|
Sonderseite -
Deutsche
Bischöfe in Palästina/Israel >>>
Deutsche Bischöfe in
Palästina/Israel - 2007
An Seine Eminenz
Kardinal Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann
Bischöfliches Ordinariat
Bischofsplatz 2
55116 Mainz
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Lehmann,
mit Erschrecken nehmen wir die Verleumdung der
Deutschen Bischöfe durch den Zentralrat der Juden in Deutschland
zur Kenntnis.
Sie und Ihre Kollegen, ganz besonders Herr
Kamphaus, ehemaliger Bischof des Bistums Limburg, haben sich durch
eine so ausgewogene wie irgend mögliche Stellungnahme zum Skandal
um die vom israelischen Staat mit Füßen getretenen Menschen- und
Bürgerrechte der Palästinenser um Frieden und Menschenwürde verdient
gemacht.
Jede Verunglimpfung dieses deutlichen Rufes für
Gerechtigkeit ist ein Verrat gerade an jenen europäischen Juden, die
den Verbrechen, hervorgerufen durch Menschenverachtung, zum
Opfer fielen.
Diese Vergangenheit der Juden Europas ist
grausam. Sie kann nur durch unsere Buße und
Verpflichtung zum Vermeiden ähnlicher Verbrechen in der Zukunft
beantwortet werden. Gerade dies beabsichtigte, wenn wir es richtig
verstanden haben, Ihre und Ihrer bischöflichen Kollegen
Intervention.
Wie anders, als durch Vergleichen mit vergangenen
Verbrechen, können ähnliche Verbrechen, an Anderen, vermieden
werden? Vergleichen heißt schließlich nicht "gleichsetzen". Weiß
dies der Leiter der Gedenkstätte Yad Vashem nicht?
Ihnen ist dafür zu danken, auch von Juden, gerade
auch von deutschen Juden und allen anderen Menschen guten Willens in
Deutschland, die mit Dank und Ergebenheit Ihren Bericht über
das Leben in Palästina zur Kenntnis genommen haben.
Es ist schwer vorstellbar, wie eines Tages
Menschen in Israel mit der Hypothek des an den palästinensischen
Schwestern und Brüdern (welcher Religion oder Weltanschauung auch
immer) fertig werden.
Sie aber, sehr geehrte Eminenz, und Ihre werten
Kollegen werden nicht mit dem Vorwurf leben müssen, zu einem
himmelschreienden Unrecht geschwiegen zu haben.
Zu diesem Unrecht nicht zu schweigen ist nämlich
das verpflichtende Vermächtnis der Geschichte besonders an
alle Deutsche, Juden, Christen und alle Anderen Bürgern unseres
Landes. Gerechtigkeit und Liebe zu den Menschen sind unteilbar.
Bitte richten Sie Ihrem Augsburger Kollegen,
Herrn Bischof Hanke unser Bedauern über seine durch die Medien
bekannt gewordene Rücknahme, bzw. die Relativierung seiner vorher
gemachten Aussagen aus. Weder er, noch einer von Ihnen, steht in der
Pflicht, sich zu entschuldigen. Ganz im Gegenteil
Hochachtungsvoll
Evelyn Hecht-Galinski
- Tochter des Auschwitz-Überlebenden
und ehemaligen Vorsitzenden des
Zentralrats der Juden in Deutschland
- Mitglied der Deutschen Sektion der - European
Jews for Just Peace, EJJP
Ellen Rohlfs
- Gush Shalom
und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande
Günter Schenk
- Aktionsbündnis für einen gerechten Frieden in Palästina
- Deutscher Sprecher des „Collectif judeo-arabe et citoyen pour la
paix“ Strasbourg
Post scriptum: mit der Veröffentlichung unseres Schreibens sind wir
einverstanden.
Evelyn Hecht-Galinski, Ellen Rohlfs, Günter Schenk
Sonderseite -
Deutsche
Bischöfe in Palästina/Israel
>>> |