Dr. Izzeddin Musa - Ein
Brief an den Bundeskanzler Schröder |
PetitioN Dr. Musa |
Petition Claudia Karas
Dr. Izzeddin Musa
53343 Wachtberg
21.02.2005
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland Herrn Gerhard Schröder
11012 Berlin T e l e f a x
Flagrante Verletzung eigener Grundprinzipien?
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber
Genosse Gerhard Schröder, Flagrante Verletzung eigener
Grundprinzipien? Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber
Genosse Gerhard Schröder, ich habe Dein Interview in der Zeitschrift des
deutschen Judentums "Tribüne" gelesen und war entsetzt. Was Du dort über
Arafats Haltung in Camp David, zur Road Map und anderen historischen
Vorgängen gesagt hast, zeugt nicht gerade von profunder Kenntnis der
Sachlage. Bevor Du Dich wieder einmal zu diesen Vorgängen äußerst,
solltest Du Dich wenigstens nicht auf die Fischer-Berater aus dem
Auswärtigen Amt oder Deine außenpolitischen Berater verlassen, denn
diese scheinen außer den israelischen Propagandafloskeln über keinerlei
weitere historische Kenntnisse zu verfügen. Zum "grosszügigen Angebot"
Deines Freundes "Barak" möchte ich Dir nur dieses mitteilen, dass es ein
solches nie gegeben hat, wie im nachhinein einige israelische und
amerikanische Delegationsmitglieder bestätigt haben. Es handelt sich
hier um ein Mythos. Du und Deine Berater sollten einmal die Berichte von
Robert Mahly (US-Delgeationsmitglied) und anderen lesen, dann können sie
Dir nicht raten, solchen Unsinn zu verzapfen. In der "Neue Züricher
Zeitung" vom 22. Juni 2002 ist ein ausgezeichneter Beitrag von Ludwig
Watzal, einer der besten Nahostkennern in der Bundesrepublik,
erschienen: "Der Mythos von Camp David", den ich Dir ans Herz legen
möchte. Weitere bekannte und international anerkannte Persönlichkeiten
haben sich mit dem "Mythos von Camp David" auseinander gesetzt, wie zum
Beispiel Frau Prof. Tanya Reinhard, Prof. Ilan Pappe, Prof. Baruch
Kimmerling, Prof. Mosche Zimmermann, Uri Avnery; um nur einige zu
nennen. Diese Autoren, ausnahmslos jüdische Israelis, bestätigen die
Inhaltslosigkeit des "großzügigen Angebots". In den Artikeln hättest Du
die historische Wahrheit erfahren können. Nicht Arafat, sondern Barak
und Clinton tragen die Verantwortung für das Scheitern in Camp David.
Arafat hat sich, Gott sei Dank, diesem Diktat widersetzt. Aber darum
scheint es niemals gegangen zu sein, wenn ich mir die deutsche
Nahostposition, insbesondere Deiner Regierung und die Deines Außen- und
Innenministers anschaue. Beider Servilität gegenüber Israel macht sie
mehr als verdächtig. Du weißt dass die sogenannte Road Map schon lange
irrelevant geworden ist. Nicht die vier Initiatoren bestimmen die
Richtung, sondern Scharon und Bush. Der Einfluss der EU, der UNO und
Russlands ist gleich null. Scharon führt Bush wie ein Tanzbär durch die
internationale Arena und Ihr haltet dies für Diplomatie. Was Du zu
Deinem Amtsvorgänger Konrad Adenauer und Israels Ministerpräsidenten
David Ben-Gurion gesagt hast, zeugt ebenfalls von einer geringen
historischen Kenntnis. Deine Berater sollten sich einmal die Person
Ben-Gurions nicht aus israelischen Propagandaquellen informieren,
sondern aus Veröffentlichungen, welche die Realität darstellen, dann
würden Dir die Augen aufgehen. Da diese fast alle nur in Großbritannien
erscheinen können, ist es nachvollziehbar, dass Deine Berater nicht auf
der Höhe der aktuellen Debatte sind. Es ist auch viel bequemer, und man
handelt sich keinen Ärger ein. Ich hoffe nicht, dass Du durch Deine
Haltung Deinem Außennminister in seiner Servilität nacheifern willst,
der ja, wie Dir bekannt ist, das Sammeln israelischer Doktorhüte zu
seinem Hobby gemacht zu haben scheint. Zum Schluß muss es noch erwähnt
werden, dass Deine Haltung 1991, als niedersächsischer
Ministerpräsident, von Einseitigkeit weit entfernt war. Du hast es
abgelehnt bei einer Kundgebeung jüdischer Organisatioinen zu sprechen,
weil in dem Aufruf eine Friedensordnung für die Region gefordert wurde,
die aber das Volk der Palästinenser nicht ausdrücklich miteinbezog.
Diesen Zeiten sind nachzutrauern.
Mit solidarischem Gruß
An den
Deutschen Bundestag
Petitionsausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Petition nach Art. 17 GG
Wahrheitswidrige Behauptung über die Camp-David-Verhandlungen durch
den
Bundeskanzler
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit ersuche ich den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestag -
in
seiner Funktion als Volksvertretung – sich mit den wahrheitswidrigen
Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder zu den Camp-David-Verhandlungen vom Juli 2000 zu befassen.
Vorgang:
Der Bundeskanzler hat - laut einer Meldung der "Neue Züricher
Zeitung"
NZZ online vom 18. Februar 2005 (Anlage 1) - bezogen auf das
Friedensangebot des israelischen Ministerpräsidenten Barak vom Juli
2000 in Camp David behauptet: "Ich finde, dass es ein großer Fehler
Arafats gewesen ist, das Angebot nicht zu akzeptieren, das mein
Freund
Barak zusammen mit Präsident Clinton damals vorbereitet hatte. Ein
ganz
großer politischer Fehler auf seiner Seite."
Diese Äußerung entspricht nicht den Tatsachen. Um das Gegenteil zu
beweisen, füge ich den Beitrag über die Verhandlungen von Camp David
von Dr. Ludwig Watzal, einer der besten Nahostexperten in
Deutschland,
bei (Anlage 2). Mehr über den ganzen Komplex können Sie in dem Buch
„Feinde des Friedens“ von Watzal nachlesen. Als weitere Bestätigung
füge ich noch den Beitrag von Chris Mardsen aus England (Anlage 3)
bei.
Weiterhin erhalten Sie einen Brief von Günter Schenk und einen vor
mir
an den Bundeskanzler (Anlage 4 und 5). Ebenso realistisch äußert sich
Baruch Kimmerling, Soziologieprofessor an der Hebräischen Universität
in Jerusalem, in seinem Buch „Politizid“ über Camp David.
Alle Beiträge und Briefe sind eindeutige Belege dafür, dass unser
Bundeskanzler sich vor seinen Äußerungen im Interview mit der
Zeitschrift „Tribüne“ nicht umfassend informierte.
Seine Äußerungen stellen eine eindeutige Verleumdung des
palästinensischen Volkes dar.
Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Zitat aus dem Buch „Operation
Dornenfeld“ von Professorin Tanya Reinhart, Lehrstuhl an der
Universität Tel Aviv, aus Kapitel 2: „Die Verhandlungen von Camp
David:
Mythen und Fakten“, zitieren, das von Robert Mally,
US-Delegationsmitglied in Camp David, in der New York Times und
Ha’aretz vom 10. Juli 2001 veröffentlicht worden ist: „Viele glauben
inzwischen, die Ablehnung der Vorschläge von Camp David durch die
Palästinenser habe eine tiefsitzende palästinensische Ablehnung des
Existenzrechts Israels enthüllt. Aber sehen wir uns einmal die
Tatsachen an: Die Palästinenser forderten die Schaffung eines
palästinensischen Staates an der Seite Israels in den Grenzen des 4.
Juni 1967. Sie akzeptierten das Vorhaben Israels, für seine
Siedlungen
Gebiete im Westjordanland zu annektieren. Sie akzeptierten das
Prinzip
der israelischen Souveränität über die jüdischen Viertel in
Ost-Jerusalem – Viertel, die vor dem Sechstagekrieg von 1967 kein
Teil
Israels waren. Und während sie auf der Anerkennung des Rechts der
Flüchtlinge auf Rückkehr beharrten, erklärten sie sich einverstanden,
dass es in einer Weise in die Tat umgesetzt werden sollte, die die
demographischen Interessen und die Sicherheitsbedürfnis Israels
berücksichtigte, indem die Zahl der Rückkehrer beschränkt wurde.
Keine
andere arabische Partei, die je mit Israel verhandelt hat – weder
Anwar
el-Sadats Ägypten, noch Jordanien unter König Hussein, ganz zu
schweigen vom Syrien Hafez al-Assads – hat derartige Kompromisse
jemals
auch nur annähernd in Betracht gezogen.“
An einer anderen Stelle schreibt Frau Reinhart, dass keine einzige
Dokumentation von Verhandlungen vorgelegt worden, die die offiziellen
Behauptungen über Baraks Angebote untermauern würde. Darauf hat der
angesehene Analytiker von Ha’aretz, Akiva Eldar, hingewiesen:
„Praktisch niemand hat auch nur die geringste Vorstellung, worin
diese
Vereinbarungen bestehen. Niemand hat das Papier gesehen, dass diese
Vereinbarungen zusammenfassen würde, weil ein solches Papier gar
nicht
gibt. Veteranen im diplomatischen Geschäft können sich an keine
politischen Gespräche erinnern, deren Inhalt nicht schriftlich
niedergelegt wurde.“ (Ha’aretz , 16. November 2000). Robert Mally
drückt es so aus: „... Die letztendliche weitgehend unbemerkt
gebliebene Folge der Herangehensweise Baraks ist die Tatsache, dass
es
strenggenommen nie ein israelisches Angebot gegeben hat. ...“
(Hussein
Agha und Robert Mally, „Camp David: The Tragedy of Errors“, New York
Times, 9. August 2001. ) Folgende Fragen drängen sich letztendlich für
mich auf, die ich Sie bitten möchte, mir zu beantworten:
1. Wie kann der Bundeskanzler offensichtlich eine
solche den historischen Tatsachen widersprechende Äußerungen machen?
2. Warum ist der Bundeskanzler nicht wahrheitsgemäß und umfassend
informiert worden?
3. Widersprechen nicht die Äußerungen des Bundeskanzlers der Meinung der
Volksvertreter?
Ich bitte um Bearbeitung meiner Petition. Dafür möchte
ich mich schon im Voraus herzlichst bedanken.
Mit freundlichen Grüßen
26.02.2005
An den
Petitionsausschuss
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Interview des
Bundeskanzlers Gerhard Schröder
mit der Zeitschrift «Tribüne»,
zitiert in der
NZZ-Online-Ausgabe vom 18.02.3005 unter dem Titel:
„Schröder spricht
von grossem Fehler Arafats.
Vorwürfe wegen Nein zu Friedensangebot“
sehr geehrte damen
und herren,
in dem interview mit
der zeitschrift „Tribüne“ behauptet der bundeskanzler gerhard schröder,
bezogen
auf das „friedensangebot“
des damaligen israelischen ministerpräsidenten Ehud Barak vom Juli
2000 in Camp David wörtlich: „Ich finde, dass es ein großer
Fehler Arafats gewesen ist, das Angebot nicht zu akzeptieren, das mein
Freund Barak zusammen mit Präsident Clinton damals vorbereitet hatte.
Ein ganz großer politischer Fehler auf seiner Seite."
Dieser „Mythos von
den verpassten Chance Arafats“ ist nachweislich falsch !
Uri Avnery, Gush
Shalom (israelischer friedensblock): "Diese Legende, die von Barak
erfunden wurde, um seinen monumentalen Misserfolg zu verheimlichen,
hat mit der Wahrheit nichts zu tun, ist aber ein Mantra, das von allen
Israelis und Ausländern, auch vielen Deutschen wiederholt wird."
Chris Marsden
beschreibt in Junge Welt den „Mythos Camp David - Die gängige
Darstellung der gescheiterten Friedensverhandlungen in den
amerikanischen Medien ist Teil einer gezielten Desinformationskampagne
http://www.jungewelt.de/2002/05-15/009.php
„... Robert Malley,
unter Clinton Nahost-Experte im Nationalen Sicherheitsrat der USA und
Mitglied des amerikanischen Teams in Camp David, schrieb in der New
York Times vom 8. Juli 2001 unter der Überschrift »Märchen über das
Scheitern von Camp David«: u. a. “Ein Palästinenserstaat mit 91
Prozent der Westbank und Gaza war mehr, als die meisten Amerikaner und
Israelis für möglich gehalten hätten, aber wie hätte Herr Arafat
seinem Volk den Landtausch im Verhältnis neun zu eins erklären
sollen?« Malley gab auch zu, daß die Palästinenser größere
Zugeständnisse gemacht hatten: »Die Palästinenser traten für einen
Palästinenserstaat ein, der in den Grenzen vom 4. Juni 1967 neben
Israel bestehen sollte. Sie akzeptierten, daß Israel das Territorium
der Westbank mit Siedlungsblöcken annektieren würde. Sie akzeptierten
das Prinzip der israelischen Souveränität über die jüdischen Viertel
in Ostjerusalem - Viertel, die vor dem Sechstagekrieg von 1967 nicht
Teil des Staates gewesen waren. Und während sie darauf bestanden, daß
das Recht der Flüchtlinge auf
Rückkehr anerkannt wird, waren sie bereit, es in einer Weise
umzusetzen, die Israels demographische Zusammensetzung und
Sicherheitsinteressen berücksichtigte und deshalb die Anzahl der
Rückkehrer beschränkte....« Am 23. Juli 2001 gab Ahmed Qureia, der
Chefunterhändler der Palästinenser in Camp David, eine
Pressekonferenz, in der er Malleys Bemerkungen zustimmte und die
Behauptung, daß »Barak alles anbot [und] die Palästinenser alles
ablehnten«, als »die größte Lüge der letzten drei Jahrzehnte«
verurteilte. Auch die New York Review of Books, die New York Times und
die palästinensische Verhandlungsdelegation veröffentlichten Material
über Camp David, das die Behauptungen der zionistischen
Märchenerzähler widerlegte. ...“
daher bitte ich
Sie,
1.
vom bundeskanzler eine erklärung für seine offensichtlich
falsche darstellung einzufordern,
2.
sicherzustellen, dass der bundeskanzler zukünftig umfassend und
den tatsachen entsprechend informiert wird
3.
eine richtigstellung in den medien zu veranlassen.
wer wie der bundeskanzler «jegliche Form von Terrorismus gegen Israel
und seine Bürgerinnen und Bürger zu beenden» fordert, aber den terror
der besatzung, die weigerung israels, die zahllosen UN-Resolutionen
anzuerkennen und umzusetzen, die menschenrechtsverletzungen, die
vertreibung, die unterdrückung, den permanenten landraub durch die
sogenannte „einzige demokratie im nahen osten“ duldet, hat sicher
nichts aus der geschichte gelernt, sondern bewältigt die vergangenheit
auf kosten des palästinensischen volkes – als letztes opfer der
nazibarbarei.
zum schluss möchte ich Sie auf merksam machen auf das
"Olga-Document"
http://www.ariga.com/treaties/olga.shtm
eines manifestes mit weiter gehenden forderungen als die zum
scheitern verurteilte „genfer initiative“. die unterzeichner dieser
erklärung (namhafte israelische persönlichkeiten wie
Anat Biletzki, André Draznin, Haim Hanegbi,
Yehudith Harel, Michel (Micado) Warschawski, Oren Medicks u.a.),
plädieren für eine friedliche Koexistenz, die auf gegenseitiger
Anerkennung, Partnerschaft und der Wiederherstellung historischer
Gerechtigkeit gründet. dafür sollte sich der bundeskanzler –
und die bundesregierung - „mit aller Macht“
einsetzen !
für eine antwort
bedanke ich mich im voraus und verbleibe
mit freundlichen
grüßen
claudia karas
Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter:
http://www.nzz.ch/2005/02/18/al/newzzE5CALFOK-12.html