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7.1.2007 -Ein Artikel, welcher in
verschiedenen Punkten immer noch aktuell ist. Dieser Artikel
wurde geschrieben, kurz nach der ersten Meldung über das
Oslo-Abkommen (28.8) und vor der offiziellen Unterzeichnung in
Washington am 13.9.1993.
Die gelb markierten Stellen
erschienen nicht in der Zeitung
Die WochenZeitung (WoZ)
3. September 1993
Der Ausverkauf von Palästina
Give Peace a
Cheque
Was bringt die Autonomie
den PalestinenserInnen
«Wenn der Messias
kommt, und der Wolf friedlich neben dem Lamm lebt, auch dann will
ich lieber ein Wolf sein» (Israelische Weisheit, wird Moshe Dayan,
Ex-Kriegsminister, zugeschrieben.)
Unter
dem Titel «Die Rettung der PLO» wurde am 27.8.1993 in der
israelischen Tageszeitung «Jerusalem Post» berichtet, dass vor
einem Monat der ägyptische Ministerpräsident Moustafa Khalil
ausgerechnet in Jerusalem um finanzielle Hilfe für die PLO
nachgesucht habe. Laut Khalil stehe die PLO vor dem Bankrott und
ihr Chef Yasser Arafat vor dem Sturz. Israel solle sich in Europa
und in den USA und dadurch indirekt auch bei den arabischen
Golfstaaten für das nötige Geld einsetzen. Die anwesenden
israelischen Minister bei diesem Treffen, Aussenminister Shimon
Peres und Gesundheitsminister Haim Ramon fanden die Idee gar nicht
so absurd und sicherten ihre Unterstützung zu. Denn es passte gut
zu ihren eigenen Bestrebungen der letzten Monate.
Für aufmerksame
BeobachterInnen (im Unterschied zu ExpertInnen) der israelischen
Palästinapolitik war diese Entwicklung keine Überraschung, denn sie
entsprach dem bekannten Politspiel: «Wer darf die
PalästinenserInnen unterdrücken?». Davon gibt es drei verschiedene
Varianten: In der ersten wird auf das historische Recht Israels
zur Unterdrückung gepocht. Die zweite ist ein bisschen schlauer
und geht davon aus, dass Jordanien dieses Recht zustehe. Die ganz
raffinierten Israelis aus der Schule von «Frieden Jetzt» finden,
nachdem es keine menschlich vertretbare Form der Besatzung gäbe
solle doch die PLO das eigene Volk unterdrücken.
Für diese seit 1988
propagierte Lösung hat sich die israelische Regierung jetzt
entschieden. Wie es Gesundheitsminister Ramon formulierte: «Ein
Abkommen kann nur mit jemandem geschlossen werden, bei dem die
Hoffnung besteht, dass er die Situation auch wirklich unter
Kontrolle hat. Doch selbst in diesem Fall wäre es möglich, dass die
Partner sich nicht daran halten können und irgend jemand anderer an
die Macht kommt. Und trotzdem sage ich, dass dies besser ist als
die heutige Situation. Es ist auch möglich, dass die
Terrororganisationen die Macht ergreifen werden. Doch wenn Terror in
Gaza herrscht, werden wir bestimmter, gewaltsamer, freier und
ungehemmter reagieren können als heute.» (Aus der israelischen
Tageszeitung « Ha‘aretz», 5. 4. 1993).
Ein wichtiger Grund für die
PLO-Zustimmung zum Abkommen in der jetzigen Situation ist
zweifelsohne die wirtschaftliche Misere. Deren Grund liegt
weniger, wie immer wieder behauptet wird, in der Unterstützung
Saddam Husseins während des Golfkriegs und dem daraus folgenden Ende
der Hilfe durch die Golfstaaten. Das Problem ist viel älter und
struktureller Natur. Einerseits haben die Israelis als
Besatzungsmacht einen Wirtschaftskrieg gegen die PalästinenserInnen
geführt und die Entwicklung einer eigenständigen Wirtschaft
verunmöglicht. Anderseits konzentrierten sich die Anstrengungen
der PalästinenserInnen auf den Ausbau eines (von der PLO
finanzierten) Wohlfahrtsstaats in den Bereichen Medizin, Bildung
und direkte Sozialhilfe. Die Abhängigkeit (nicht nur die
ökonomische) von aussen wurde so lange zementiert, bis das Geld
ausging.
Aus dem Bankrott der PLO
kommt die Kapitulation. Arafat klammert sich an die Macht und
degradiert sich zum Chef-Kollaborateur der Israelis. Seine
allererste Aufgabe wird die Unterdrückung des internen
palästinensischen Widerstands sein. Er hat offenbar die Rechnung
gemacht, dass ihm der Deal mit den Israelis das dringend benötigte
Geld bringt. Wenn sich die Israelis in den USA (dies tat Peres
letzte Woche) und bei der EG (dies tut er diese Woche) dafür
einsetzen, dann werden auch die arabischen Ölstaaten nicht mehr
lange mit dem Griff zur Brieftasche zögern. Dies lehrt das
ägyptische Beispiel von Camp David.
Die israelische Regierung
erweist sich als äusserst kulant bei dieser Sammelaktion. Denn
damit wird nicht nur die Befriedung der PalästinenserInnen
finanziell unterstützt, sondern auch die Produktionsverlagerung
eines Teils der israelischen Wirtschaft ermöglicht, die auf die
billige palästinensische Arbeitskraft angewiesen ist. Das Schlagwort
heisst «Joint Venture» . Laut verschiedenen Untersuchungen braucht
die palästinensische Wirtschaft Infrastruktur-Investitionen in der
Höhe von 12-15 Milliarden US-Dollars. Der Gazastreifen könnte z.
B. in ein riesiges Gewächshaus für Obst und Gemüse verwandelt
werden. Israelischen Experten loben bereits die Attraktivität der
Arbeitskraft der PalästinenserInnen: «Es wäre sinnvoll, wenn im
Rahmen einer Arbeitsteilung zwischen den besetzten Gebieten und
Israel sich die arbeitsintensive Landwirtschaft in Gaza
konzentrieren würde. Auch eine fortschrittliche Landwirtschaft
kann arbeitsintensiv sein. Die Palästinenser haben eine erstaunliche
Integrierungsfähigkeit von modernen Technologien» meinte Meir
Ben-Meir, Ex-Direktor des Landwirtschaftsministeriums und der
Wasserverwaltung (aus der israelischen Tageszeitung «Davar»,
4. 3. 1993). Andere Projekte sehen zum Beispiel die Errichtung
riesiger Technoparks vor.
Allem Anschein nach wird
die palästinensische Opposition aus eigener Kraft diesen Prozess
kaum stoppen können, und mit einer Unterstützung von aussen ist auch
nicht zu rechnen, weder aus dem arabischen Lager noch aus den
westlichen Ländern, wo die Niederlage der PalästinenserInnen als
Frieden bezeichnet wird.
Es gibt nur zwei Faktoren,
die den Prozess bremsen könnten. Der eine wäre der, dass
schliesslich doch niemand vollumfänglich für die Rechnung dieses
«Friedens» aufkommen will. Viel wahrscheinlicher ist, dass die
israelischen Rechtsradikalen dieser Entwicklung Widerstand
entgegensetzen und mit bewaffneten Aktionen Israel zumindest an
den Rand eines BürgerInnenkrieges bringen. Diese letzte Möglichkeit
ist nicht so weit hergeholt. Die Rechtsradikalen sind militärisch
sehr gut ausgebildet, haben einen leichten Zugang zu verschiedenen
Waffensystemen und können mit einer Unterstützung innerhalb des
Militärs und der Geheimdienste rechnen. In der Geschichte des
israelischen rechtsradikalen Untergrundes gibt es für die
Bereitschaft zur Gewaltanwendung viele prominente Beispiele.
Wenige Monate vor der Staatsgründung, im Oktober 1948, wurde z. B.
der UNO-Vermittler Graf Folke Bernadotte und ein ihn begleitender
französischer Offizier von der rechten Stern-Gruppe erschossen. Ein
anderes Beispiel ist die versuchte Sprengung der Al-Aqsa Moschee
in Jerusalem Anfangs der achtziger Jahre. Um solche Aktionen zu
verhindern, müsste die israelische Regierung die Rechtsradikalen
entwaffen. Doch das ist beinahe unmöglich.
Shraga Elam
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