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Texte von Shraga Elam

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Oscar für Geschichtsfälschung
Von Shraga Elam 

 

Der österreichische Streifen «Die Fälscher» gewann den diesjährigen Oscar für ausländische Filme. Hollywood bleibt der Tradition treu: Shoa-Verkitschungen haben gute Erfolgschancen.

Der Holocaust-Bonus kann das dünne Drehbuch indes nicht wettmachen, da helfen auch  die guten schauspielerischen und fotografischen Leistungen nicht. In den Fussstapfen von Steven Spielbergs «Schindlers Liste» gesteht sich auch der Filmemacher Stefan Ruzowitzky viel künstlerische Freiheit mit einem historischen Stoff zu und versucht, noch wahrer als die Wahrheit zu sein.

Entstanden ist ein eher langweiliges klischeehaftes Werk. Dabei böte die Geschichte viel Brisanz, z.B. die Zusammenarbeit zwischen der SS und zionistischen, amerikanischen und schweizerischen Agenten. Diese heiklen Affären zu thematisieren hat der Regisseur aber tunlichst vermieden. In einer weiteren KZ-Saga, die keine wirklich neuen Erkenntnisse bringt, werden die Begebenheiten in einer Werkstatt im KZ Sachsenhausen geschildert, wo Geld und Papiere gefälscht wurden. Mit Sterling-Blüten wollten die Nazis zuerst die britische Wirtschaft ruinieren, danach wurden damit die Beschaffung von Rohstoffen sowie geheimdienstliche Tätigkeiten finanziert.

«Die Fälscher» lehnt sich zu stark an die Version des Überlebenden und Drehbuch Co-Autors Adolf Burger. Seine Rolle und die eines jüdischen Kriminellen werden stark glorifiziert, wogegen die anderen jüdischen Insassen quasi als Nazi-Kollaborateure hingestellt werden.

Diese Darstellung löst nicht nur beim ehemaligen Direktor der Gedenkstätte Sachsenhausen, Hans Biereigel, Empörung aus. Er findet überdies, dass der Film ungerecht mit dem SS-Kommandanten Bernhard Krüger umgehe, der als Bösewicht auftritt. Die Realität war banaler, denn Krüger sei eher ein typischer deutscher Polizeioffizier gewesen. In die gleiche Richtung geht auch die Kritik des Überlebenden Jack Plapler, der ironisch hinzusetzte, er habe wegen seines hohen Alters vergessen, dass sie auf weissen Leintüchern geschlafen hätten; solches habe er nun ja, zusammen mit anderen Neuigkeiten, durch den Film erfahren. Plapler erinnert sich nicht nur, dass sie – für KZ-Verhältnisse – von Krüger korrekt behandelt wurden, sondern auch, dass dieser – anders als dargestellt – bei Kriegsende die Häftlinge rettete, indem er den Befehl sie umzubringen, verweigerte.

Abgesehen von den vielen Ungenauigkeiten wurde auf die wirklich spannenden Aspekte dieser Geschichte verzichtet: So benutzte die SS jüdische Kollaborateure, um das Falschgeld zu waschen, darunter auch einen gewissen Jaac van Harten, der schon 1940 in der Schweiz als Gestapo-Agent aufgeflogen war. Van Harten nahm später an der Beraubung der ungarischen Juden Teil, und bei Kriegsende stellte er sich im Südtirol als vermeintlicher IKRK-Delegierter dar. Zusammen mit einem Schweizer Konsularagenten schützte er die SS-Zentrale des Blütenverteilungssystems.

Van Harten stellte solche Falsifikate dem zionistischen Untergrund zur Verfügung. Im Gegenzug wurde er auch von der späteren Premierministerin Golda Meir geschützt: Der  wichtige Nazi-Agent konnte bis zu seinem Tod in einem Nobelvorort Tel-Avivs residieren. Im Zentrum der israelischen Metropole verkaufte er Schmuck, der offenbar ungarischen Juden geraubt wurde.

Der Film vermeidet diese heiklen Angelegenheiten. Denn damit wäre bestimmt kein Oscar-Preis zu gewinnen gewesen.

 

Shraga Elam, Israelischer Journalist in Zürich und Autor des Buches «Hitlers Fälscher - Wie jüdische, amerikanische und Schweizer Agenten der SS beim Falschgeldwaschen halfen », Ueberreuter Verlag, Wien 2000. Zusammen mit dem Schweizer Filmemacher Andres Brütsch («Elisabeth Kopp - eine Winterreise») verfolgt er ein Dokufilmprojekt über Van Harten.

 

 

 

 

 

 

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