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Briefe an unserem Außenminister Joschka Fischer
und die nicht vorhandenen Antworten

 

From: "Gisela Rothenbücher"
To: <e-mail(at)joschka.de>
Cc: <300-1(at)auswaertigesamt.de>; Sent: Thursday, April 01, 2004 Subject: Frieden ist der Weg

Sehr geehrter Herr Außenminister Fischer,

dieser Brief war gerade fertig, als in 3SAT der israelische Historiker Morris sich über die weitere Vertreibung palästinensischer Menschen aus ihrer Heimat äußerte. Bitte lesen Sie!!! Handeln Sie gegen den Genozit, der unter den Augen und mit dem Schweigen der deutschen Regierung stattfindet! Mit der Vorgeschichte unseres Volkes gegenüber dem jüdischen könnten Sie als deutscher Außenminister Vorreiter sein in Europa. Das wäre eine Auszeichnung wert!

Mit freundlichen Grüßen,
Gisela Rothenbücher
 

Es gibt keinen Weg zum Frieden,
Frieden ist der Weg
Mahatma Gandhi

Frieden ist das höchste Gut.
Das Wort Friedensprozess lässt Menschen hoffen.

Nicht nur die, die Frieden herbeisehnen, weil sie in einem besetzten Land dem Unfrieden täglich ausgeliefert sind. Auch die, die mit ihnen den herrschenden Unfrieden nicht mehr ertragen können. Doch wie oft wurde dieses großartige Wort Friedensprozess missbraucht. Missbraucht dazu, Menschen Hoffnung zu geben. Hoffnung auf ein Leben in Frieden. Das heißt in Freiheit, Selbstbestimmung und Würde.

Freiheit, seine Schritte zu lenken, wohin man möchte:

zu Nachbarn, zu Freunden und zu Verwandten, wo immer sie wohnen. Nicht aufgehalten zu werden an unzähligen Checkpoints , von jungen Soldaten der Besatzermacht. Ausgeliefert zu sein ihrem Willen: ihrer Nachsicht oder ihrem Willen zur Machtausübung. Eingesperrt zu sein bei Ausgangssperren mit Panzern vor der Tür, die Kindern nicht erlauben, zur Schule zu gehen. (Ganz zu schweigen davon im Freien zu spielen.) Die Studenten nicht erlauben, sich an ihrer Uni weiterzubilden. Das hat System. So kann man sogar das überlebenswichtige Humankapital zerstören. Die Menschen nicht erlauben, ihre Felder zu bestellen. Man will ihren Lebensunterhalt und den ihrer Kinder und Kindeskinder zerstören. Die Kranken nicht erlauben, ein rettendes Krankenhaus zu erreichen. Die Schwangeren nicht erlauben, zur Geburtsklinik zu kommen. Auch das hat System. Kinder kommen am Checkpoint zur Welt oder sterben, wie die Kranken, denen junge Soldaten den rettenden Weg versperren. Ich frage mich, was geht in diesen Menschen vor? Ist es die Uniform, das Gewehr, das sie vergessen lässt, sich menschlich zu verhalten? Es erinnert an Zeiten in Deutschland, wo Menschen vor Uniformen und bei Stiefelschritten vor ihrer Wohnung erzitterten. Haben wir das alles vergessen? Es sollte nie mehr vorkommen. Nur bei uns???

Checkpoints, Panzer ganz zu schweigen von der riesigen Mauer, der neuesten Errungenschaft eines krankhaften Sicherheitswahns, die Menschen in Kantonen einsperrt, sind wohlüberlegte Waffen, einem ersehnten Frieden den Weg zu versperren.

Und sie nehmen den Menschen die Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben. Selbstbestimmung gehört doch in unserer so viel gepriesenen Demokratie zu den obersten Geboten. Warum fordert unsere Regierung sie dann nicht von dem einzigen demokratisch regierten Land im Nahen Osten - so wird doch immer betont - . Demokratische Wahlen allein kennzeichnen ein Land nicht als Demokratie. Dazu gehören auch Werte wie Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit. Von diesen Werten kann ich nichts wiederfinden in der einzigen Demokratie im Nahen Osten.

Gleichheit endet bereits an Straßen, die elegant gebaut nur von der Besatzungsmacht benutzt werden dürfen. Die gebaut wurden auf gestohlenem Land, für die unzählige Olivenbäume, der Lebensunterhalt vieler Familien, mutwillig aber mit System zerstört wurden. Wer zählt die Tränen der Menschen, denen man ihren letzten Besitz genommen? Die die eleganten Straßen nicht benutzen dürfen, sondern sich durch steinige Wege ihren Weg bahnen.Stunden benötigen, um ans Ziel zu gelangen, das die Besatzer auf den eleganten Straßen in Minuten erreichen. Freiheit endet am nächsten Checkpoint oder an der Mauer. Brüderlichkeit liegt begraben unter all den Toten, den zerstörten Häusern, den zerstörten Olivenhainen. Wann klagt unsere Regierung diese Werte ein? Damit Israel sich wirklich als Demokratie beweisen kann. Damit der Frieden endlich eine Chance hat.

Panzer, Checkpoints und die riesige Mauer mit den Beobachtungstürmen sind wohlüberlegte Waffen, Menschen ihrer Würde zu berauben.

Würde hat im arabischen Raum einen viel höheren Wert als in unserer Denkart. Respekt vor dem Alter ist ein höchster Wert. Was geht in Kindern vor, die mitansehen müssen, wie junge Soldaten ihre Väter,ihre Großväter demütigen? Menschen ihre Würde zu nehmen, bedeutet ihr Ansehen zu zerstören. Was bleibt? Viele junge Menschen treibt all dies in die Arme derer, die ihnen einreden, ihre Würde und die ihrer Familien nur durch Rache wiederherstellen zu können. Wohin das führt? Das bedarf keiner Antwort!!! Die Bilder der Attentate sprechen für sich.

Eine Regierung, die zu all dem schweigt oder bei wichtigen Entscheidungen im Weltsicherheitsrat oder vor dem internationalen Gericht sich der Stimme enthält, unternimmt nicht nur nichts gegen das Morden, sondern gibt in den Augen vieler Verantwortlichen seine Zustimmung zu dem Geschehen.

Treten Sie doch endlich mit aller Kraft dafür ein, dass die Menschen im Heiligen Land auf ein Leben in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hoffen können. Damit könnte wirklich ein Friedensprozess eingeleitet werden, der den Namen verdient.

Es gibt sonst keinen Weg zum Frieden.
Frieden ist der Weg.
Salam und Shalom

Gisela Rothenbücher

Sehr geehrter Herr Bundesaußenminister Fischer,

im Oktober verbrachte ich knapp drei Wochen meines Urlaubs in Bethlehem. Ich habe dort auch in seinen Auswirkungen das Attentat der jungen Frau aus Jenin in Haifa erlebt, nämlich eine nahezu total Sperre der israelischen Armee der Straßen innerhalb des palästinensischen Autonomiegebietes, die bis heute andauern.  Auch ich als Ausländer hatte keinerlei Möglichkeiten zum Verlassen von Bethlehem außer nach Jerusalem.

Nun sind über 2 Monate vergangen, dass auch nur ein Suicidbomber Palästinas in Israel ein Attentat ausgeübt hätte. Wohl aber sind in diesen 2 Monaten zwischen 75 und 100 Palästinenser, darunter ca. 20 junge Menschen unter 18 Jahren  von der israelischen Armee getötet worden.

Wie ich Ihnen schon wiederholt schrieb, haben Sie dazu auch in diesem Zeitraum keine Stellung bezogen oder mit der gleichen Vehemenz bei der israelischen Armee/ Regierung protestiert.

Es ist dabei auch belanglos, ob Sie bei Ihrer Nahostreise per "Durchwinken" an Kontrollpunkten zügig zu Gesprächen mit der Palästinensischen Autonomiebehörde nach Ramallah kamen, da Sie die Erfahrungen und Erlebnisse, die zigtausend Palästinenser täglich an Checkpoints, der Mauer usw., machen müssen, geschickt umgehen konnten. Für den Herrn Außenminister ist es halt einfacher und vor allem Herrn Sharon um ein vielfaches gelegener, wenn Sie Stipvisiten machen, anstatt sich mit der realen Situation der Bevölkerung konfrontieren zu lassen und dann handeln zu müssen.

Eine Fahrt mit Herrn Norbert Blüm und Rupert Neudeck als Reiseleitern (Sie könnten sich ja einmal in einer stillen Stunde die Bundespressekonferenz zeigen lassen - aufgezeichnet bei Phoenix am 16.12.03 ) böte auch Ihnen die Chance, die Augen geöffnet zu bekommen - aber das wollen Sie aus "guten" Gründen ja nicht.

Ich spare mir daher weitere Einzelausführugen und schließe mich der Aufzählung und Argumentation von Hern Schenk an - siehe unten.

 Ein   Bundesaußenminister aber hat wohl immer Gründe, sich wie hier im einen Fall (Israel) energisch zu äußern und im anderen Fall (Palästina) vehement zurückhaltend zu schweigen. Doch eines ist wohl mehr als klar: Solange in der politischen Verantwortung stehendende Menschen wie Sie nicht endlich Farbe bekennen, Unrecht auf allen Seiten beim Name nennen und entsprechende Konsquenzen mit Taten ziehen, wird es mit absoluter Sicherheit keine Lösung des Nahostkonfliktes geben.

Wie schon gehabt auch dieses Mal nicht in Erwartung einer Antwort - obwohl es die Kommunikationpflicht auf politischer Ebene gebieten würde - mit freundlichen Grüßen

P. Rainer Fielenbach


Sehr geehrter Herr Fischer,

auch mit Betroffenheit habe ich vom Attentat in Israel, Tel Aviv gehört, das verhalten palästinensischer Gruppen ist zu verurteilen, mit Gewalt wird keine der beiden Parteien eine Lösung erzwingen können.

 Hier haben einzelne Gruppen, hat keine Regierung, keine offizielle palästinensische Vertretung  gehandelt.

 Es ist nur sehr merkwürdig, das in Rafah zur gleichen Zeit 13 Menschen starben, über 40 verletzt wurden, dabei 9 Kinder.  Es wurden in einem Killereinsatz mit Raketen Menschen hingerichtet. Selbst wenn man das Recht hat einen Menschen zu töten (hat man es? entspricht dies internationalen Gesetzen?). hat man das Recht Duzend Unschuldiger dabei zu verletzen?

 Gegen Völker- und Menschenrechte werden Häuser zerstört. Es gibt Anweisungen Palästinenser die mit einem Fernglas Siedlungen beobachten zu erschießen. Häuser, hinter denen sich ein palästinensischer Kämpfer verstecken kann werden abgerissen und und und .........   ist keine Gewalt?

 Ist das  kein Verbrechen, nicht sogar  mehr das Verbrechen von Gruppierungen sondern die eines Staates?

Wie wollen wir mit islamischen Ländern Frieden schließen können, wenn wir ihnen demonstrieren, Palästinenser, Moslems

haben weniger Rechte als Tiere, man kann sie wie Ungeziefer jagen.  In Ablehnung jeder Gewalt, sollen sie sich wie Tiere zur Schlachtbank führen lassen??

 Sehr geehrter Herr  Außenminister. Solch ein Denken und Handeln ist es, das die Gewalt wachsen lässt! Solch ein einäugiges Denken hilft letztlich auch nicht den Israelis.

Angefangen von den protestierenden Soldaten, Piloten, Geheimdiestchefs, Minister, Friedengruppen (für die die Grünen Solidarität zeigen sollten!!!!!!!!!!! Wissenschaftler und Intellektuelle in Israel warnen, dokumentieren die Verbrechen der israelischen Regierung (vom Mauerbau nicht zu reden.)

 Wollen Sie wirklich den Israelischen Menschen helfen, den Palästinensern helfen, dann zeigen Sie bitte vor den Augen der Welt der israelischen Regierung ihre Grenzen und reden Sie bitte nicht Menschen, die letztlich ihrem eigenen Land schaden und blutige Hände haben nach dem Mund.

 Deutschland hat einen anderen Außenminister verdient. (Ich war einer Ihrer Wähler.)

 mfg

Erhard Arendt
 

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Fischer,

Ihre Bemerkungen heute im Rundfunk (DLF), den letzten Selbstmordanschlag in Israel betreffend, habe ich gehört. Gehört habe ich, und das war ja sicherlich auch Ihre Absicht, von Ihrem besonderen Abscheu vor derartigen kriminellen Handlungen und Ihren Aufruf an die palästinensische Seite, nun endlich derartigen Aktionen ein Ende zu bereiten.

So weit, so gut. Welcher rechtschaffene Bürger könnte Ihnen dabei nicht folgen ?

Nicht aber gehört habe ich in den vergangenen 6 (sechs!!) Wochen von Ihrem Abscheu, als uns täglich keine Meldungen über Suizid-Attentate, dafür aber umso häufiger Meldungen aus den besetzten Gebieten Palästinas erreichten über Mordanschläge, Tödungen jeglicher Art, begangen an Kindern, alten Menschen, Männern und Frauen, Willkür gegenüber Kranken auf ihrem Weg in die Spitäler usw.....begangen von einer "terroristischen Vereinigung" ganz anderer Qualität: von Tsahal, den IDF. *

Auch nicht gehört habe ich von Ihrem Aufruf, nun endlich mit den Häuserzerstörungen in den besetzen Gebieten aufzuhören. Mit Häuserzerstörungen, die in kalter Jahreszeit ganze Familien wohnungslos machen. Wo blieb, sehr geehrter Herr Dr. Fischer, Ihr lauter Protest ? Wo Ihre Protestnote, übergeben an Herrn Botschafter Shimon Stein ?

Sie werden mir vielleicht antworten: Aber haben Sie denn nicht gehört von meinem Aufruf an die israelische Seite, mit dem Mauerbau aufzuhören ? Doch, Herr Fischer, ihre lauen Worte, habe ich wohl vernommen. Jedoch, auch da konnte ich, erlauben Sie mir das Bild, "keinen Biss" an Ihrem Protest erkennen. Das war Allerweltsmeinung, was Sie da, viel zu spät allemal, zum Bau der Schandmauer zu sagen hatten.
Andere, wirkungsvollere Worte, auch wirkungsvollere Methoden wären da längst angebracht gewesen, wären auch von der Regierung Scharon gut verstanden worden.

Welche ? Zum Beispiel hätte man wünschen können, dass von französischer und anderer, selbst israelischer Seite  einmal Anderes zu hören wäre, als: "Deutschland ist, was Boykott-Maßnahmen gegen israelisches Unrecht, gegen Apartheid, gegen Unterdrückung als politisches Mittel angeht, regelmäßig als 'Bremser' aufgetreten" (dies war zu lesen und zu hören von seriösen, wohl auch kritischen ausländischen Kommentatoren.

Gefällt Ihnen das, Herr Minister Fischer ? Machen derartige Urteile Ihre Politik des Ausgleiches, die Ihnen im Nahen Osten, will man Ihnen Glauben schenken, doch so sehr am Herzen liegt, glaubhaft ?

Meine Freunde und ich (grenzüberschreitend, wie Sie sich bei meiner Adresse (s.u.) vorstellen können, hören von Ihnen immer sehr rasch herzzerreißende Proteste bei gewalttätiger Antwort auf grenzenlose Unterdrückung, Erniedrigung und Verfolgung des palästinensischen Volkes, kein Sterbenswörtchen hingegen kommt von Ihren Lippen bei den täglichen Mordanschlägen, jedes Mal nicht seitens irgendwelchen Gruppen oder Grüppchen, sondern von einem Staat, zu dem die Bundesrepublik Deutschland auf Grund der Vergangenheit zu besonderer Beziehung aufgerufen ist.

Die Häuserzerstörungen werden von Ihnen, Herr Minister Fischer, offensichtlich nicht einmal wahrgenommen !

Das können Sie, sehr geehrter Herr Fischer ändern ! Das Jahr 2004 kann Ihr Wendepunkt sein ! Es würde den Friedensfreunden, gerade auch in Israel, Auftrieb geben. Diese Unterstützung haben sie verdient.

Ich grüße Sie freundlich, und wünsche Ihnen für das kommende Jahr alles Gute, vor allem aber, Gesundheit und "einen ganzen Sack voll Schuzpe" bei Ihren künftigen Friedensbemühungen für Israel und Palästina

Günter Schenk
5, rue des cigognes
67930 Beinheim
Frankreich
 


* Es ist ja besonders erfreulich - und auch Hoffnung machend - dass nun auch innerhalb dieser mächtigen Armee Menschen dem universellen Sittenrecht Vorrang geben vor völkerrechtswidrigen Befehlen. Wunderbare Menschen, jene, die Zivilcourage vor Befehlsbefolgung stellen und dazu zu größten persönlichen Opfern bereit sind. Diese Menschen in Israel verdienen besondere
Achtung der ganzen Menschheit. Ihnen gehört unsere ganze Solidarität. Auch Ihre, Herr Minister Fischer, sagen Sie dies bitte, bei
Ihrem nächsten Zusammentreffen, Ihrem Freund und Partner, dem Minister Silvan Shalom !


G.S.
 

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