Israelisches
Militär teert Straße
von Amira Hass
Ha'aretz
Eine Straße zu teeren, eine
erhöhte Verkehrsinsel
zwischen Fahrspuren zu
bauen, ein Areal einzuebnen
und zu reinigen, sollte
keine Zeile in der Zeitung
wert sein. Eine Straße zu
teeren, bedeutet allgemein,
das Geld der Steuerzahler zu
ihren Gunsten zu verwenden.
Es ist ein
selbstverständlicher Dienst,
der ein Teil des Vertrages
zwischen Bürgern und
Behörden ist.
Aber wenn dieses Teeren auf
einer Straße nördlich von
Bir Zeit passiert und die
ausführenden Kräfte das
israelische Militär (IDF)
sind, die gleichzeitig nach
einer GOC-Order Dutzende von
Dunum Land wegnehmen, das
mehreren palästinensischen
Familien gehört, und das
Haus einer gerade abwesenden
Familie beschlagnahmen, dann
haben wir es mit einer
anderen Vertragsart zu tun.
Es ist ein Vertrag zwischen
den staatlichen isr.
Behörden und den jüdischen
Bürgern Israels, der ihnen
erlaubt, palästinensisches
Land und Besitz zum Schaden
des palästinensischen Volkes
zu nutzen.
Das Teeren geschieht jetzt –
und es verdient mehr als
eine Zeile in der Zeitung.
Doch das Problem ist, dass
selbst 50 Zeilen – selbst
wenn sie auf der Titelseite
erscheinen würden – diesem
schlimmen Raub kein Ende
setzen würde.
Wenn die Behörden eine
Verkehrsinsel in Kvar Saba
bauen und Fahrspuren
kennzeichnen, dann tun sie
dies für die Allgemeinheit
und für deren Sicherheit.
Wenn dasselbe am Ende einer
Straße gemacht wird wie der
bei der Bir-Zeit/
Atara-Kreuzung hat dies
einen anderen Zweck: einen
weiteren ständigen
Kontrollpunkt, (=
„Überwachungsareal“
euphemistischer Ausdruck der
IDF) anstelle eines
provisorischen Checkpoints,
der während der letzten fünf
Jahre nur hin und wieder
operierte. Ein ständiger
Kontrollpunkt bedeutet noch
eine Verletzung in der
unendlichen Reihe von
Verletzungen
palästinensischer
Bewegungsfreiheit.
Das bedeutet auch noch
einen, fast endgültigen
Schritt beim Fertig-stellen
der Umzingelung der
Ramallah-Region durch
Siedler und Militär. Mit
anderen Worten: noch eine
Maßnahme, um die
Ramallah-Provinz vom Rest
der abgeschnittenen
palästinensischen Enklaven
in der Westbank abzutrennen.
Wenn diese Information die
Zeitung erreicht, klingt sie
wie viele andere: es ist
immer dasselbe: eine
geteerte Straße für einen
Kontrollpunkt, Isolierung,
Enklave, Strangulierung.
Aber genau das ist es, was
die IDF tagein, tagaus mit
beispielhaftem Fleiß tut,
sichtbar, nicht geheim. Ein
gewaltiger Kontrollpunkt an
der Zaatara/
Tapuach-Kreuzung, der die
nördliche Westbank von ihrem
Zentrum entfernt; ein
Kontrollpunkt und eine
Trennungsmauer bei Abu Dis,
die das Westbankzentrum von
ihrem Süden trennt und die
durchleuchtet, die hier
durchgehen und Checkpoints
und Siedlungen ( nach
Konsens) rund um Bethlehem,
das längst zu einer
abgewürgten, isolierten
Stadt gemacht wurde. Und
Hebron – so scheint es
denen, die im Norden der
Westbank leben – ist weiter
weg als Saudi Arabien.
In den letzten beiden Jahren
erlebte die Ramallah-Provinz
verglichen mit den Enklaven
in der übrigen Westbank eine
relativ lockere Umzingelung.
Allerdings sind drei der
natürlichen fünf Zu/Ausgänge
der Stadt teilweise oder
ganz blockiert: Bitunia im
Südwesten ist nur für Waren
offen, die durch die
spezielle Methode („back to
back“) am Kontrollpunkt in
dort auf der andern Seite
wartende LKWs umgeladen
werden; Qalandia im Süden
ist blockiert für
palästinensische Fahrzeuge
und die Fußgänger müssen
eine ermüdende, ärgerliche
und demütigende Kontrolle
über sich ergehen lassen;
und der östliche Ausgang ist
nur für VIPs in ihren
Fahrzeugen erlaubt. Aber die
Bir-Zeit-Straße, nördlich
von Ramallah, ist eine von
nur zwei Straßen, auf denen
es Palästinensern möglich
ist, mehr oder weniger
direkt von der
Ramallah-Provinz in den Rest
der Westbank zu fahren. Es
ist eine ziemlich
umständliche „Direktheit“,
da die beiden in Frage
kommenden Straßen
zweitrangige Straßen sind,
die die Dörfer mit einander
verbinden und eng und
kurvig, lang und unsicher
sind. Sie sind von all dem
schweren Verkehr stark
beansprucht, den
Kontrollpunkte und
Straßensperren daran
hindern, die breiten
Hauptstraßen in der Westbank
zu erreichen.
So wird die Bir-Zeit-Straße
eine besondere Straße für
die nach Süden Reisenden;
sie werden zunächst
gezwungen, nach Norden zu
fahren, um in den Süden zu
kommen. Aber nun, wo die
Kreuzung am nördlichen Rand
von Bir Zeit zu einem
ständigen Armeekontrollpunkt
ausgebaut wird, wird auch
die teilweise Illusion eines
„offenen Ramallah“ zunichte
gemacht.
In jedem Bereich der
Westbank ist die Herrschaft
der Bewegungsbeschränkungen
durch mehrere militärische
Order und noch andere Arten
von Straßensperren
gekennzeichnet. Die
Einschränkungen wurden nicht
alle auf einmal eingesetzt.
Sicherheitsvorfälle machen
es möglich, sie als
vorübergehende „ad hoc
Reaktion“ zu erklären, sie
dienen aber einem äußerst
konsequenten Zweck der
Kolonisierung. Zwischen
einer Verschlimmerung und
der nächsten wird den
Palästinensern die
Möglichkeit gegeben, sich
daran zu gewöhnen, eine
Umgehungsstraße zu finden
und zu glauben: „es kann
nicht schlimmer werden“ .
Aber dann kommt eine neue
Einschränkung und es stellt
sich heraus, dass es noch
schlimmer werden kann.
Es geht nicht nur um die
hohen Benzinkosten, die
verlorene Zeit und die
Autos, die auf den
schlechten, unebenen,
felsigen Wegen
zusammenbrechen. Das von
Israel durchgeführte
Zerteilen des Landes,
zerstört auch die normalen
wirtschaftlichen
Beziehungen, ohne die jedes
Gespräch über Entwicklung
reine Irreführung ist. Diese
Teilung widerspricht allen
internationalen
Resolutionen, die die
Errichtung eines
lebensfähigen
palästinensischen Staates
betreffen, und macht jede
Hoffnung auf eine
wirtschaftliche Erholung und
politische Ruhe, wie sie von
der Weltbank und Condolezza
Rice ausgesprochen wird, nur
zum Gegenstand des Spottes.
In ihrer gesamten Auswirkung
zwängt die Teilung des
Landes die Palästinenser in
ein eingeschränktes,
demütigendes, unterdrücktes
Leben in Enklaven mit
Dritte-Welt-Charakter und in
von einander getrennte
Townships – nur fünf Minuten
entfernt von unserm Leben in
Komfort und Bequemlichkeit.