Sent: Friday, February 04, 2005 9:18
PM
Subject: Annäherung in Nahost bestätigt israelische
Kritik an Arafat - meint die fdp
Claudia Karas in einem Brief an den
Nahost-Experten der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Stinner:
sehr geehrter herr
bundestagsabgeordneter stinner,
diese Ihre pressemitteilung ist völlig
unverständlich !
warum müssen Sie einem toten noch
nachtreten und solchen unfug in die welt setzen?!
das hindernis, herr
bundestagsabgeordneter, ist und war nicht arafat, sondern die weigerung
der israelischen besatzungsmacht, die rechte der palästinenser
anzuerkennen, die permanente weigerung, uno-resolutionen
anzuerkennen und umzusetzen.
es war israel, das sich dem
friedensprozess verweigert hat, es war ehud barak, der für das
scheitern
von camp david verantwortlich war und
nicht arafat ! bitte informieren Sie sich besser !
dass "auch unter israelischer
Besatzung Erfolge möglich" sein sollen, ist zynisch und mit
recht hat
arafat diese "erfolge" bestritten.
besatzung ist ein verbrechen ! jeder widerstand
dagegen ist legitim!
Sie, herr bundestagsabgeordneter,
verharmlosen besatzung und die menschenrechtsverletzungen,
vertreibung, häuserdemolierungen, landraub !
wer hierzu schweigt, ist mitschuldig !
claudia karas
60318 frankfurt
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Günter Schenk in einem Brief an den
Nahost-Experten der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Stinner:
Sehr geehrter Herr Sinner,
was Sie hier von sich geben, zeugt von großer Fähigkeit, im Strom zu
schwimmen. Aber, haben Sie jemals
daran gedacht, dass das unkritische Nachbeten von Verlautbarungen einer
Regierungspressestelle, in diesem
Falle aus Tel Aviv oder Jerusalem, auf gar keinen Fall einen
intelligenten Bundestagsabgeordneten ausmacht ?
Es stimmt ja: die Regierung Sharon hatte den Präsidenten Arafat zum
"größten Hindernis für eine Friedenslösung"
erklärt. War er es aber ? War es nicht immer wieder, auch wenn sogar
Hamas und der Dschihad Gesprächsbereitschaft
signalisierte, Shraron und seine rechtsradikal angehauchte Ministergarde
und deren Politik, die das Haupthindernis
auf dem Friedensweg war und bis heute ist ?
Wer hat, sofort nach Verkündung der "Road Map für den Frieden" diesem
Plan zugestimmt ? War das Sharon ? Nein,
es war Ararat, während Sharon heuchlerisch zustimmte und gleichzeitig
bei den unerfüllbar Bedingungen auf Veränderungen stellte - und bei den
Amerikanern durchsetzte.
Jeder, auch ein viel beschäftigter Bundestagsabgeordneter kann
inzwischen bei zuverlässigen und unverdächtigen Zeugen
nachlesen, dass es nicht Arafat war, der in Camp David, und später in
Taba, vernünftige Abmachungen verhinderte.
Es war Sharon. Und es ist, glauben Sie es mir, auch heute noch, nachdem
Arafat unter noch keinesfalls eindeutig geklärten
Umständen tödlich erkrankte (es war die israelische Regierung, die
"wusste", dass Arafat tödlich erkrankt sei, noch bevor
französiche Ärzte eine Diagnose stellen konnten sic!) Sharon, der weder
in der Lage ist, die von ihm hochgepäppelten Siedler
("Judeo-Nazis" lt. dem großen israelischen Philosophen Y. Leibowitz) in
das Land zurückzuholen, noch überhaupt jemals den Willen dazu geäußert
hat, außer aus dem für Erez Israel seit Beginn irrelevantem
Gaza-Streifen.
Hat sich tatsächlich auf israelischer Seite auch nur das Geringste
bewegt seit dem Ableben Präsident Arafats ?
Wurde eine einzige bebaute Siedlung im Westjordanland geräumt ? Wurden
die Besatzungstruppen aus den palästinensischen
Gebieten heimgeholt ? Wurden die vom internationalen Haager Gericht als
Verletzung des Völkerrechtes verurteilten Sperranlagen dorthin verlegt,
wo sie im äußersten Falle gerechtfertigt wären (israelische Freunde
stimmen mir zu, dass sie selbst auf der sogenannten "Grünen Linie"
Beweis des Misserfolges der Friedenspolitik Israels wären) ?
Hat Israel seit dem tragischen Ableben des eingesperrten Arafat eine
einzige UNO-Resolution erfüllt ? Nur eine einzige ?
Hat Israel das getan, was jeder andere Staat der UN-Völkergemeinschaft
für selbstverständlich hält: die eigenen Staatsgrenzen zu definieren ?
Hat Israel ein einziges Mal vor den Betroffenen seiner nun schon mehr
als ein halbes Jahrhundert anhaltenden Apartheid- und
Vertreibungspolitik auch nur Anzeichen von Reue gezeigt ?
Es ist ja schön, sehr geehrter Herr Stinner, wenn auch Sie, wie viele
von uns, kürzlich erst der große Uri Avnery, die Hoffnung
nicht verlieren. Das aber sollten Sie als gewählter und ihren Wählern
verantwortlicher Abgeordneter des Deutschen Bundestages
erkennen: Veränderung zum Guten in Nahost hing niemals seit dem großen
Auftritts Arafats vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen von den
Palästinensern ab. Auch der neugewählte Präsident M. Abbas wird nicht
viel bewegen können, wenn ihm auf der anderen, der israelischen Seite
der Partner fehlt.
Bisher hat es nur insofern Bewegung gegeben, als Mahmud Abbas
Vorleistungen erbracht hat wie diese: die Besatzungsarmee von
"Ordnungsaufgaben" zu entlasten (Ersatz der Besatzungsarmee durch
eigenen unbewaffnete Polizeikräfte in Gaza), während die Anzahl der
"Siedler" in den besetzten Gebieten weiter erheblich erhöht, die
Siedlungen selbst weiter vergrößert wurden. Es mag ja Politiker geben,
denen nichts lieber wäre, als aus Mahmud Abbas einen Quisling zu machen.
Es dürfte auch Ihnen, sehr geehrter Herr Abgeordneter, nicht entgangen
sein, dass dies schon "klassisch" genannt werden kann in Palästina:
während man Friedenshoffnungen weckt, Verhandlungen führt, werden
tüchtig neue Fakten geschaffen wie, Fortsetzung von Landenteignungen,
von Mauerbau, von Schikanen der Dörfer, der Städte, Erweiterung der
illegalen Kolonien, von "stillen" Vertreibungen durch fortgesetzte
Schikanen.
Es mag ja stimmen, dass Sie mit Äußerungen, wie der wiedergegebenen,
ihrer politischen Karriere einen Dienst erweisen - allemal keine für Sie
"gefährliche" Kritik einstecken müssen - aber: glaubwürdig werden Sie
damit gewiss nicht.
Ich bitte Sie: seien Sie ein Ehrenmann und werfen Sie dem verstorbenen,
demokratisch gewählten ehemaligen Präsidenten Arafat keine Steine nach.
Er hat es zuallerletzt verdient. Sie müssen ja überhaupt keine Steine
werfen, sondern nur Ehre dem geben, wem Ehre gebührt. Tun Sie das allein
Richtige: helfen Sie mit, dass, nach den Juden Europas, nicht auch noch
weiterhin die Palästinenser Opfer unseres Tuns, Ihrer Reden werden.
Hochachtungsvoll
Günter Schenk
Beinheim, Frankreich
-
Mitglied des "Collectif Judeo-arab et citoyen pour la Paix, Strasbourg"
http://www.fdp-fraktion.de/index.php?seite=http://www.fdp-fraktion.de/pressemitteilungen.php?thema=15
STINNER: Annäherung in Nahost bestätigt israelische Kritik an
Arafat
BERLIN. Zu dem angekündigten Treffen des israelischen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Palästinenserpräsident Mahmut
Abbas erklärt der Nahost-Experte der FDP-Bundestagsfraktion Rainer
STINNER:
Trotz aller Schwierigkeiten macht der Annäherungsprozess
zwischen Israelis und Palästinensern deutliche Fortschritte. Das
angekündigte Gipfeltreffen ist ein weiterer Meilenstein.
Die bisher erfolgten Bemühungen von Abbas, die Extremisten
einzubinden und den Terror zu beenden, machen deutlich, dass
auch unter israelischer Besatzung Erfolge
möglich sind. Dies hatte Arafat immer bestritten.
Es zeigt sich immer deutlicher, dass Arafat wohl doch
persönlich ein großes Hindernis für den Friedensprozess gewesen ist. Wie
viel Leid und Unglück hätte Israelis und Palästinensern erspart bleiben
können, wenn Arafat den Weg von Abbas schon vor zehn Jahren gegangen
wäre.
Auch wir müssen uns fragen, ob nicht durch einen größeren
Druck auf Arafat auch von europäischer Seite, schon früher solche
Fortschritte möglich gewesen wären.
Susanne Bühler
Telefon: (030) 227-52388
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