
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Ellen Rohlfs
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Ruth Asfour
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Rainer Fielenbach
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W. Seibert
| Peter Bingel
| Oben |
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Ellen Rohlfs
Leer, den 14.September 2004
Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister!
Was wir über Ihren Besuch in Israel in unseren Medien lasen und
hörten, hat uns nur fassungslos und wütend gemacht. Ich gehöre
- als aktives Mitglied von Gush Shalom, der israelischen
Friedensgruppe an und zu denen, die nicht nur die Mauer und den Zaun
in Palästina aus eigener Anschauung an verschiednen Stellen entsetzt
wahr nahmen, sondern auch gegen sie demonstrieren, wo immer es
angebracht ist. Die 8m hohe Mauer, eine Schandmauer, zuweilen ein
raffiniert ausstaffierter „Zaun“ , ein monströses Bauwerk auf einem
20-100m breiten zerstörten Landstreifen wurde nicht nur aus
Sicherheitsgründen gebaut – sonst wäre sie/ er auf der sog. Grünen
Linie (Grenze vor dem 4.6.67) errichtet worden - wie die Berliner
Mauer auf der Grenze errichtet wurde. Sie wurde nur an wenigen
Stellen auf der Grenze, meist aber einige bis viele km östlich davon
gebaut, um sich möglichst viel Land und Quellen anzueignen, um die
Menschen östlich der Mauer – von allem beraubt - derart in
Bedrängnis und Nöte zu bringen, dass sie „freiwillig“ das Land
verlassen = Transfer = Vertreibung = ethnische Säuberung. Städte wie
Qalqilia, Bethlehem und viele Dörfer sind wie der Gazastreifen
buchstäblich zu Gefängnissen geworden.
Gegen diese Mauer zu sein ist nicht unrealistisch (wie Sie sagten) –
im Gegenteil: jeder vernünftige und politisch denkende Mensch muss
gegen diese Mauer sein, muss gegen die Besatzung, gegen die
Checkpoints, gegen das Demütigen, das Verletzen, gegen die
Massenverhaftung, das Foltern, gegen das gezielte Töten, gegen die
Zerstörung der Häuser ( siehe Mail von ICAHD), gegen die
systematische Zerstörung der Infrastruktur und der Lebensgrundlage,
gegen das Zerstören der Landschaft und der zig-tausenden von
Olivenbäumen sein, gegen das Enteignen des Landes, gegen den
Siedlungsbau und das Apartheid-Straßensystem ...dies alles ist die
Ursache für palästinensische Gewalt. Als Jurist -
so setze ich voraus - kennen Sie die
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und ihre Präambel: „...
damit der Mensch nicht zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung
als letztem Mittel gezwungen wird....“ Sie haben in Herzlia
versäumt, gegen die 37 Jahre lange Unterdrückung und
Besatzung, gegen den einseitigen Krieg gegen eine vorwiegend zivile
Bevölkerung deutliche Worte zu sagen? Sie haben wohl in Beer Sheba
der Terroropfer gedacht - haben es aber versäumt
an den 436 palästinensischen Orten , wo in Palästina in
den für Israel ruhigen - für die Palästinenser keineswegs ruhigen -
6 Monaten 436 Palästinenser erschossen wurden, mit einem
Kranz der Toten zu gedenken? Sind 16 jüdische Tote
mehr wert als 436 palästinensische Tote? ( Für mich ist jeder Tote
einer zu viel!!)
Sie sagten: Israel ist das am längsten von Terrorismus heimgesuchte
Land – ich sage: Palästina ist das am längsten von
Militärbesatzung und Staatsterror heimgesuchte Land. Ob es da
vielleicht Querverbindungen gibt? Als Jurist müssten Sie
längst hellhörig geworden sein: wo liegen die Ursachen ? Wie müsste
man die palästinensische Gewalt eindämmen – durch Mauern, durch noch
mehr Gewalt? Oder durch Abziehen der Besatzung , Auflösung
aller jüdischer Siedlungen, die alle illegal auf palästinensischem
Land gebaut wurden – nach den UN-Beschlüssen.
Doch nachdem, was Sie in Israel sagten und was davon durch
unsere Medien ging, scheinen Sie keine Ahnung von dem zu
haben, wie katastrophal die menschliche Situation in den von
Israel besetzten Gebieten wirklich ist, obwohl man sehr gut
unterrichtet sein könnte, wenn man Uri Avnerys Artikel, Amira Hass’
und Gideon Levys Artikel in Haaretz liest oder Baruch Kimmerlings
Buch: „Der Politizid“ Er schreibt davon, dass das „Mauerprojekt die
politische Vernichtung des palästinensischen Volkes“ vorsieht.
Schleichender Völkermord !!!! Und dazu schweigen Sie???? Noch
schlimmer – Sie heißen dies gut.
Kimmerling schreibt: „Im Vergleich mit diesem Konzept (Sharons
für Palästina) nehmen sich die früher in Südafrika
geschaffenen Bantustans im Rückblick wie Bastionen der Freiheit, der
Souveränität und der Selbstbestimmung aus.“ Es gibt noch mehr
aufklärende Literatur von israelischer Seite: Mosche Zuckermann,
Tanya Reinhardt, Felicia Langer, Michael Warschawski, auch der jüd.
Theologe Marc Ellis; die Zeitschriften: Challenge, News from Within
, The Other Israel ....und viele Berichte per Mails von den
Friedens- und Menschenrechtsgruppen.
Wir können nicht
mehr sagen: „Wir haben nichts davon gewusst.“
Uri Avnery erinnert sich
noch gut daran ( so sagte er mir am Telefon) , wie Sie einmal als
Vertreter der Grünen in eine Veranstaltung des linken
Friedenslagers nach Israel eingeladen worden waren – wie ist er
jetzt enttäuscht von Ihnen, der Sie nun mit ihrer Ansprache
die Ultra-orthodoxen, die Rechtsradikalen in Israel unterstützen. Er
kann es kaum glauben.
Verstehen Sie nun, warum in Israel jeder, der noch einen gesunden
Menschenverstand hat wie die vielen – aber immer noch zu
wenigen - mutigen Leute in den Friedens- und Menschenrechts-,
und Militärdienstverweigerungsgruppen, die mit allen nur
erdenklichen Mitteln gegen die Besatzung und die Mauer
ankämpfen – und warum auch wir hier mit jüdischen Freunden am 25.9.
an vielen Orten gegen diese Mauer demonstrieren werden?
Es ist unglaublich und
noch immer unfassbar, was im deutschen Namen gegenüber dem jüdischen
Volk vor 60 Jahren geschah – und nun werden nicht nur U-Boote
in das Spannungsgebiet Nahost geliefert, sondern mit deutscher
Zustimmung die Mauer gebaut, um ein anderes Volk ein weiteres Mal in
die Katastrophe zu führen. Es ist einfach unfassbar, Herr
Bundesinnenminister Schily!
Mit sehr erschrockenen,
entsetzten, traurigen Grüßen!
Ellen Rohlfs, Gush Shalom
, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, e.V.
Übersetzerin von Uri
Avnerys wöchentlichen Artikeln
Dieser Brief geht zur
Kenntnisnahme auch an die Generaldelegation Palästina,
H. Abdulla Frangi |
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Ellen Rohlfs
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Ruth Asfour
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Rainer Fielenbach
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W. Seibert
| Peter Bingel | Oben |
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Seibert
Sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrter Herr Kollege Schily,
ich hatte inzwischen Gelegenheit, Ihr
Interview mit dem Deutschlandfunk vom 13.09.2004 nachzulesen. Ich halte
eine Stellungnahme für erforderlich, da ich das von Ihnen angesprochene
„Phänomen“ – das war, wenn ich mich recht erinnere, die euphemistische
Bezeichnung der DDR durch einen früheren Bundeskanzler – in den letzten
zwei Jahren mehrfach von beiden Seiten sehen konnte.
Dieses Interview fand zur Zeit Ihres
Israel-Aufenthalts statt, was sicherlich besonders sensible Antworten
erforderlich machte, was andererseits aber nicht jede Anpassung an die
dortige Auffassung und Sprachregelung rechtfertigt.
Der Vorwurf, Sie hätten gesagt, man solle die
Mauer als Zaun bezeichnen, trifft, liest man das genau, nicht ganz zu. Ein
Vergleich mit der Berliner Mauer geht sicherlich fehl.
Andererseits ist es, wie man auf den ersten
Blick sieht, dort, wo das Bauwerk vollendet ist, mit Sicherheit kein Zaun,
sondern eindeutig eine rund acht Meter hohe Mauer aus Beton. Dieses
Gebilde kann man redlicherweise nicht als Zaun bezeichnen. Da Sie
vermutlich nicht in Qalqiliya seit dem Bau dieser Mauer waren, darf ich
einige Fotos beifügen, die ich im Sommer vergangenen Jahres dort gemacht
habe. Die Verhältnisse in Bethlehem sehen inzwischen nicht besser aus.
Diese m. E. in die Irre führen sollende
Semantik ist das Eine, die Tatsache, dass diese Mauer zu großen Teilen auf
einem Gebiet verläuft, das eindeutig nicht zu Israel gehört, das Andere.
Wie das völkerrechtlich zu bewerten ist, dürfte wohl hinreichend geklärt
sein. Auf fremder Leute Grund und Boden darf man halt nicht bauen.
Wenn es denn zum Schutz der israelischen
Bevölkerung sinnvoll sein soll, sich durch eine Mauer von dem Nachbarn
abzugrenzen, dann mag Israel diese Mauer auf seinem Gelände bauen. Ob es
politisch klug ist, sich über die psychologische Blockade hinaus auch
faktisch den Blick auf den Nachbarn zu verstellen, ist sicher ein anderes
Problem. Dass aber eine Mauer, die auch auf fremdem Boden errichtete
Siedlungen einbezieht, völkerrechtlich unzulässig ist, ist nach dem
praktisch einhelligen Votum wohl nicht ernsthaft zu diskutieren. Man
sollte daher auch gegenüber Israel nicht den Eindruck erwecken, dass man
für diesen Teil des „Schutzzauns“ Verständnis hat. Verständnis kann man
nur unter Missachtung des Völkerrechts hierfür haben. Das aber ist ein
gefährlich abschüssiger Weg, vor dem gerade gute und verlässliche Freunde
Israels warnen sollten.
Im übrigen gäbe es hier noch einiges über
Ursache und Wirkung zu diskutieren.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen
Seibert
Rechtsanwalt
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Ellen Rohlfs
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Ruth Asfour
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Rainer Fielenbach
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W. Seibert
| Peter Bingel | Oben |
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Fielenbach
Sehr
geehrter Herr Bundesminister des Innern!
"Si
tacuisses!" - Dieser alte, lateinische Spruch von Boethius gilt in
höchstem Masse auch für die meisten Ihrer Worte, die Sie in den letzten
Tagen anlässlich Ihrer Israelreise in Interviews von sich gegeben haben.
Zu Recht hat Ihnen der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen Nachtwei
den Titel "Lautsprecher der Israelischen Regierungspropaganda"
verliehen und zu Recht wird Ihnen in einem Kommentar der FAZ vom
14.9.04 "Tunnelblick" bescheinigt.
Ich
erspare mir hier die leidige Aufzählung der Fakten und die Folgen für die
Bevölkerung, die mit der Mauer auf palästinensischen Gebiet verbunden
sind. Sie sind unzählige Male geschrieben worden und Ihnen zur Genüge
bekannt.
Es ist daher unglaublich, wie Sie sich
in Ihren Interviews darüber hinwegsetzen (ebenso die Stellungnahme des
Internationalen Gerichtshofes über UN Resolutionen bis hin zur "Roadmap")
und sich ausschließlich der Verteidigung Sharons und seiner Politik und
damit israelischer Militär- und Propagandapolitik verschreiben. Ich möchte
als Bürger der Bundesrepublik entschieden gegen
solche Äußerungen protestieren, die auf Grund ihrer Geschichte des
vergangenen Jahrhunderts Verantwortung trägt für beide Völker - für Israel
und Palästina. Durch ihr einseitiges Auftreten tragen Politiker wie Sie
dafür Mitverantwortung, dass z.B. MB Sharon sich zum Maß allen
Handelns machen kann, radikale Siedler Unterstützung bekommen, und auf der
anderen Seite Weltgerichte und UN-Institutionen für "irrelevant" erklärt
werden. Solange aktuelle israelische Politiker solche Steigbügelhalter
haben wie Sie, wird sich wahrlich im Nahen Osten nichts ändern!
In
Ihrem Interview mit dem DLF (Herrn Heinlein) am 13.09.04 sagten Sie u.a.:"Ich
war ja in Negev. Dort ist vor kurzem wieder ein schrecklicher
Selbstmordanschlag auf einen Bus verübt worden. Viele Menschen sind dort
umgekommen, viele Verletzte. Deshalb muss Israel sich auch schützen....".
- Warum keine Frage nach den Ursachen solch schrecklicher Attentate? Und
da Sie ja im Negev waren, die Vermutung, dass Ihnen Ihre israelischen
Begleiter mit größter Wahrscheinlichkeit nichts berichtet haben von der
Vertreibung, Misshandlung, Demütigung der Beduinen in dieser Gegend
(regelmäßiges Besprühen der Gegend mit giftigen Pestiziden um sie zu
vertreiben). Ebenso dürfte man Ihnen nichts erzählt haben von
den Plänen, einen Beduinenstamm - die sogenannten Höhlenbeduinen - in den
Höhlen südlich von Hebron endgültig zu vertreiben (siehe Anlage!). Wo sind
Ihre kritischen Worte zur Atomanlage von Dibona und dem extremen
Gefahrenpotenzial, das von diesem Atomreaktor ausgeht? Auch dieses Thema
dürfte man Ihnen vorenthalten haben.
Abschließend in Verbindung mit der von
Ihnen auch kommentierten "Mauer" oder "Zaun" , wie Sie ihn auch
bezeichnen,
die Frage: Haben Sie sich die Mühe gemacht, einmal einige Kilometer dieser
Mauer anzuschauen - von beiden Seiten ? Haben Sie sich die Mühe gemacht,
einmal mit der normalen Zivilbevölkerung in Palästina zu sprechen, deren
Leben dadurch an den Rand der Existenz gebracht worden ist? Haben Sie sich
wenigstens einmal der demütigenden Prozedur eines Checkpoints z.B. von
Jerusalem nach Bethlehem unterzogen? Hier nur von einem "problematischen
Zaunverlauf zu reden, weil er den Friedensprozess erschwere" ist in meinen
Augen blanker Zynismus.
Ihre Äußerungen kann ich daher nur so bewerten, dass
Sie von der realen Situation in Israel/Palästina entweder keine Ahnung
haben - was ich mir schwerlich vorstellen kann - oder bewusst auf Kosten
der palästinensischen Seite aktuelle israelische Besatzungpolitik
unterstützen wollten - und deswegen noch einmal "Si tacuisses!" - Ein
Wunsch bleibt trotzdem: Besuchen Sie bei Ihrer nächsten Nahostreise doch
einmal die palästinensische Seite!
Mit freundlichen Grüssen
Rainer Fielenbach
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Ellen Rohlfs
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Ruth Asfour
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Rainer Fielenbach
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W. Seibert
| Peter Bingel | Oben |
Asfour
Danke der FAZ und dem Verfasser (wgl) für den
Kommentar "Tunnelblick". Minister Schily hat anscheinend das
eindeutige Urteil des internationalen Gerichtshofes in Den Haag
gegen die israelische Mauer vergessen, die größtenteils
auf dem Gebiet verläuft, welches der Staat Palästina werden soll und die große und fruchtbare Teile davon annektiert,
nebst 35 Brunnen. Angesichts seiner Zuhörerschaft vergaß er auch das
Bekenntnis unserer Regierung zu "einem lebensfähigen
palästinensischen Staat - an der Seite Israels" . Der Kommentator ihrer
Zeitung wies zurecht darauf hin, daß diese Zuhörerschaft größtenteils aus
Kreisen bestand, aus denen der Mörder des israelischen Premiers Rabin kam.
Diese Menschen sind m. E. genauso eine Gefahr für den von beiden Völkern
so ersehnten Frieden wie die Attentäter auf die Busse in Beersheva, wo
der Minister einen Kranz niederlegte um der unschuldigen Opfer zu
gedenken.
Hätte er sich auf palästinensisches Gebiet begeben,
hätte er viele Plätze mit Kränzen bedenken müssen - den
Gazastreifen sozusagen bepflastern müssen mit Kränzen.
Aber niemand trauert um die palästinensischen Opfer
- an die 3500 sind es schon, seit Ausbruch der Intifada - und
täglich werden es mehr.
Von unseren Medien wird dieses schleichende Morden
der israelischen Streitkräfte größtenteils ignoriert. Gideon Levy in "Haaretz" allerdings sagte sehr
richtig: "Man sollte zuerst die Bedingungen entfernen, die zum Terrorismus
führen"
Unser Minister ist hingegen anderer Meinung mit
seinem "Tunnelblick"
Ruth Asfour (Tel 83 12 81)
Leserbrief zu "Tunnelblick" FAZ 14.9.
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Ellen Rohlfs
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Ruth Asfour
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Rainer Fielenbach
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W. Seibert
| Peter Bingel | Oben |
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Peter Bingel,
Herrn
Minister Otto Schily
Bundesministerium des Innern
Alt-Moabit 101 d
10559 Berlin
Betr.: Ihr dem
Deutschlandfunk gegebenes Interview, Montag, 13.9.2004, aus Israel
Sehr geehrter Herr
Minister Schily,
Ihr oben
genanntes Interview hat nicht nur bei den „Grünen“ große Kritik und
Empörung ausgelöst, sondern auch in anderen Kreisen der Bevölkerung. Das
Hauptproblem besteht darin, dass Sie die schweren Völker- und
Menschenrechtsverletzungen, deren sich der Staat Israel seit Jahrzehnten
schuldig macht und die mit der Konferenzproblematik substantiell
zusammenhängen, kaum genannt haben und bei Ihrer Argumentation nicht
berücksichtigen. Das bedeutet auch, dass Sie sich – gewissermaßen im Namen
der Bundesrepublik Deutschland – schuldig machen, das unbeschreibliche
Leiden der einheimischen palästinensischen Bevölkerung unter der
israelischen Besatzung, Unterdrückung und fortschreitenden Beraubung zu
fördern.
Es war
eine geschickte Unternehmung der Israelis, eine „Internationale
Anti-Terror-Konferenz“ durchzuführen, denn damit fällt aus dem Blick
heraus, dass es sich bei den palästinensischen Anschlägen kaum um eine
internationale und erst recht nicht um eine islamistische Angelegenheit
handelt. Vielmehr sind sie eine Reaktion auf eine jahrzehntelange und sich
ständig steigernde Terrorisierung der dort einheimischen Palästinenser
durch die israelische Besatzungsmacht und einer brutalen Zerstörung ihrer
Lebensgrundlagen. Vor allem die 1967 erfolgte völkerrechtswidrige
Okkupation des letzten Viertels vom Land der einheimsichen Palästinenser,
die ständige Entrechtung, die Enteignungen für Siedlungen und israelischen
Straßenbau, die rechtlosen Gefangennahmen in „Administrationshaft“ (die
Minister Fischer z.B. in China angeprangert hat), sowie die Folterungen
und systematischen „Liquidationen“ sind der Grund für die
palästinensischen Verzweiflungstaten. Dies zu verschleiern ist das große
Interesse der israelischen Politik und zu diesem Zweck stilisiert sich
Israel zum Opfer jenes internationalen Terrorismus, dessen Opfer z.B. die
USA am 11.9.2001 waren, der Staat Israel aber überhaupt nicht ist. Nach
allem, was Sie im genannten Interview sagen, haben Sie der israelischen
Intention leider voll entsprochen. Sachgerechte Differenzierung wäre
jedoch die Grundlage einer guten und menschlichen und verantwortlichen
Politik.
Die von
Ihnen – wahrscheinlich mit vielen Tagungsteilnehmern - in Augenschein
genommene Anschlag-Stelle in Beerscheba war, im Zusammenhang mit den
Kommentaren der Gastgeber, gewiss eine erschütternde Wahrnehmung. Aber
dass in den Vorwochen eine weit größere Anzahl von Palästinensern, auch
viele Frauen, Kinder und Alte, vom israelischen Militär ermordet und
verletzt wurden, darf man doch als der Wahrheit und Wirklichkeit und den
abendländischen Werten verpflichteter Mensch und Politiker nicht außer
Acht lassen. Im Zusammenhang mit der eigentlich erforderlichen kritischen
Klarsicht heben Sie das besondere Verhältnis Deutschland-Israel und die
bestehende Freundschaft und Solidarität hervor. Aber was wäre wirkliche
Freundschaft im Anblick von vom Freunde begangener Verbrechen? Doch nichts
anderes, als ihm die Wahrheit zu sagen und ihm möglichst in den Arm zu
fallen. Alles andere macht zutiefst mitschuldig an der Herbeiführung
unendlichen Leides, und der „Freund“, in diesem Fall der Staat Israel,
wird aufgrund seiner völkerrechtlichen und menschenrechtlichen Unmoral
zumindest in seiner gegenwärtigen Form selbstverschuldet untergehen.
Was die
„Mauer“ (den „Zaun“, „Schutzzaun“, die „Sperranlage“) angeht, so kann man
ja nicht bezweifeln, dass das an vielen Stellen eine 8 m hohe Mauer ist.
Als reiner Schutzzaun müsste sie auf der Grenze stehen und wäre dann nicht
weiter zu kritisieren. Sie steht aber – und wird gebaut – weitgehend und
tief innerhalb des palästinensischen Landes. Als Minister müssen Sie
darüber informiert sein. Sie wehren den Vergleich mit der Berliner bzw.
DDR – Mauer ab. Darin haben Sie Recht, denn sie ist viel schlimmer als die
Berliner Mauer. Sie raubt massiv fremdes Land, abermals einen hohen
Prozentsatz des den Palästinensern verbliebenen Landes. Dass in den
abgetrennten Teilen Palästinenser nicht weiter leben können und Juden aus
aller Welt Zuzug haben, - diese entsprechenden öffentlich zugänglichen
israelischen Militärverordnungen müssten Ihnen ebenfalls bekannt sein. Es
handelt sich nur zum geringem Teil um eine Grenz- und Schutzmauer. Es ist
vor allem eine Raubmauer. Erfordert aus Ihrer Sicht ‚Solidarität’ mit
Israel eine solche offenbare Blindheit? Und wie können Sie im gleichen
Interview ‚unsere Werte’ und ‚rechtsstaatliche Garantien’ verteidigen und
im Blick auf den Staat Israel, speziell auch nach den rechtlosen
Liquidationen (und den ‚Kollateraltoten’) befragt, genau dies systematisch
außer Kraft setzen?
Welche
Alternative der Staat Israel hat, liegt auf der Hand: Eine vom expansiven
Nationalismus und religiösen Fundamentalismus Abschied nehmende Achtung
von Menschenrechten und Völkerrecht, also eine radikale Kehrtwendung von
der bisherigen Politik. Ein Staat und eine Bevölkerung, in deren Namen in
größtem Maße Unrecht und Verbrechen verübt werden und totalitäre
Herrschaft ausgeübt wird, können niemals in Frieden leben, langfristig
erst recht nicht. So viel kann man zumindest aus der Geschichte lernen.
Wer Israel fördern will, muss für Entwicklung von völkerrechtlichem und
menschenrechtlichem Rechtsbewusstsein eintreten, wie das auch
verantwortliche und sensible jüdische Israelis tun.
Es ist höchst
bedauerlich, dass Ihr in Israel gegebenes Interview auch noch als Ausdruck
der politischen Ausrichtung der Bundesregierung und der SPD verstanden
werden muss. Unserer allgemein anerkannten, im Grundgesetz verankerten
Werteordnung entspricht das nicht.
Mit freundlichen Grüßen |
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Ellen Rohlfs
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Ruth Asfour
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Rainer Fielenbach
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W. Seibert
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