Die van
Harten-Affäre:
Ein
jüdischer Naziagent in Meran als Bindeglied zwischen SS-Männern und
zionistischen Geheimdiensten
Shraga Elam
Einleitung
Das
Schloss Labers bei Meran sowie die Stadt selbst waren am Ende des
Zweiten Weltkriegs Schauplatz geheimdienstlicher und obskurer
Tätigkeiten von internationaler Tragweite. Besondere Brisanz kommt
dabei der Zusammenarbeit zwischen SS-Leuten und zionistischen
Untergrundorganisationen zu – den Vorläuferorganisationen des
späteren israelischen Geheimdienstes Mossad. Die Geschichte gehörte
nicht zufällig jahrelang zu den wohl gehüteten Geheimnissen Israels.
Mehrere HistorikerInnen, die genügend Anhaltspunkte besaßen, um den
Zündstoff erkennen zu können, begnügten sich jedoch mit sehr knappen
und verschlüsselten Hinweisen auf diese Zusammenhänge.
Zentrale Figur der Affäre ist ein jüdischer Naziagent namens Jaques-Jules
Yaacov Levy,
alias Jaac van Harten, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Tel-Aviv
einen sicheren Unterschlupf fand und 1947 den Schutz von niemand
geringerem, als der späteren Premierministerin Golda Meir (Meyrson)
genoss. Der ehemalige Agent, Schalhewet Freier, der in Israel
am meisten über van Hartens Nazi-Vergangenheit wusste, war selber
erstaunt, „dass sein Name während des
Eichmann[i]- bzw. Kastner[ii]-Prozesses nicht auftauchte.“[iii] Denn van Harten war offensichtlich von zentraler Bedeutung für
die antijüdischen Maßnahmen in
Ungarn. Sein Name figurierte hingegen in
einem streng geheimen Bericht des US-Beamten Vincent La Vista und
weckte die Neugier mehrerer ForscherInnen außerhalb Israels. In
seinem Report wird auch auf die Verbindung einer SS-Einheit zu
zionistischen Organisationen hingewiesen:
„Auf der Brennerpassroute von Österreich
herkommend ist die erste Station an der Untergrundlinie [des
jüdischen Fluchtwegs] in Italien ein Schloss in Meran, dessen
Direktoren deutsch sprechen. Es heisst offenbar ‚SCHLOSS RAMETZ‘ und
gehört CRASTAN ALBERT, einem Juden, der sich als Schweizer Konsul
und Mitglied des Internationalen Roten Kreuz Komitees [IKRK]
ausgibt. Während des Krieges war er Agent einer SS-task-force,
‚SCHLOSS LABERS‘ oder auch ‚WENDIG-GRUPPE‘ genannt, welche Oberst
Friedrich SCHWENDT unterstand, der nur gegenüber KALTENBRUNNER und
HIMMLER Verantwortung zu tragen hatte.[...] Ein gewisser VAN HARTEN,
JAAC, im Moment in der Hayarkon-Straße 184 in Tel-Aviv/Palästina
wohnhaft, verlangt von der Amerikanischen Regierung fünf Million[en]
Dollar, welche Beute der SS-Gruppe war, die im SCHLOSS RAMETZ und
SCHLOSS LABERS – dem Hauptquartier SCHWENDTS – und anderen Gebäuden
in Meran lagerte. Bestandteil dieser Beute ist eine große Anzahl
gefälschter britischer Pfundnoten. [...] Die genaueren
Beziehungen zwischen dem Rest von ‚SCHLOSS LABERS‘ und dem jüdischen
Untergrund sind im Moment nicht bekannt, aber eine Verbindung
scheint zu bestehen.“[iv]
Unternehmen Bernhard
Ohne es zu
merken und trotz mehrerer Ungenauigkeiten, stießen La Vista und
seine Agenten in Meran auf das Hauptquartier des weltweiten
Vertriebs der von der SS gefälschten britischen Pfundnoten. Die
Blüten wurden im Rahmen des „Unternehmens Bernhard“ im KZ
Sachsenhausen hergestellt und sollten ursprünglich als „Wunderwaffe“
über Großbritannien aus der Luft abgeworfen werden, um die dortige
Wirtschaft zu ruinieren. Nach der missglückten Invasion Englands
hatte man für die Falsifikate andere Verwendung:
Nun wurden damit die für das Dritte Reich
notwendigen Devisen, Rohstoffe und Waren beschafft und geheime
Operationen wie die Befreiung Benito Mussolinis oder die
Verhandlungen mit feindlichen Geheimdiensten finanziert. Mit diesem
letzten Schritt wollten sich SS-ler eine Art Lebensversicherung für
die Nachkriegszeit verschaffen. Die Blüten
schmierten die Zusammenarbeit der vermeintlichen Todfeinde.
Die
SS lancierte 1939 das „Unternehmen
Bernhard“ das sich viel aufwendiger
gestaltete als erwartet; so konnten die Falsifikate erst ab 1942
eingesetzt werden. Die
Produktionswerkstatt wurde bald von Berlin ins nahegelegene KZ
Sachsenhausen verlegt. Dort wurden von jüdischen Häftlingen unter
strenger Geheimhaltung Falsifikate in einem geschätzten Gesamtwert
von 134,6 Millionen Pfund Sterling hergestellt. Dies war für die
damalige Zeit eine unglaubliche Summe. Der Gesamtprofit des
„Unternehmens Bernhard“ für das Dritte Reich soll ungefähr 50 Mio.
Pfund betragen haben.[v]
1942 wurde ein großer Apparat aufgebaut,
um das Falschgeld zu waschen. Als Chef dieser Operation wurde der
gerissene schwäbische Geschäftsmann Friedrich Schwend ernannt.
Der Abenteurer Schwend war wegen seiner
internationalen Beziehungen die ideale Besetzung. Er konnte eine
kuriose Mischung von Gaunern und respektablen Personen wie Bankiers,
Politiker und katholische Priester als Blüten-Verkäufer rekrutieren.
Dazu zählten auch mehrere Juden wie Jaac van Harten. Laut dem
deutschen Journalisten Wolfgang Löhde handelten auch deutsche Adlige
aus Kreisen der „20.-Juli-Verschwörer“ mit den
„Bernhard“-Pfundnoten. Schwends Agenten
erstanden mit den Blüten in ganz Europa Waren aller Art, darunter
Schwarzmarktgüter und Waffen, die dann wieder verkauft wurden – und
zwar diesmal gegen echte Devisen.
Da er im
istrianischen Kurort Abbazzia wohnte, mobilisierte er dort vier
vertraute Chefagenten: die Gebrüder Rudolf und Oskar Blaschke und
die Schweizer Alfred und Franz Manser. Er gründete in Triest die
Firma „Saxonia“, die allein in Italien 60 Agenten besaß.
Zum Sitz der Zentrale erkor Schwend 1943 das
Schloss Labers. Viele seiner Topagenten wohnten im Sanatorium
Stephanie oder Hotel Palace im benachbarten Meran. Der
verantwortliche SS-Nachrichtenoffizier, Wilhelm Höttl, stellte eine
Wachmannschaft zur Verfügung und kreierte dafür eine spezielle
Dienststelle mit dem Namen „Sonderstab-Generalkommando III.
Germanisches Dienstkorps“. Schwend wurde als Einkäufer des Korps
deklariert, erhielt den Grad eines SS-Sturmbannführers und den
Decknamen Dr. Fritz Wendig. Auf diesen Namen besaß er eine ganze
Palette echter Personaldokumente diverser Nationen, sowie Ausweise
von Partisanen, mit denen er ebenfalls handelte.[vi] Jaac van
Harten, der sich als IKRK-Delegierter ausgab, versuchte der „Gruppe
Wendig“ bei Kriegsende Schutz zu gewähren. Er verteilte den Agenten
gefälschte IKRK-Mitarbeiter-Ausweise, versah ihre Autos mit der
Flagge dieser Organisation und sicherte Warenlager voller Beutegut
mit IKRK-Plaketten. Durch die Beziehung van Hartens mit jüdischen
Agenten sollte er der SS-Task-Force zusätzliche Sicherheit
verschaffen. Der wendige Schwend fand unmittelbar nach Kriegsende
eine Anstellung beim US-Geheimdienst „Counter Intelligence Corps“
(CIC). Zuvor versteckte er in der ganzen Region Beutegut wie Gold
und andere wertvolle Gegenstände, was selbstverständlich zur Bildung
von Mythen beitrug. 1946 setzte er sich mit einem IKRK-Reisepapier
nach Peru ab, wo er später zusammen mit bekannten Naziverbrechern
wie Klaus Barbie und Josef Mengele zusammenarbeitete. Gewisse
Forscher bezeichneten ihn als designierten Finanzminister des
geplanten „Vierten Reichs“.
Zionistische Kollaboration mit den Nazis[vii]
Es ist sehr
schwierig, einen sachlichen Umgang mit dem Phänomen der jüdischen
Kollaboration mit den Nazis zu pflegen. Einerseits wird das Thema
gierig und verschwörerisch aufgenommen, um damit den Beweis zu
erbringen, dass „die Juden an ihrem Schicksal selber schuld“ seien.
Andererseits wird aus der gleichen Überlegung von vordergründig
pro-jüdischen Kreisen das Vorhandensein dieser verwerflichen
Zusammenarbeit verharmlost oder negiert. Die Kollaborationsleugner
teilen eigentlich die gleiche einfältige Schlussfolgerung aus diesem
Tatbestand und befürchten deshalb eine Stärkung der offenen
Judenhasser. Diejenigen, die dieses Tabu aufrechterhalten, übersehen
aber, dass die Kollaboration ein klarer Ausdruck von Unterdrückung
ist. Denn Kollaboration ist in diesem Zusammenhang die Bezeichnung
für bestimmte Verhältnisse zwischen Unterdrückten und ihren
Peinigern. Repressionen sind die logische Voraussetzung für diese
Art der Kollaboration, und die Kollaborateure sind nicht
verantwortlich für die Entstehung der Unterdrückung, obwohl sie
bestimmt zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen. Die Mitverantwortung
von Quislingen für allfällige Verbrechen entlastet keinesfalls die
Haupttäter!
Die
Vergangenheitsaufarbeitung ist noch tabuisierter, wenn es sich nicht
um Kollaboration von Privatpersonen handelt, sondern um die
Zusammenarbeit von jüdischen Organisationen mit den Nazis. Die
Tendenz, solche Erscheinungen auf das gesamte Judentum zu
projizieren – als ob die Führungen solcher Organisationen die
Interessen aller Juden wirklich vertreten hätten oder vertraten, ist
unübersehbar. Anderseits versuchen die betreffenden Organisationen
diese Kritik zu unterdrücken und die Aufarbeitung dieser
problematischen Vergangenheit zu verhindern. Diese Zensur ist
bislang weitgehend wirksam gewesen. Nur: Gerade diese übermäßig
erfolgreiche Tabuisierungspolitik liefert Nährstoff für die
wildesten Spekulationen und Verschwörungstheorien.
Bei der
internen jüdischen Diskussion zu diesem Themenbereich zeigen sich
zwei Hauptströmungen: Auf der einen Seite stehen die mächtigen
Verteidiger der Main-Stream-Organisationen, wie der World Jewish
Congress (WJC) und die Jewish Agency (JA). Auf der Gegenseite gibt
es eine außergewöhnliche Koalition von antizionistischen
ultraorthodoxen und säkularen Juden sowie rechtsradikalen Zionisten,
welche die JA-Führung – die vorstaatliche israelische Regierung –
der Kollaboration mit den Nazis bezichtigt. Die Vorwürfe stellen
eigentlich eine Grundsatzkritik am Nationalismus dar. Denn anhand
dieses Beispiels zeigt es sich, dass die sogenannte nationale
Befreiung gar nicht im Interesse des 'Volkes' ist, sondern lediglich
einer bestimmten Gruppe Vorteile bringt. Die Errichtung eines
Judenstaates – wie in diesem Fall – hatte hohe Priorität und die die
JA-Führung scheute sich nicht vor der Zusammenarbeit mit den Nazis.
Das Image
Israels als Zufluchtsort für verfolgte Juden entpuppt sich als
Mythos, und mehrere Beweise legen die Schlussfolgerung nahe:
Hätte es den Zionismus nicht gegeben, so wären die Rettungschancen
für sehr viele Juden während der NS-Zeit bedeutend größer gewesen.
So berichtete der rechtsstehende (!) israelische Forscher S.B.
Beit-Tzvi[viii], es sei
dem JA-Direktorium ab 1938, infolge der zunehmenden britischen
Einwanderungsbechränkung, klar gewesen, dass Palästina als
Zufluchtsort für die meisten der gefährdeten Juden gar nicht in
Frage komme. Alternative Auswanderungsorte seien jedoch als
Bedrohung für das zionistische Vorhaben betrachtet worden. Sie
hätten zu einem Abfluss von Geldern geführt und die
politisch-moralische Rechtfertigung für einen Judenstaat in
Palästina drastisch geschwächt. Deshalb sei es Aufgabe der
zionistischen Delegation, unter Beteiligung von Golda Meir, gewesen,
die Rettungsansätze an der Evian-Flüchtlingskonferenz von 1938 zu
verhindern. Gestützt auf Dokumente stellt Beit-Tzvi – gegen die
gängige Meinung – die Theorie in den Raum, es wäre damals ohne diese
Sabotage möglich gewesen, eigentlich für alle bedrohte Juden
Unterschlupf zu finden. Der Kollaborationsvorwurf bezieht sich
beispielsweise auf das sogenannte Transfer-Abkommen der 30er Jahre,
welches deutschen Juden, die nach Palästina auswanderten, die
Mitnahme eines gewissen Teils ihres Vermögens in Form deutscher
Waren ermöglichte. Im Rahmen dieses Transferdeals konnten die
jüdischen Flüchtlinge aber nur einen Bruchteil ihrer Besitztümer
retten. Sie wurden nicht nur von den Nazis beraubt, sondern auch
noch von der Jewish Agency ausgenommen, die für die Abwicklung der
Transaktionen fette Kommissionen einkassierte. Das zionistische
Interesse an dieser Abmachung galt primär der bitter nötigen
Finanzspritze für den Aufbau des nationalen Projekts in Palästina.
Durch dieses Geschäft mit den Nazis sprengte die JA-Führung die
effektiven Boykottbemühungen gegenüber Deutschland und wurde zur
Hauptimporteurin von Naziprodukten für den ganzen Nahen Osten.[ix] Die
Verhandlungen, die zum Transfer-Abkommen führten, können auch als
Geburtsstunde der sogenannten 'Holocaust Industrie' betrachtet
werden. Damals wurden die Prinzipien und Überlegungen entwickelt,
welche die spätere jüdische Reparations- und Restitutionskampagne
prägen sollten. Diese Entwicklung erfolgte nicht zuletzt wegen der
Teilnahme einiger Hauptakteure des Transfergeschäfts an den späteren
Entschädigungsverfahren.
In den
späten 30er Jahren entstand eine enge Zusammenarbeit jüdischer
Funktionäre mit dem SS-Vertreter Adolf Eichmann, der 1938 Palästina
bereist hatte und sich vom zionistischen Projekt begeistern ließ. In
seiner Auswanderungszentrale in Wien gingen 1938 die zionistischen
Delegierten ein und aus, genossen ein Vertrauensverhältnis[x] und waren
bei der Deportation und Vertreibung der österreichischen Juden
behilflich. Denn es gab überraschenderweise anfangs gemeinsame
Interessen zwischen den Nazis und dem zionistischen Bestreben – wenn
natürlich auch aus ganz anderen Motiven. Beide, die SS wie die
JA-Funktionäre, wollten die Juden außerhalb des Dritten Reichs haben
und konnten sich zu dieser Zeit auf Palästina als Destination
einigen. Die beschränkte Aufnahmekapazität Palästinas, bedingt durch
die arabischen Proteste, die britischen
Einwanderungseinschränkungen, die Schwäche der ökonomischen und
sozialen Infrastruktur wirkten hemmend auf diese Zusammenarbeit.
Trotzdem konnten während der ganzen Kriegszeit zionistische
Delegierte mit der Erlaubnis der Behörden in Deutschland operieren.[xi]
Unter ganz anderen Umständen strebte 1944 die
SS-Führung wieder die Zusammenarbeit mit der Jewish Agency in
größerem Stil an. Der SS-Chef Heinrich Himmler wusste, dass sich für
Deutschland eine Niederlage anbahnte und versuchte deshalb zu
retten, was noch zu retten war. Er bot der JA einen Deal an: Sie,
als Teil des angeblichen herrschenden 'Weltjudentums' sollten ihm
die Sonderfriedensverhandlungen mit den westlichen Alliierten
vorantreiben helfen und dafür könne die JA, eine Million ungarische
Juden freikaufen. Ginge diese auf das Angebot nicht ein, so würden
die Juden nach Auschwitz deportiert. Himmlers Judenexperte, Adolf
Eichmann, nahm dann im April 1944 Kontakt mit einem zionistischen
Rettungskomitee in Ungarn auf und präsentierte ihnen das
erpresserische Angebot Himmlers. Der Komiteechef, Joël Brand, flog
darauf in die Türkei, um die Botschaft der JA-Führung mitzuteilen.
Brand wurde jedoch an die Briten ausgeliefert, die ihn verhafteten
und seine Rückkehr nach Ungarn verhinderten. Damit wurde der Versuch
gemacht, mögliche Rettungsmöglichkeit zu sabotieren. Die britische
Regierung befürchtete nämlich, dass sie eine solche jüdische
Massenauswanderung unter Druck setzen würde, ihre
Immigrationspolitik in Palästina zu ändern, so dass eine sehr große
Anzahl Juden hätte zugelassen werden müssen. Dem JA-Direktorium war
die britische Haltung bekannt und es sah keine große Chance, diese
zu verändern. Wie schon 1938 bei der Evian-Konferenz war diese
Führung auch 1944 – als die Judenvernichtungden Höhepunkt erreichte
– gegen einen alternativen Zufluchtsort für bedrohte Juden. Beide,
die britische Regierung und die JA-Leitung, wussten auch, dass die
Russen solchen Verhandlungen sehr misstrauisch gegenüber standen,
denn diese befürchteten die Bildung einer neuen Allianz von Nazis
und westlichen Alliierten gegen sie. Abgesehen davon war die
Judenvernichtung absolut im militärischen Interesse der UdSSR. Denn
die Züge, die täglich 10 bis 12,000 Juden von Ungarn nach Auschwitz
transportierten, belasteten das schon überforderte deutsche
Bahnsystem.
Roosevelts
Administration und vor allem das Außenministerium waren ebenfalls
gegen solche Verhandlungen,[xii] die den
Krieg auch hätten verkürzen können. Denn die USA war im Stande –
dank des Zweiten Weltkrieges – die Wirtschaftskrise der 30er Jahre
zu überwinden. Eine vorzeitige Rückkehr der vielen GIs hätte den
erholten US-Arbeitsmarkt wieder destabilisieren können.[xiii] Deshalb
wurden solche große Freikauf-Aktionen wie in Ungarn vom
US-Außenministerium sabotiert, und zwar mit der zynischen Ausrede,
dass solche quasi einen Verstoß gegen die Bestimmungen darstellten,
welche den Handel mit dem Feind verböten. Dass zur gleichen Zeit
dieselben US-Beamten Großunternehmen wie Standard Oil bei ihren
Öl-Lieferungen nach NS-Deutschland unterstützten, stieß
offensichtlich nicht gegen diese Bestimmungen.[xiv] In
Ungarn begann Eichmann inzwischen, Juden nach Auschwitz zu
deportieren. Gemäß Zeugenaussagen soll er vom zionistischen
Rettungskomitee unterstützt worden sein, welches nach der Abreise
Brands von Rudolf Kastner geleitet wurde. Zeugen beschrieben im
israelischen Gericht, wie Kastner für eine reibungslose Deportation
nach Auschwitz sorgte. Dies sollte nach dem Muster der Judenräte
geschehen, welche allfälligen Widerstand der Deportierten
neutralisierten und sie zu einem ruhigen und ordentlichen Einstieg
in die Todeszüge bewegten.
Ein
Augenzeuge, der Auschwitz überlebt hatte, erzählte, wie Abgesandte
Kastners ins etwa drei Kilometer von der rumänischen Grenze gelegene
Cluj (Klausenburg) gekommen seien, um bei den 20.000 jüdischen
Einwohnern mit Postkarten von nach Auschwitz deportierten Juden, die
von paradiesischen Zuständen berichteten, Propaganda zu machen. Sie
empfahlen den dortigen Juden, die sich damals ohne weiteres über die
Grenze in Sicherheit hätten retten können, so schnell wie möglich
die wartenden Züge zu besteigen –
wer zuerst komme, mahle zuerst, soll es geheißen
haben. Kastners Kritiker begründen seine
Zusammenarbeit mit Eichmann mit einer Palette von Argumenten, die
sich von Korruption bis hin zur Absicht bewegen, auch die
ungarischen Juden zu opfern, um die politischen Ansprüche auf einen
unabhängigen Staat zu stärken. Kastners seinerseits behauptete, dass
er lediglich die Verhandlungen mit den Nazis weitergeführt und dabei
sein eigenes Leben riskiert habe, um Juden zu retten. Er, als
relativ unbekannter Funktionär, sei sowieso nicht im Stande gewesen,
großen Einfluss auf die Juden auszuüben, um damit die Deportationen
direkt zu beeinflussen. Die verschiedenen Versionen sind bis heute
unklar. Es ist durchaus möglich, dass Kastner – aus dem Glauben,
eine große Anzahl Juden retten zu können – bereit gewesen oder
gezwungen worden sein könnte, einen Teil von ihnen zu opfern. Dass
die Rechnung nicht aufging, kann man ihm nicht vorwerfen, denn es
scheint, dass er alles unternommen hatte, damit die
Rettungsverhandlungen erfolgreich abgeschlossen würden. Für das
Scheitern der Gespräche sind die Alliierten und jüdische
Organisationen wie die JA oder das US-amerikanische Hilfswerk
„Joint“ verantwortlich, denn sie ließen Kastner und die ungarischen
Juden im Stich und sabotierten die reellen Rettungschancen. Immerhin
konnte Kastner und sein Komitee 1684
Juden freikaufen. Mangels Unterstützung
von Außen bezahlten die ungarischen Juden das Lösegeld selbst.
Bezahlt wurde mit Wertgegenständen und Fremdwährung an Kurt Becher,
Himmlers Delegierten für den Raub in Ungarn, der Eichmann bei den
Verhandlungen ablöste. Einiges deutet darauf hin, dass diese
Wertobjekte von Bechers Kunst- und Juwelenexperten geschätzt wurden.
Dieser Spezialist soll Jaac van Harten gewesen sein! Um sich jetzt
selber freizukaufen, übergab Becher bei Kriegsende das Lösegeld,
welches dann den Namen „Becherschatz“ bekam, der Jewish Agency. Dies
reichte aber nicht ganz, um Becher zu retten, der ein wichtiger
Bestandteil der Nazi-Vernichtungsmaschinerie war. „Eichmann mordete
und Becher kassierte“, schrieb der Schweizer Journalist Kurt
Emmenegger in seiner ausgezeichneten Serie über diesen Raubexperten.[xv] Erst die
Zeugenaussage Kastners 1948 in Nürnberg sorgte für die
Entnazifizierung Bechers sowie anderer NS-Verbrecher. Becher befahl
im Gegenzug seinem Schweizer Vertrauensmann noch mehr Gelder an die
Jewish Agency in Genf zu überweisen.[xvi] Damit
manifestiert sich eine Linie der damaligen israelischen Führung: Die
Verfolgung von Naziverbrechern diente offensichtlich mehrheitlich
propagandistischen Zwecken. Konnten die Kriegsverbrecher genug
bezahlen, so war es ihnen möglich, sich die Absolution zu erkaufen.
Jaac van Harten
Über Jaac
van Harten schreibt der SD-Geheimdienstoffizier Wilhelm Höttl:
„Erfolgreichster Chefverkäufer –
nach den Abrechnungen Schwends
– war der
holländisch-deutsche Jude Louis van Harten...“[xvii]
Wer war
dieser Jaac van Harten?
Am 11. Juli
1940 verhörte die Schweizer Polizei in Lausanne ein jüdisches Paar
aus Deutschland, das in der Villa La Roseraie in Territet bei
Montreux wohnte. Der Mann und die Frau besaßen gefälschte
holländische Pässe, die auf den Namen van Harten ausgestellt waren.
Sie waren –
gemäß einem Denunziationsbrief –
deutsche Agenten. Der echte Jaac van Harten sei
ein holländischer Chauffeur, dessen Identität 'geliehen' worden sei.[xviii]
Im Verhör
gab „Jaac van Harten“ sofort zu, dass er eigentlich Jacques-Jules
Levy heisse und bestritt vehement, ein Spion zu sein.[xix] Er
erzählte, er sei 1901 in Gleiwitz/Schlesien geboren und in Breslau
aufgewachsen, wo er die elterliche Bijouterie übernommen habe. 1935
sei er nach Berlin übersiedelt. Dort habe er seine Lebenspartnerin,
die schöne Bildhauerin Viola Boehm, Tochter der bekannten jüdischen
Großunternehmer-Familie Schocken, kennengelernt. 1938, so Levy, soll
die Gestapo ihn zum Verlassen Deutschlands aufgefordert haben. Da er
als Jude seine Staatsangehörigkeit verloren habe, habe er den
besagten holländischen Pass von der Gestapo gekauft. Am 3. September
1938 sei er mit Viola Boehm und deren zehnjährigen Sohn Michael in
die Schweiz eingereist. Die Familie behielt von nun an den Namen van
Harten.
Im zweiten Verhör verstrickte sich van Harten in
gravierende Widersprüche. Er behauptete auf einmal, die
holländischen Pässe würden nicht von der Gestapo stammen. Nachdem
ihm der Pass abgenommen worden sei, habe er sich in Verbindung mit
einem befreundeten holländischen Bijoutier namens Kurt Stavenhagen
gesetzt und ihn um Hilfe gebeten. Stavenhagen habe ihm dann kurz
darauf die Pässe geschickt. Weshalb van Harten zwei Versionen zum
besten gab, ist nicht ersichtlich: Warum sollte die Schweizer
Polizei die Gestapo als Passfälscherin eher akzeptieren, als einen
holländischen Bijoutier? Oder merkte van Harten selber, dass die
erste Fassung ihn zu stark in die Nähe der Gestapo rückte? Er wies
bei der Polizei ein Vermögen von 30 000 Schweizer Franken aus. Auch
diese Angabe ist aber nicht richtig, denn wie Stiefsohn Michael dies
mit einem Bankauszug belegt, besaß sein Ziehvater damals ein viel
größeres Vermögen bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich.
Van Harten junior erklärt vehement: „Mein Vater war so reich. Er
hatte es nicht nötig, ein Naziagent zu sein.“[xx] Im Herbst
1940 reiste die Familie aus und ließ sich in Budapest nieder. In
einem Interview behauptete van Harten, er sei auf Anweisung von Dr.
Chaim Pozner vom Palästina-Amt[xxi] in Genf
nach Budapest geschickt worden, um dort eine Spezialaufgabe zu
erfüllen.[xxii] Pozner
jedoch schrieb: „Im Sommer 1940 hat er [...] ein Zertifikat zur
Einwanderung in Palästina erhalten und kurz darauf die Schweiz
verlassen. Im Herbst 1944 hörte ich zum ersten Mal wieder von ihm
[...]“.[xxiii]
Michael van Harten widerlegt die Version seines Vaters ebenfalls und
erzählt, dass sie unterwegs nach Palästina gewesen und nur zufällig
in Budapest stecken geblieben seien.[xxiv] Sogar
Jaac van Harten entschuldigt sich 1945 brieflich bei Pozner, dass er
und seine Familie Palästina nicht erreicht hätten.[xxv] In einem
1944 erstellten amerikanischen Register deutscher Spione ist auch
Jaac van Harten, alias Julian Levy, aufgeführt: Bis 1940 sei er der
Abwehrstelle Stuttgart unterstellt gewesen (Diese war für die
Spionage in der Schweiz zuständig). Die Liste führt ihn im April
1944 als einen der wichtigsten deutschen Abwehragenten in Budapest
auf.[xxvi] Auch
Schwend bestätigte diese Information und sagte: „Van Harten war ein
Agent der Wehrmacht und der SS in Ungarn.“[xxvii]
Van Harten in Ungarn
Über van
Hartens Tätigkeit in Budapest gibt es nur spärliche und zum Teil
widersprüchliche Informationen. Selber behauptete er, im Dienst des
Schwedischen Roten Kreuzes (SRK) bzw. des IKRK gestanden und dabei
sehr viele Juden gerettet zu haben. Für van Hartens Version spricht
ein Brief des zionistischen Rettungskoordinators, Nathan Schwalb,
der während des Krieges in Genf stationiert war:
„Herr van Harten ist mir aus den
Briefen von Perez [Reves] sehr gut bekannt als ein sehr ergebener
Vertreter des Schwed.[ischen] R[oten] K[reuzes] in Budapest, und der
sehr viel für die Rettung der jüd.[ischen] Kinder durch Eröffnung
von RK-Heimen für jüd. Kinder getan hat.“[xxviii]
Perez
Reves, zentrales Mitglied des jüdischen Rettungskomitees in
Budapest, behauptet hingegen: „Ich traf van Harten im Dezember 1944,
und er erzählte mir, dass er der Finanzmanager des SS-Manns Kurt
Becher sei.“[xxix] Von
einer Mitarbeit van Hartens beim SRK will Reves gar nichts wissen,
er meint ganz im Gegenteil, dass die Ehefrau des SRK-Chefs,
Nina Langlet, van Harten völlig misstraute. Reves erhielt
von van Harten 10.000 britische Pfund und 600.000 ungarische Pengös
für jüdische Kinderheime. Diese Beträge sollten nach dem Krieg
zurückbezahlt werden.
Wie der berühmte Shoa-Forscher Randolph Braham
herausfand, erzählte Reves Ende der 80er Jahre eine ganz andere
Variante über seine Kontakte mit van Harten: Darin erwähnte er
nichts über van Hartens jüdische Identität, sondern beschrieb ihn
als holländischen Baron im Dienste der Nazis, der Kontakte zu einer
einflussreichen jüdischen Persönlichkeit gesucht habe.[xxx] Dafür verschwieg Reves in der
jüngeren Version, dass er zusammen mit seinem Bruder Pufi und einem
anderen Rettungsaktivist bei van Harten war, um mit zwei Zeugen das
oben erwähnte Darlehen zu quittieren. Das Vermögen sei, berichtet
Reves in seiner älteren Fassung, nicht für Kinderheime verwendet,
sondern an den SS-Mann Kurt Becher als Lösegeld gezahlt worden sein,
um das Budapester Ghetto zu schützen. Nach dem Krieg fanden die
Rettungsaktivisten –
zu ihrer großen Belustigung –
heraus, dass diese
Pfundnoten gefälscht waren.[xxxi] Und in der Tat fanden
JA-Delegierten nach dem Krieg im „Becherschatz“ auch gefälschte
Pfundnoten.
Reves begründet seine Verschwiegenheit über den jüdischen
Naziagenten van Harten so: „Ich tat dies
aus Rücksicht auf van Hartens Kinder.“[xxxii] Diese Argumentation vermag nicht
ganz zu überzeugen und könnte bestenfalls für 1974 gelten. Damals,
kurz nach van Hartens Tod 1973, erschien über diesen eine
verherrlichende zweiteilige Serie in der israelischen Zeitung
Ha'aretz. Reves wusste aber schon ab Ende der 40er Jahre, dass van
Harten in Israel wohnte. Der Naziagent fühlte sich damals so sicher,
dass er das Budapester Darlehen von der JA bzw. vom Hilfswerk
„Joint“ zurückverlangte. Dafür brauchte er erneut eine Bestätigung
und nahm deshalb Kontakt mit Pufi auf. Reves behauptet, sie hätten
mit van Harten nichts zu tun haben wollen und dessen Bitte
abgelehnt, weil die Pfundnoten gefälscht seien.
Reves' Rücksicht auf van Hartens Kinder mutet seltsam an.
Er wusste doch einiges über van Hartens Rolle als Bechers[xxxiii] Helfer und zeigte ihn trotzdem
nicht an. Die Geschichte nahm ganz skurrile Dimensionen an, als van
Harten 1953 ausgerechnet von Schwend, der damals in Peru lebte und
zusammen mit Klaus Barbie und anderen Nazis verkehrte, eine
Bestätigung für das Budapester Darlehen verlangte. Aus dem damaligen
Briefverkehr geht hervor, dass van Harten auf Veranlassung Schwends
die jüdische Rettungsaktion unterstützt hatte. „Kannst Du mir aus
dem Gedächtnis eine Aufstellung davon geben, welche Leistungen van
Hartens für dessen Bestrebungen im Rahmen des Joints von Dir
finanziert wurden?“
[xxxiv], wurde Schwend von seinem
Vertrauten Georg Gyssling gefragt. Für Schwend, der sich bei
Kriegsende in alle Richtungen abzusichern suchte, wäre es nicht
abwegig gewesen, Kontakte zu einflussreichen Juden zu knüpfen, um
sich ein Alibi als Gutmensch zu verschaffen. Dieses geschickte
Manöver hätte zugleich ein raffinierter Schachzug werden können, um
die Pfundblüten zu waschen. Denn nach dem Krieg sollten die
betreffenden jüdischen Funktionäre nicht nur Persilscheine für
Schwend und van Harten besorgen, sondern auch mit echtem Geld die
Schulden begleichen. Van Harten
behauptete, dass er, um Juden zu retten, in Budapest spezielle
Werkstätten errichtet habe, in denen jüdische Fachkräfte wie
Schuster, Schneider etc. für die Wehrmacht Waren hergestellt haben
und dadurch vor der Deportation nach Auschwitz gerettet worden
seien. Er erzählte weiter, wie er 60 Mitglieder der
Manfred-Weiss-Familie in die Schweiz geschickt habe, nachdem er ihr
Großunternehmen übernommen habe.Da van Hartens Aussagen mit viel
Skepsis betrachtet werden müssen, ist es schwierig zu beurteilen, ob
er tatsächlich in diese zwei wichtigen Aktionen verwickelt war.
Was van
Harten hier als Judenrettung beschrieb, wurde vom Kurt Emmenegger
als zentraler Bestandteil des deutschen Raubzugs in Ungarn
bezeichnet. Becher und sein Stab
wandten raffinierte Methoden an, so Emmenegger, um an jüdische
Vermögen zu gelangen: z.B. durch die SS-Werkstätten und die
SS-Schutzjuden.
In
diesen Werkstätten wurden Fachleute unter Zwang eingezogen. Diese
kosteten die Deutschen nichts, denn sie wurden vom Judenrat bezahlt.
Im Vergleich zu den Deportierten und anderen Juden waren sie jedoch
weitgehend geschützt. Noch lohnender war das Geschäft mit den
„freiwilligen“ Schutzjuden. Manchmal übergaben die Juden ihre
Warenvorräte und manchmal wurden auch deren Maschinen und Arbeiter
der SS zur Verfügung gestellt. Dafür erhielten sie die rettenden
Schutzpässe. Wer keine Waren besaß, konnte sich das Leben mit einer
großen Summe Geld erkaufen. Dies war das planmässige Vorgehen, der
bestens aufeinander abgestimmten SS-Abteilungen.[xxxv] Ein zusätzlicher Vorteil für die Deutschen manifestierte
sich nach dem Krieg. In den Entnazifizierungsverfahren beriefen sich
viele SS-Männer auf diese Werkstätten, bzw. auf die Erteilung der
Schutzpässe als Zeichen ihrer „menschenrettenden Großmütigkeit“.
Dieser Mechanismus ist mittlerweile durch den Film „Schindlers
Liste“ weltweit bekannt. Denn Oskar Schindlers Betrieb in Polen
funktionierte genau nach dem gleichen Muster wie in Ungarn. War es
reiner Zufall, dass Schindler –
genau wie Becher
– bei Kriegsende
in seinen Mercedes einstieg, um mit einigen Schutzjuden und einem
Schatz den deutschen Zusammenbruch ungeschoren zu überleben?
Die „Rettung“ der Familie Manfred Weiss war
nichts anders als eine Erpressung riesiger Dimensionen. Becher, der
aus unbekannter Quelle ausführliche Details über die komplizierten
Verschachtelungen des größten Unternehmens in Ungarn, des
Manfred-Weiss-Konzerns, besaß, war imstande, einen Plan für die
komplette „Übernahme“ zu entwerfen. Darauf steckte er zwei führende
Köpfe der Familie in ein Arbeitslager, bis diese auf seine Forderung
eingingen und den Konzern der SS übergaben. Als Gegenleistung
durften 39 Familienmitglieder nach Lissabon und Zürich ausreisen.
Fünf Geiseln mussten jedoch in Wien zurückbleiben, damit die
Geretteten „im neutralen Ausland keine Greuelmärchen verbreiten.“[xxxvi]
Wenn van
Harten also nicht einfach prahlte und tatsächlich an diesen Aktionen
teilgenommen hatte, ist er eher als Erpresser, denn als Retter zu
bezeichnen. Van Harten zieht mit seiner Aussage den Verdacht auf
sich, dass er es war, der Becher die notwendige Information für die
bedeutendste deutsche Raubaktion – die „Übernahme“ des
Manfred-Weiss-Konzerns – geliefert haben soll. Schließlich musste er
den Ruf als wichtiger deutscher Spionageagent in Ungarn verdient
haben. Seine Schwiegertochter Aviva ist jedoch fest davon überzeugt,
dass er kein Naziagent, sondern ein großer Held wie Oskar Schindler
war, der auch viele Juden gerettet habe. Als Beweis dafür zeigt sie
einen Dankesbrief eines Überlebenden.
Reves schließt aber
aus, dass van Harten, wie dieser behauptete, das Leben hunderter
Juden in Budapest gerettet habe. „Dies
hätte ich bestimmt gewusst,“ sagt der Rettungsaktivist. Eine
interessante Aussage machte Alois Menick, ein gebürtiger
tschechoslowakischer Textilunternehmer, der während des Krieges in
Budapest wohnte:
„Ein SS namens Becher war nämlich
beauftragt, möglichst viele Waren, unbekümmert um welchen Preis, aus
Ungarn herauszuholen. Zu diesem Zweck setzte er sich mit einem
Holländer, Herrn van Hardten, in Verbindung. Dieser war bereit, den
Deutschen zu helfen, unter der Bedingung allerdings, dass ihm
zugesichert werde, dass einige Juden, mit denen er besonders
in Kontakt war, unbehelligt bleiben. Auf diese Bedingungen wurde
eingegangen und die Betreffenden erhielten von den Deutschen
Identitätsausweise, gestützt auf welche sie dann nicht belästigt
wurden. Auf diese Weise sind (natürlich nicht alle durch Vermittlung
des Herrn van Hardten) Tausende solcher Identitätsausweise
ausgestellt worden.“[xxxvii]
Van Harten wird zum „Bernhard“-Agenten
Dass van Harten schon in Budapest gefälschte Pfundnoten
wusch, geht aus der Aussage Marko Beranis, eines albanischen
jüdischen Agenten Schwends, hervor. Berani beschrieb, wie Anfang
1944, als er in Budapest wohnte, zwei „Bernhard“-Chefagenten, Rudi
Blaschke und Hans Zentner, zu ihm kamen. Sie wollten verschiedene
Waren kaufen.
„Ich schickte sie zu einem
Bekannten, VAN HARTEN, dem Direktor der Firma TRANSCONTINENTAL in
BUDAPEST,“ deklarierte Berani, „den ich durch SELADIM DRAGA
kennengelernt hatte. DRAGA reiste oft nach Budapest, weil er mit VAN
HARTEN Geschäfte machte. Soweit ich weiß, ging es um
Devisentransaktionen mit Napoleon d'ors, Gold usw. BLASKI [Blaschke]
und ZENTNER kauften bei VAN HARTEN Waren und zahlten dafür 4 bis
500,000 britische Pfund. Nach dem BLASKI BUDAPEST verlassen hatte,
blieb ZEUSINGER [Zentner] dort und trieb für eine lange Zeit Handel
mit VAN HARTEN. Die gekauften Waren wurden nach Deutschland
geschickt und mit britischen Pfundnoten bezahlt. Es wurden etwa 20
bis 30 Zugwaggons nach Deutschland geliefert.“[xxxviii]
Es ist aus diesem Zitat nicht ganz ersichtlich, ob van
Harten zu diesem Zeitpunkt wusste, dass die Pfundnoten gefälscht
waren. Selber nennt er seine Firma „Transkontinent Import Export
Gesellschaft“, die sich mit Medikamenten, Harzen und Pflanzenölen
befasst habe. Van Harten behauptete, dass er im Sommer 1944
„gewaltige Warenlager in deutschen Freihäfen“ besessen habe. Diese
Güter soll er an die Deutschen verkauft und dafür über eine Million
britische Pfund bekommen haben, die ihm in Meran ausbezahlt worden
seien.[xxxix] Wenn diese Erklärung stimmt,
deutet dies darauf hin, dass van Harten in Ungarn noch nicht wusste,
dass die Pfundnoten gefälscht waren und dass er damals sozusagen ein
„Opfer“ des „Unternehmens Bernhard“ war. Seine Verteidiger könnten
argumentieren, allein die Tatsache, dass er sich nach dem Krieg so
hartnäckig für die Rückgabe des Darlehens an das jüdische
Rettungskomitee einsetzte, beweise, dass er keine Ahnung hatte, dass
es sich um Falschgeld handelte.
Van Harten bemühte sich auch unermüdlich um die Rückgabe
„seines“ Vermögens, welches vom US-Geheimdienst CIC beschlagnahmt
worden war. Für diesen Anspruch ließ er sich sogar durch den
Rechtsanwalt Robert Kempner vertreten. Kempner
war niemand geringerer als der stellvertretende Chefankläger in den
Nürnberger Prozessen (!).[xl] Kann es
aber wirklich sein, dass ausgerechnet der gewiefte van Harten nicht
gewusst hat, dass die Pfundnoten gefälscht waren? Es ist kaum
vorstellbar.
Die Aussage
des Hagana-Chefs in Italien, Yehuda Arazi, zeigt, dass die van
Hartens spätestens in Meran gewusst haben, dass es um Blüten ging.
Denn nach dem Krieg traf er dort die völlig verzweifelte Frau van
Harten, deren Mann inzwischen vom US-Geheimdienst als Nazi-Agent
verhaftet worden war. Sie übergab Arazi – in der Hoffnung, dass er
helfen würde –
eine große Summe und sagte, dass es sich bei einem Teil dieses
Geldes um ausgezeichnete gefälschte Pfundnoten handle.[xli] Aus dem
Schreiben van Hartens an Schwend 1960, in welchem er
– nachdem die
Bemühungen Kempners nichts gefruchtet hatten
– um die Hilfe des
ehemaligen Chefs bei den Restitutionsansprüchen bittet, ist zu
verstehen, dass es ihm bewusst war, dass es sich bei den Pfundnoten
um Falschgeld handelte. Trotzdem schreckte ihn diese Tatsache nicht
davor ab, seine Forderung ohne jegliche Skrupel voranzutreiben. Er
schreibt:
„Wissen Sie einen positiven Fall, wo
das Reich [höchstwahrscheinlich die BRD] die Pfunde bezahlt hat?
[...] Für die Pfunde wurden hochwertige Waren geliefert, und dies
stellt eine ungerechtfertigte Bereicherung dar. Aber wie gesagt, es
fehlt die Gesetzgebung. Und ich habe in die Sache bereits ziemlich
viel Geld hineingesteckt, aber keinen Pfennig herausbekommen, und
bin skeptisch. Natürlich wenn Sie die Innenverhältnisse kennen,
könnte es die Sachlage grundlegend ändern.“[xlii]
Van Harten
musste sich sehr sicher gefühlt haben, dass er ausgerechnet einen
angeblichen Nazifresser wie Robert Kempner als Anwalt anheuerte und
einen erwiesenen Naziverbrecher wie Schwend als Kenner der
US-„Innenverhältnisse“ engagieren wollte. Mit dieser
Selbstsicherheit und Schamlosigkeit überlebten er und seine Kumpane
den Krieg. Van Hartens Verhalten widerspiegelt die Kultur der
„Bernhard“-Agenten. Schwend selbst schrieb 1961, als er in Peru
zusammen mit anderen Nazikriminellen zusammenarbeitete, mehrere
Briefe in seinem richtigen Namen an die israelische Behörde, die den
Eichmann Prozess vorbereitete.[xliii] Er
denunzierte in diesen Schreiben einen ehemaligen jüdischen
Mitarbeiter, Georg Spencer Spitz, der ihn nach dem Krieg betrogen
und verraten hatte.
Warum aber
vertrat Robert Kempner den Agenten van Harten? Angesichts der
Unterstützung und Deckung, die dieser in Israel genoss, ist
anzunehmen, dass Kempner das Mandat übernahm, weil ihm
beispielsweise der einflussreiche Rechtsanwalt und spätere
israelische Botschafter in London, Eliash, van Harten wärmstens
empfohlen haben könnte. Der Agent Freier, der die Verbindung
zwischen Eliash und van Harten hergestellt hatte, schrieb denn auch:
„Eliash verliebte sich in van Harten und wollte mit ihm Geschäfte
machen, denn er war geldgierig.“[xliv] Ein
Entschädigungsverfahren über mehr als vier Millionen US-Dollar war
für einen Anwalt sicherlich sehr lukrativ.
Van Harten zieht nach Meran
Van Harten
verließ Ende Dezember 1944, am gleichen Tag wie sein Chef Becher,
Budapest und fuhr nach Meran. Reves soll ihm beim Beladen seines
Autos geholfen haben. Dabei sei ihm ein geplatzter Koffer
aufgefallen, der voll gepackt mit englischen Pfundnoten gewesen sei.
Michael van Harten findet diese Aussage hingegen etwas gar
phantasievoll, u.a., weil Reves ihr Auto als mit elektrischen
Fenstern ausgerüstet beschrieb. Etwas, das auch eine Luxuskarosse
wie ein MG Jahrgang 1937 bestimmt nicht hatte.
Jaac van Hartens Erklärung, warum er und
seine Familie sich ausgerechnet in Meran niederließen, ist nicht
besonders glaubwürdig. In einem Bericht schrieb er:
„Im Dezember 1944 erfuhr ich, dass
Reste der italienischen Juden sich noch in Konzentrationslagern in
[Bozen] Italien befinden sollten. Zu diesem Zwecke fuhr ich mit
meiner Familie Ende Dezember 44 aus Budapest nach Meran.“[xlv]
In einem
Schreiben an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes versuchte
van Harten den Eindruck zu erwecken, dass er im Auftrag vom Chaim
Pozner vom Palästina-Amt in Genf nach Meran übersiedelte.[xlvi] In
seinem Brief an Pozner suggerierte van Harten, dass er im Dienst des
IKRK nach Meran zog, was absolut nicht der Wahrheit entsprach, denn
seine Akten bei dieser Organisation sind unter den 'falschen
Delegierten' archiviert:
„Durch unsere Erfahrungen, die wir
leider persönlich durchmachen mussten, hatten wir erkannt, dass wir
unsere Wege und Beziehungen in den Dienst der Sache stellen müssen.
So konnten wir die Verhandlungen Becher
inspirieren und dadurch positive Ergebnisse erreichen [...].
Wir konnten einige 1000 Kinder in Heimen unterbringen unter dem
Schutz des I.[nternationalen] R.[oten] K.[reuzes] sowie des
Schwed.[ischen] R.[oten] K.[reuzes], denen wir Beide angehören.
Meine Aufgabe war Mitte Dezember in Ungarn gelöst und so gingen wir
nach hier, wo große Aufgaben unserer ähnlich der in Budapest
harrten. [...]“[xlvii]
Schwend
hingegen behauptete, dass ihm Wilhelm Höttl van Harten zum Schutz
zugewiesen habe.[xlviii] Diese
Erklärung scheint glaubwürdig zu sein. Denn Höttl war
höchstwahrscheinlich für die geheimdienstliche Tätigkeiten van
Hartens verantwortlich, und Ende 1944 fanden mit seiner Hilfe
mehrere andere dubiose Figuren aus Ungarn, wie der ungarische
faschistische Außenminister Baron Gabor von Kemény, Zuflucht in
Meran.
Machenschaften in Meran
In Meran
angekommen, ließ sich die Familie van Harten im Jänner 1945 im
noblen Sanatorium Stephanie nieder. Dort logierten auch andere
Mitglieder der „Gruppe Wendig“, in welche sich Jaac van Harten rasch
integrierte. Als „Bernhard“-Verkäufer wickelte er in Meran wohl nur
ein einziges Geschäft ab: Er kaufte 150 Tonnen Terpentin und
belieferte damit die Wehrmacht. Bezahlt wurde selbstverständlich mit
Falschgeld. Van Hartens Bedeutung für die SS lag aber woanders. Wie
schon erwähnt bemühte sich Schwend, wie andere Nazi-Bonzen, dazumal
um ein Alibi für die Nachkriegszeit und um die Sicherung seiner
Beute. Die norditalienische SS-Führung versuchte, im Rahmen der
„Operation Sunrise“, eifrig, Kontake mit dem deutschfreundlichen
OSS-Mann in Bern, Allen W. Dulles, zu knüpfen.[xlix] Schwend
und seine Kumpane waren ebenfalls mit von der Partie. Die Nazis in
Norditalien verwendeten das gleiche Erpressungsmuster wie Becher und
Eichmann in Ungarn. Sie benutzten das Leben von Juden als
Druckmittel, um die Verhandlungen mit den Alliierten voranzutreiben
und dabei auch Lösegeld zu kassieren. Hier dienten als Faustpfand
150 Juden, die im Gefängnis San Vittore in Mailand festgehalten
wurden. Die Initiative ging offenbar vom Schwend-Vertrauten
SS-Offizier Walter Rauff in Mailand aus, einem der maßgeblichen
höheren Offiziere bei den ersten Versuchen, Juden in Lastwagen zu
vergasen. Mit dem Angebot des Judenhandels nahm Valerio Benuzzi, ein
jüdischer Kollaborateur, welcher im Dienste Rauffs und der geheimen
faschistischen Polizei OVRA stand, Kontakt mit dem IKRK-Vertreter
für Norditalien, Oberst Hans Bon, und auch mit dem jüdischen
Hilfswerk „Joint“ auf, welches das Lösegeld zahlen und für die
Aufnahme der befreiten Juden in der Schweiz sorgen sollte. Dank der
Vermittlung Benuzzis traf Bon im Jänner 1945 mit dem SS-Chef von
Norditalien, General der Waffen-SS Karl Wolff, dem Erzbischof von
Mailand, Kardinal Schuster, und dem deutschen Botschafter im
faschistischen Teil Italiens, Rudolf Rahn, zusammen. Dies kann
wahrscheinlich als Anfang einer wichtigen Schiene der „Operation
Sunrise“ angesehen werden, welche zur deutschen Kapitulation in
Norditalien führte.
Die Verhandlungen wurden verschleppt. Am 16.
Februar teilte Benuzzi dem „Joint“-Vertreter in der Schweiz, Saly
Mayer, telefonisch mit, dass die Juden nun von Mailand ins KZ Bozen
transferiert worden seien. Von dort sollten sie weiter nach Berlin
deportiert werden. Ob die Deutschen diese Drohung wirklich umsetzen
wollten bzw. konnten, bleibt offen. Van Harten, der inzwischen auch
eingeschaltet worden war,[l] berichtete: „Am Morgen des 25. Februar
kam ich nach Bozen [...] Man hatte am vergangenen Abend 130 Juden
und 700 politische italienische Gefangene waggoniert, um sie zu
deportieren.“[li] Die Deportation wurde dann
gestoppt. Im Gegenzug durfte Benuzzi
– mit Hilfe des
IKRK – nach Bern
fahren, um die Verhandlungen - wahrscheinlich mit Allen Dulles –
weiterzuführen.[lii] In einem Bericht des jüdischen italienischen Hilfswerk DELASEM
heißt es: „Vertrauensmann 552 , [wahrscheinlich van Harten]
übt immer eine große Tätigkeit aus und hat einen Kontakt mit dem
Konzentrationslager Bozen ins Leben gerufen, der der wichtigste für
dieses Lager sein wird.“[liii] DELASEM sandte jede Woche eine große Zahl Pakete, die
persönlich an die Internierten verteilt werden sollten. Van Harten
erzählte von großen Lebensmittellieferungen und der Überbringung von
Paketen in das „Polizeiliche Durchgangslager“ in der Bozner
Reschenstrasse.
Ein
britischer Gefangener erzählte, dass van Harten Ende Februar im
Konzentrationslager Bozen auftauchte, 1000 Lire pro Kopf verteilte
und versprach, Lebensmittel zu beschaffen. Danach kam er zweimal im
Monat. Die Gefangenen verlangten nach den versprochenen
IKRK-Päckchen, aber van Harten meinte, dass dies schwierig sei.
Am 26. April wurde Oberst Bon von
Genf aus mitgeteilt, dass nach den Verhandlungen zwischen
IKRK-Generalsekretär Hans Bachmann und dem zweiten Mann in der
SS-Hierarchie, Ernst Kaltenbrunner, letzterer der Freilassung der
Juden im KZ Bozen zustimmte. Bon solle diese Botschaft so schnell
wie möglich nach Südtirol weiterleiten.[liv] Er rief noch am gleichen Tag
van Harten nach St. Moritz und trug ihm auf, die KZ-Insassen zu
befreien. Van Harten verstand diesen Auftrag als eine Ernennung zum
IKRK-Delegierten in Meran und versuchte dies voll auszunutzen, um
die Schwend-Gruppe auch rückwirkend als IKRK-Vertretung
darzustellen. Die Rolle Bons bei diesem Auftrag ist noch nicht klar.
Sein Stellvertreter, Kurt Tschudi, wusste gar nicht davon und wäre bestimmt dagegen gewesen. Denn
schon Ende Februar 1945 beschwerte sich
dieser über van Hartens Auftritt als
IKRK-Delegierter, und zwar ausgerechnet beim SS-Offizier Walter
Rauff. In seinem Bericht schrieb Tschudi:
„[...]
nach Erhalt von weiterem
belastenden Material gegen v. Harten, trat ich mit Herrn Oberst
Rauff von der SS-Polizei in Verbindung, um dem Mann sein Handwerk zu
legen. Oberst Rauff wich jedoch in geschickter Weise immer aus und
wollte von einer Verhaftung nichts wissen, was mich nur noch mehr
stutzig machte, denn im Allgemeinen war jeder Vorwand zum Vorgehen
gegen einen Nichtarier gut genug.“[lv]
Am 28.
April 1945 erschien van Harten mit Lastwagen im KZ Bozen. Er brachte
einen Teil der Häftlinge aus dem Lager, so die Aussage eines
englischen Gefangenen, und ließ sie nach Meran transportieren. Zwei
Tage später wurden auch die Juden frei gelassen und einige davon im
Schloss Labers untergebracht. Selber berichtete van Harten, dass er
während zweier Tage 2972 Personen aus dem Bozner und aus den
verschiedenen Außenlagern weitere 7000 befreit habe. Zahlen, die
ohne Zweifel weit übertrieben sind. Nach über vier Jahren – am 12.
April – meldete sich van Harten wieder bei Chaim Pozner, dem
Finanzmann der Jewish Agency in Genf, um die Unterbringung der
jüdischen Häftlinge in der Schweiz zu koordinieren. Am 30. April
schrieb van Harten an Pozner:
„Soeben tritt das ungarische Außenministerium an
mich heran, das I.R.K. vertreten durch mich, möchte den Schutz des
ungarischen Staatsschatzes in Form von Gold, Juwelen, etc.,
Gemäldesammlungen übernehmen. [...] Große Mengen der Juwelen stammen
aus den Juden enteigneten Vermögen.“[lvi]
Van Harten
untermauerte die Mitteilung mit einer Bevollmächtigung, datiert vom
17. März und signiert durch den ungarischen Außenminister Gabor
Baron von Kemény.[lvii] Pozner war von dieser großen finanziellen Möglichkeit sehr
beeindruckt, denn van Harten gab ihm zu verstehen, dass die Jewish
Agency die jüdischen Wertsachen beanspruchen könne, um damit zum
Aufbau des jüdischen Staats beizutragen.
Es ist
ausgeschlossen, dass van Harten tatsächlich der Beschützer des
ungarischen Staatsschatzes war. Kemény flüchte zwar um diese Zeit
nach Meran, aber bestimmt nicht mit so viel Waren wie in der
Vollmacht erwähnt, und der Kronschatz wurde am 4. Mai beim
ungarischen Machthaber Ferenc Szálazi, weit weg von Meran,
beschlagnahmt.
Der Israeli
Yitzchak Tamari, der damals als Soldat der ersten britischen
Einheiten diente, die Bozen erreichten, erzählte, wie er dort van
Harten getroffen habe. Dieser informierte die jüdischen Soldaten,
dass in Meran der ungarische Staatschef Ferenc Szálazi weile,[lviii] der für die Judenvernichtung mitverantwortlich sei und
entsprechend viel gestohlenen Schmuck besitze. Die Soldaten sollten
den besagten Verbrecher umbringen und den Schatz beanspruchen. Wie
sie aber zum Haus des Ungarn kamen, war dieses schon von US-Soldaten
umzingelt. Es kann sich hier nur um eine Verwechslung handeln, denn
der hohe Politiker muss Kemény gewesen sein, welchem van Harten die
Verantwortung für die geraubten jüdischen Schmuckstücke in die
Schuhe zu schieben versuchte. Diese Anschuldigung erhob van Harten
auch vor dem IKRK. Dabei waren solche Wertsachen, laut zuverlässigen
Berichten, im Besitz der Familie van Harten selbst. So berichtete
der Hagana-Geheimdienst-Chef in Italien, Yehuda Arazi: „Sie [die van
Hartens] hatten mehrere Koffer voller Schmuck und Diamanten bei
sich. [...] Woher hatten sie das alles? Ich habe da Zweifel, vor
allem wegen der Eheringe. Alles wurde dann nach Palästina
geschickt.“[lix]
Ein anderer
israelischer Agent, Schalheweth Freier, meint dazu:
„Außerdem vermag ich mich noch zu
erinnern, dass es Schmuckpakete gab, die sehr schön verpackt und mit
Namen versehen waren. Ich glaube, die Geschichte dazu lautete, dass
es sich um Schmuckstücke handelte, die sie [die van Hartens] von
Juden in Ungarn zur Aufbewahrung bekommen hätten. [...]. Ich glaube,
später sah ich im Büro von Yehuda Arzi einen Sack voller Eheringe,
die wahrscheinlich von KZ-Juden stammten.“[lx]
Die
Bevollmächtigung für den ungarischen Kronschatz muss als Tarnaktion
betrachtet werden, die van Harten und der Beute der Wendig-Gruppe
zusätzlichen Schutz verleihen sollte. Diese Geschichte diente als
Alibi für die großen Warenlager des „Unternehmens Bernhard“ und für
die jüdischen Vermögenswerte. Dafür musste aber ein Teil der
Diebesgüter geopfert werden. Die erwähnten jüdischen Wertgegenstände
werfen unweigerlich Fragen auf, die den betreffenden Agenten auch
ins Auge sprangen, welche sie aber offensichtlich – aus
naheliegenden Gründen – nicht weiter verfolgten. Woher kam dieser
Schatz? Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass die Schmuckpakete,
welche mit Namen versehen waren, van Harten zur Obhut überlassen
wurden. Nur ist es nicht sehr plausibel, dass ungarische Juden einem
Naziagenten so kurz vor der deutschen Niederlage ihren wertvollen
Besitz anvertrauen. Die überzeugendste Erklärung ist, dass es sich
um Lösegelder handelt, welche von ungarischen Juden als Schutz (SS-Schutzjuden) und/oder im
Zusammenhang mit dem Becher-Freikauf-Deal bezahlt wurden. Becher gab
ja das Lösegeld bei Kriegsende an die Jewish Agency. Dabei fehlte
aber ein erheblicher Teil dieses sogenannten „Becher-Schatzes“.
Trotz mehrerer Untersuchungen bleibt das fehlende Vermögen, welches
mehrheitlich aus Schmuckstücken bestand, bis heute unauffindbar. Die
hier aufgeführten Indizien erhärten den Verdacht, dass van Harten
mit dem verschwundenen Rest des „Becher-Schatzes“ zu tun hatte.
Freiers Hinweis über die Eheringe, die wahrscheinlich von KZ-Juden
stammten, sollte nicht völlig ignoriert werden, denn er war
derjenige, der van Harten bei Kriegsende in Norditalien intensiv
verhört hatte, entsprechend musste er auch wissen, ob van Harten die
Möglichkeit hatte, KZ-Raubgut zu besitzen.
Was geschah
mit diesem jüdischen Vermögen? Es sieht danach aus, dass der
Hagana-Geheimdienst sich die Wertsachen mit den van Hartens teilte.
Es darf nicht vergessen werden, dass van Harten später in Tel Aviv
eine Bijouterie mit besonders ausgesuchten Juwelen besaß.
Zionistische Organisationen waren absolut im Stande, geraubte
private jüdische Besitztümer als ihr Eigentum zu betrachten. Nach
der deutschen Kapitulation fanden die US-Soldaten mehrere Meraner
Gebäude voller Güter, die der Kemeny-Vollmacht-Liste entsprachen.
Diese Lagerhäuser waren alle mit Schildern „Unter Schutz des IKRK“
versehen. Gegenüber dem IKRK behauptete van Harten, dass die Waren
größtenteils von italienischen Juden geraubt worden seien. „Ich
vertrete den Standpunkt, dass diese Warenvorräte an ihre Besitzer
hätten zurückgegeben werden müssen, respektive an deren Erben. Ich
nahm diese Lager, um sie vor Ausplünderung zu schützen, unter den
Schutz des Comités, und siegelte sie zu.“[lxi] Den
amerikanischen Soldaten, die 248 000 IKRK-Identitätsausweise bei ihm
entdeckten, erzählte van Harten, dass er IKRK-Chef in Budapest
gewesen sei. Den US-Soldaten fiel aber auf, dass die
SS-Mannschaften, wenn sie van Harten sahen, sofort salutierten.[lxii]
Zusätzlichen Schutz erhoffte sich die Gruppe Wendig durch die
freundlichen Dienste des Schweizer Konsularagenten, Alberto Crastan.
Crastan, der Schlossherr von Rametz, hatte das Weingut von seinem
Vater geschenkt bekommen. Dieser wollte dem erfolglosen Sohn eine
solide Existenzgrundlage verschaffen. Die Rechnung ging allerdings
nicht auf. Durch die Beziehungen zu seinen SS-Nachbarn im Schloss
Labers erhoffte sich Crastan endlich eine lukrative Einnahmequelle.
Wie lange er mit den Schwend-Leuten kooperierte, ist aber nicht
klar. Bei Kriegsende arbeitete er jedenfalls eng mit van Harten
zusammen. Er fuhr z.B. mit dem Naziagenten in die Schweiz, um Oberst
Bon zu treffen und in seinem Schloss lagerten „Bernhard“-Waren. Van
Harten richtete sich eine große Geschäftsstelle im gleichen Gebäude
ein, in dem Crastan sein Büro hatte. Laut dem Bericht eines
Schweizer Arztes, welcher mit einer Rotkreuzkolonne am 15. Mai 1945
in Meran eintraf, entfaltete van Harten aus diesen Räumlichkeiten,
„eine ungewöhnlich rege und vielseitige Tätigkeit. Den täglich
erschienenden Hunderten von Deportierten, Flüchtlingen und
Heimatlosen stellte er selbstgedruckte Rotkreuzpässe [...] aus. Im
weiteren versah er diese Leute mit Geld und Lebensmitteln.“[lxiii]
Aus diesem
Bericht geht hervor, dass sich auch mehrere Nazis unter dem
Flüchtlingsstrom mischten. Schwend behauptete, van Harten habe auf
seine Veranlassung agiert. Laut Yitzhak Tamari stoppten italienische
Partisanen SS-Leute mit echten Einreisevisa an der Schweizer Grenze:
Ihre Visa hätten sie, so Tamari, von van Harten erhalten.[lxiv] Nur Crastan konnte die Quelle für solche Dokumente. Am 25.
Mai 1946 verhaftete die italienische Polizei Crastan. Bei einer
Durchsuchung im Schloss Rametz wurden viele Schwarzmarktwaren
entdeckt, welche mit gefälschten Pfundnoten gekauft worden waren.
Crastan blieb für längere Zeit in Untersuchungshaft. Er vermochte
die Polizei nicht davon zu überzeugen, dass er vom verbrecherischen
Charakter der Operation im benachbarten Schloss Labers nichts
gewusst habe, wo man doch in ganz Meran über die anrüchigen
Geschäfte der Schwend-Bande sprach.[lxv]
Aus
unerklärlichen Gründen ließen die Alliierten und die italienischen
Behörden die Untersuchung jedoch plötzlich fallen und Crastan wurde
frei gesprochen. Sogar die Schweizer Gesandtschaft in Rom wunderte
sich darüber, denn diesem wurden doch schwerwiegende Verbrechen
vorgeworfen. Diese Feststellung wiederum hatte den Schweizer
Botschafter zuvor nicht daran gehindert, sich für den ehemaligen
Konsularagenten einzusetzen.[lxvi]
Alexander
Kinkelin, ein Schweizer in Meran, berichtete: „Es scheint, dass die
beschlagnahmte Ware von Dritten, zum Teil, in der Folge weiter
verschoben worden ist und dass nunmehr auch diese Dritten ein
Interesse daran haben, dass kein Prozess geführt werde.“[lxvii]
Van Harten und zionistische Organisationen
Als sehr
nützlich erwiesen sich die Beziehungen, die van Harten mit der
Untergrundarmee Hagana knüpfte. Bei den britischen Truppen, die
Italien eroberten, waren zwei jüdische Transportbrigaden aus
Palästina. Es ging ihnen um Waffenbeschaffung sowie um die
Organisierung der illegalen Auswanderung von Juden nach Palästina.[lxviii] Deren erste Station in Italien, wie im La Vista Report zu
lesen ist, war in der Tat Meran. Da die finanziellen Bedürfnisse
dieser Organisationen sehr groß waren, sollte der Zweck die Mittel
heiligen: Einige der eretz-israelischen Soldaten bereicherten sich
selber, wie es damals auch bei den Alliierten üblich war. Es gab
keinen strengeren Kämpfer gegen diese Korruption als Eliyahu Cohen,
der für die Briten lediglich ein Feldwebel, tatsächlich aber
Italien-Kommandant der Hagana war. Ausgerechnet dieser Moralapostel
war es, der – zusammen mit dem lokalen Hagana-Geheimdienstchef-Chef,
Yehuda Arazi – die Kollaboration mit van Harten bewilligte und
betreute. Später sorgte er für dessen Sicherheit und Integration in
Israel.
Die
einfachen zionistischen Agenten Shmuel Ossia und Eliëzer Bigar, die
bei dieser Affäre nur eine marginale Rolle spielten, waren völlig
schockiert und niedergeschlagen, als sie 56 Jahre später erfuhren,
dass ausgerechnet der legendäre Cohen, der für seinen hohen
moralischen Standard bewundert wurde, bewusst einen Naziagenten
gedeckt hatte. Bei Arazi waren sie nicht überrascht, denn für sie
war dieser Abenteurer zu allem fähig.[lxix] Ende
April 1945 stieß der israelische Hauptmann Alex Moskowitz in Meran
auf van Harten, welcher ihm über die in der Region versteckten
Raubgüter berichtete. Der Naziagent war bereit, so Moskowitz, ihn zu
den Versteckorten zu führen. Van Harten habe in Meran eine
Transitstation für die jüdischen Flüchtlinge einrichten wollen, die
bald von Norden nach Süden strömen würden.[lxx]
Anfang Mai
erschienen bei Moskowitz zwei Agenten der geheimen
Auswanderungs-organisation „Ha'Bricha“, die unterwegs nach Ungarn
waren, um die Fluchtwege nach Palästina zu organisieren. Moskowitz
bat nun um van Hartens Hilfe bei der Überquerung des Brennerpasses.
Dieser offerierte den Agenten spontan eine große Summe, um ihre
Aktivitäten zu finanzieren und bat sie auch, Gelder für verschiedene
Leute in Budapest mitzunehmen. Er gab ihnen dann 22.500
„Bernhard-Pfunde“, die bei den bisherigen spärlichen Schilderungen
immer als Spende dargestellt wurden. Van Harten verlangte jedoch
später die Rückzahlung und wurde dabei von Arazi unterstützt. Der
Geheimdienst-Chef wusste zwar, dass das „Darlehen“ mit Falschgeld
bezahlt worden war, rechnete jedoch mit noch größeren Leistungen van
Hartens.[lxxi] In verschiedenen Quellen wird nebenbei erwähnt, dass seine
Beiträge und die Pfund-Blüten damals wichtigste finanzielle Stützen
für die illegale Auswanderung und für sonstige Aktivitäten der
Hagana waren. Levi Argov (Kopilowitch), einer der Agenten, die das
Geld von van Harten in Meran erhalten hatten, behauptete aber,
sobald man gemerkt habe, dass die Pfunde gefälscht waren, habe die
Ha'Bricha aufgehört, mit den Falsifikaten zu handeln.[lxxii] Joël Palgi, der in Budapest die Arbeit der Ha'Bricha
koordinierte, erfuhr, dass in Italien Sterling feil zu haben waren
und man in Osteuropa ausgezeichnete Preise dafür erzielen konnte.
Deshalb verlangte er von den Kollegen in Italien, Pfunde in großem
Stil zu kaufen. Dann behauptete Palgi jedoch etwas schwammig:
„Soweit ich weiß, sah die Delegation in Italien von dieser
Möglichkeit ab [...].“[lxxiii] Palgis Behauptung wird von den Ausführungen von Arazi
widersprochen:
„Wir fanden heraus, dass diese [van
Hartens Gelder] die von den Deutschen gefälschten Pfunde waren. Ich
schickte dieses Geld zum Korporal Katz nach Österreich. Er sollte
versuchen, die Blüten auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Wir kauften
Goldbarren, die wir zuerst nach Frankreich schickten und nach einem
großen Umweg in die Schweiz. Wir verdienten dadurch das
Neunzehnfache des ursprünglichen Wertes.“[lxxiv]
Die Akten
des Hagana-Finanzchefs, Pino Ginsburg, zeigen, dass Genf das
Zentrum dieses umfangreichen illegalen Handels war,[lxxv] und van
Hartens Beitrag dazu kann nicht genug betont werden. Insofern zahlte
sich der Einsatz zur Befreiung van Hartens für die zionistischen
Gruppen aus, nachdem dieser vom CIC im Mai 1945 in Meran als
Naziagent verhaftet und im Lager Terni für fast ein Jahr interniert
worden war. Außerdem beschlagnahmte der CIC weitere Teile „seiner“
Besitztümer. Van Harten behauptete, dass sich die betreffenden
US-Agenten bereichert hätten und später unter mysteriösen Umständen
ums Leben gekommen seien.
Verzweifelt
suchte van Harten nach Rettung. Einzig der Hagana-Geheimdienst kam
ihm zu Hilfe und ihm den Agenten Freier sandte. Dieser kümmerte sich
auch um die verzweifelte Frau van Harten und deren Sohn und brachte
sie von Meran nach Mailand. Dort arbeitete die Frau eine Weile in
der Kantine der jüdischen Soldaten. Der kritische Yitzhak Tamari
fragte dann den strengen Hagana-Chef Cohen, warum die Nazi-Agenten
geschützt würden, worauf dieser antwortete: „Ich versprach es ihnen,
und ein Gentleman hält sein Wort.“[lxxvi]
Dank seiner
Kontakte wurde der Naziagent van Harten Mitte 1946 freigelassen und
blieb zum Jahresende in Italien im Dienst dieser Organisation.
Später zog er nach Tel-Aviv, wo seine Familie inzwischen wohnte und
lebte sich schnell ein. Erstaunlicherweise war für diese rasche
Integration Cohens Vater Abba verantwortlich und nicht die reiche
Familie Schocken, mit der Frau van Harten verwandt war. Abba Cohen
folgte blind den Instruktionen seines geheimnisvollen Sohnes,
öffnete van Harten wichtige Türen und wurde selbst zu dessen
Geschäftsführer.[lxxvii] 1947 wollten die damals in Palästina herrschenden Briten van
Harten wegen seiner „Bernhard“-Vergangenheit loswerden. Freier, der
mittlerweile wieder im Lande war, half dem ehemaligen Agenten, die
Verbindung zum renommierten Rechtsanwalt Eliash herzustellen. Auf
das Gesuch Eliashs hin stellte Golda Meir, in ihrer Funktion als
De-facto-Außenministerin, van Harten einen Persilschein aus, der
seine Abschiebung vereitelte. In ihrem Brief an Eliash schrieb sie:
„Ich möchte Sie informieren, dass
wir Beweise besitzen, dass Herr van Harten während des ganzen
letzten Krieges Mitglied des jüdischen Untergrundes in Europa war.
[...] Ich bin der Meinung, Herrn van Hartens Vergangenheit während
des Krieges rechtfertigt eine bevorzugte Berücksichtigung seines
Gesuchs, in Palästina zu bleiben.“[lxxviii]
Dieses
Leumundszeugnis steht jedoch im krassen Widerspruch zu Berichten der
jüdischen Agenten, die mit ihm näher zu tun hatten. So gut geschützt
führte van Harten ein Schmuckgeschäft im Herzen Tel-Avivs und wohnte
als angesehener Bürger im Nobelort Savyon. Niemand untersuchte die
Quellen „seiner“ Schmuckstücke und Gemälde, die er z.T. aus Ungarn
gebracht hatte. 1973 starb er, und die Bijouterie wurde von seinem
Stiefsohn weitergeführt – bis nach der Veröffentlichung eines
Artikel in der bekannten israelischen Zeitung „Ha'aretz“ über die braune Vergangenheit Jaac van Hartens.[lxxix]
Ein hoher
Mossad-Amtsträger meinte danach im Privatgespräch mit Yitzchak
Tamari, dass er die Empörung über diese Angelegenheit nicht
verstehe: „Wir brauchten damals Geld, und er hatte viel davon. So
einfach war das.“[lxxx]
[i] Adolf Eichmanns Prozess fand 1961 in Jerusalem statt. In
seinem polizeilichen Verhör findet sich ein Hinweis auf
seine Beziehungen mit einem jüdischen Naziagenten namens
Jacques.
[ii] Ein Fall eines vermeintlichen jüdischen Nazi-Kollaborateurs
in Ungarn. Über den Kastner-Prozess siehe weiter unten.
[iii] Schalheweth Freier im Interview mit Nana Nosinow 17.7.1966,
Hagana-Archiv , Tel-Aviv, 197.27.
[iv]
Vincent La Vista Report, Illegal emigration movements in and
through Italy, May 15, 1947, Appendix „C“ - Page 4, National
Archives (NA), Record Group (RG) 59, FW800.0128//5-1547.
[v] Julius Mader, Banditenschatz, Berlin 1966, S. 68.
[vi] Vgl. dazu Gerald Steinacher, Südtirol und die Geheimdienste
1943–1945 (Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte, Bd.
15), Innsbruck – Wien – München, 2000, S. 160 ff. Werner
Brockdorff, Flucht vor Nürnberg. Pläne und Organisation der
Fluchtwege der NS-Prominenz im „Römischen Weg“, München –
Wels, 1969, S. 55 ff und S. 76 ff. Neben viel Spekulation
enthält der Band von Brockdorff auch einige wertvolle
Detailinformationen zu Schwend und dem Unternehmen
„Bernhard“ in Meran.
[vii] Vgl. dazu allgemein Barbara Schäfer (Hrsg.), Historikerstreit
in Israel. Die „neuen“ Historiker zwischen Wissenschaft und
Öffentlichkeit, Frankfurt – New York 2000.
[viii] S. B. Beit-Zvi, Post-Ugandan Zionism in the Crisis of the
Holocaust, Tel Aviv 1991.
[ix] Siehe z.B. Edwin Black,
The Transfer Agreement, New York 1984.
[x] Gespräche des Verfassers mit Natan Dror-Schwalb (einem
zentralen zionistischen Rettungsaktivisten) 1991-1996.
[xi] Interviews des Verfassers mit Natan Dror-Schwalb 1991–1996.
[xii] Über das US-Verhalten siehe David Wyman, Das unerwünschte
Volk. Amerika und die Vernichtung der europäischen Juden,
Max Hüber Ismaning, 1986.
[xiii] Zitat nach Charles Higham, Trading with The Enemy. An Exposé
of The Nazi-American Money Plot 1933–1949, Delacorte Press,
New York 1983, S. 157.
[xiv] Shraga Elam, Hitlers Fälscher. Wie jüdische, amerikanische
und Schweizer Agenten der SS beim Falschgeldwaschen halfen,
Wien 2000, S. 103 ff.
[xv] Kurt Emmenegger, Reichsführer gehorsamster Becher, 18-teilige Serie in der
Schweizer Wochenzeitschrift Sie & Er, 1962/63.
[xvi] Elam, Hitlers Fälscher, S. 70.
[xvii] Wilhelm Höttl, Einsatz für das Reich. Im Auslandgeheimdienst
des Dritten Reiches, Koblenz, 1997, S. 331.
[xviii] Brief an die Fremdenpolizei Bern, 19.4.1940, Schweizerisches
Bundesarchiv (SBAr) E4320(B) 1990/206 Bd. 190, C.16.1925.
[xix] Verhör bei der Kantonspolizei Vaud, Lausanne, 11.7.1940, SBAr
E4320(B) 1990/206 Bd. 190, b.16.1925.
[xx] Interview des Verfassers mit Michael va |