Brief an Dr. Bernhard
Vogel
Vorsitzender der Konrad Adenauer Stiftung
Dr. Izzeddin Musa
Dr. Izzeddin Musa
53343 Wachtberg, 03.12.2004
Am Bonner Graben 19
Herrn
Dr. Bernhard Vogel
Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
Rathausallee 12
520 Sankt Augustin
Sehr geehrter Herr Dr. Vogel,
Am Dienstag, 30. November 2004, habe ich an einer Tagung in Ihrer
Stiftung (Bildungszentrum Eichholz) „Israel und die arabischen
Staaten. Der schwierige Weg zum Frieden in Nahost“ teil genommen.
Was ich dort erleben durfte, hat mich zu tiefst irritiert und
schockiert. Glaubte ich bisher, das Ihre Stiftung sich einer
objektiven, pluralistischen auf Ausgleich zielenden politischen
Bildung verpflichtet fühlt, wurde ich durch zwei Referenten eines
Besseren belehrt. Es ging Herrn Dr. Jochen Müller und Herrn Matthias
Küntzel bei ihren Vorträgen nicht um sachliche Information, sondern
um Agitation und Hetzpropaganda. Beide Vorträge zeichneten sich
durch extreme Einseitigkeit, Falschinformationen und Diffamierungen
des Islam und der Araber im Besondern aus. Sie waren nicht
informativ, sondern förderten eher Desinformation und Vorurteile;
somit dienten sie letztendlich der Anstachelung von antiarabischen
Gefühlen, insbesondere mit Zielrichtung Palästina. Selbst der
deutsch-palästinensische Referent, Herr Dr. Hajjaj, verwahrte sich
gegen eine solche einzigartige herabwürdigende Einseitigkeiten.
Beide Referenten gelten unter Insidern als unseriös, dies hätte
eigentlich Ihrer Stiftung und dem Veranstaltungsleiter, Herrn Dr.
Erler, bekannt sein sollen. Ein Blick ins Internet hätte genügt. Die
Schriften von Küntzel sind einschlägig bekannt; er tritt gewöhnlich
nur bei extremistischen Gruppierungen wie den Antideutschen,
Honestly Concerned und anderen unseriösen Organisationen auf, die
gegen Araber und Muslime in der arabischen Welt hetzen. Warum hat
Ihre Stiftung ihm eine solches Podium verschafft? Der Repräsentant
von MEMRI (Middle East Media Research Institute, Berlin), Herr Dr.
Müller, vertritt eine Organisation, deren Gründer, Oberst Yigal
Carmon, ein ehemaliger Chef des israelischen militärischen
Geheimdienstes, sich immer für Besatzung und Unterdrückung des
palästinensischen Volkes öffentlich stark gemacht hat. Von Carmon
ist öffentlich nichts überliefert, was auf einen friedlichen
Ausgleich zwischen Israelis und Palästinenser hindeutet. Ziel und
Arbeit von MEMRI ist es, Kommentare aus arabischen Zeitungen mit
einem verfälschenden und verstärkt antiarabisch-isalmischen Tenor
für die westliche Öffentlichkeit zu übersetzen. Wie unseriös MEMRI
ist, zeigt sich auch daran, dass sich die Organisation zusammen mit
anderen extremistischen Organisationen wie Honestly Concerned, „die
Jüdische“ aus Österreich und anderen an einer Hetzkampagne gegen die
Organisatoren der Frankfurter Buchmesse beteiligt haben. Selbst die
Staatsanwaltschaft Frankfurt konnte keine „antisemtischen“ Werke bei
den arabischen Ausstellern finden. Herr Neumann, der Chef der
Buchmesse, wurde in ehrabschneidender Weise diffamiert. Und mit
solchen Organisationen und Personen arbeitet Ihre Stiftung zusammen
und erhält dafür auch noch öffentliche Steuermittel.
Sehr geehrter Herr Dr. Vogel, ich hoffe, Sie werden dafür Sorge
tragen, dass Ihre Stiftung nicht nur einen Beitrag zur friedlichen
Beilegung des Nahostkonfliktes leisten will, sondern sich auch für
einen Ausgleich zwischen Muslimen, der arabischen Welt und Europa,
insbesondere Deutschlands einsetzt. Diesem Ziel fühlten sich die
beiden Referenten bestimmt nicht verpflichtet, da sie durch ihre
einseitige Propaganda und wahrheitswidrige Verzerrungen über die
arabische Welt neue Gräben in Form übelster Vorurteile ausgehoben
haben.
Als Deutsch-Palästinenser bin ich bisher davon ausgegangen, dass
Tagungen von politischen Stiftungen mit Mitteln des Steuerzahlers
finanziert, der politischen Ausgewogenheit dienen sollten. Ich wurde
aber durch diese Veranstaltung eines Besseren belehrt. Ich erlaube
mir deshalb, dieses Schreiben nachrichtlich an folgende Personen und
Institutionen weiterzuleiten. Ich hoffe, dass sich dieser Missbrauch
von Steuergeldern in Zukunft in Ihrer Stiftung nicht mehr
wiederholen wird.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Izzeddin Musa
Nachrichtlich an:
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
Bundesinnenminister Otto Schily
Bundestagsabgeordnete
Vorsitzender des Finanzausschusses
Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung Presseorgane
Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Friedrich-Naumann-Stiftung e.V.
Rosa-Luxemburg-Stiftung e.V.
Dr. Izzeddin Musa
Am Bonner Graben 19
53343 Wachtberg, den
29.12.2004
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
z.Hd. Herrn Dr. Christian Koecke
Postfach 13 31
50387 Wesseling
Sehr geehrter Herr Dr. Koecke,
vielen Dank für Ihr Schreiben vom 22. Dezember. Wie Sie sich
denken können, bin ich mit Ihrer Antwort nicht zufrieden,
insbesondere, was die Person von Matthias Küntzel betrifft. Sie
sollten sich einmal seine Artikel und sein letztes Buch ansehen. Es
ist ein Schmierenwerk und Pamphlet. Es transportiert nur Vorurteile
und stachelt zum Haß gegen Muslime und Palästinenser auf. Es ist
auch kein Ausweis von "Seriosität", wenn Sie zu Küntzel´s
"Ehrenrettung" auf das Buch "Neuer Antisemitismus? Eine globale
Debatte" hinweisen. Dieses Buch ist ebenso einseitig, es ist von
einschlägig bekannten Personen herausgegeben. Rabinovici, Walzer und
Finkielkraut sind in ihren Ländern als Legitimatoren israelischen
Besatzungspolitik bekannt; sie tragen nicht unbedingt zum Ausgleich
bei, sondern gießen eher Öl ins Feuer.
Da Sie sich nicht zu MEMRI geäußert haben, gehe ich davon aus,
dass Sie über diese Organisation, ihren Gründer und dessen
geheimdienstlichen Hintergrund und dubiose Machenschaften informiert
sind. Beide Referenten, Dr. Jochen Müller wie Matthias Küntzel
haben, am 30.11.04 in der KAS, agitatorische und hetzerische
Lügenpropaganda auch gegen den Islam, durch den Angriff auf den
TV-Sender „Al-Manar“ verbreitet. Hierzu diente der Aufsatz von
Küntzel: „von Zeesen bis Beirut: Nationalismus und Antisemitismus in
der arabischen Welt.“ Diese beiden Herren sind bereits woanders
einschlägig bekannt.
Dass zur Finanzierung dieser Agitation und Verbreitung von
Unwahrheiten in Ihrer Stiftung Steuergelder eingesetzt werden, ist
skandalös. Ich werde alles tun, um dies öffentlich zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Izzeddin Mus